Ein Modellstudiengang mit Pioniercharakter

Ein Modellstudiengang mit Pioniercharakter

Der Modellstudiengang Humanmedizin – die European Medical School Oldenburg-Groningen – unterscheidet sich erheblich von den sonstigen Regelstudiengängen der Humanmedizin und hat in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle.

Patientenorientiertes und fächerübergreifendes Arbeiten, problemorientiertes Lernen mit Tutoren, ein konsequenter Forschungsbezug und ein intensives Kommunikationstraining – das sind nur einige der wichtigsten Standards, die im Modellstudiengang Humanmedizin der European Medical School Oldenburg-Groningen von Anfang an die Ausbildung der Studierenden bestimmen. Hier liegt auch der große Unterschied zum klassischen humanmedizinischen Studium: Die angehenden Ärztinnen und Ärzte sammeln an der Universität Oldenburg bereits ab dem ersten Semester Erfahrungen in Hausarztpraxen und Einrichtungen der ambulanten Medizin. Außerdem absolvieren sie während ihres sechsjährigen Studiums ein Studienjahr an der Rijksuniversiteit Groningen – ein einzigartiges Projekt in Europa.

Grundlagenwissen, medizinisch-klinische Inhalte und Praktika

In den ersten Jahren konnte in jedem Wintersemester 40 Studierende ihr Humanmedizinstudium an der Universität Oldenburg aufnehmen. Eine Zahl, die bis Mitte der 2020er Jahre sukzessive auf 200 erhöht werden soll – aktuell sind es bereits 80 Studierende. Bei der Auswahl der Studierenden schauen die Verantwortlichen im Rahmen des hochschuleigenen Auswahlverfahrens nicht allein auf die Leistungen im Abitur, sondern es spielen auch Faktoren wie medizinische Vorerfahrungen und kommunikative Kompetenzen eine Rolle.

Sechs Jahre Studienzeit umfasst dieser erste grenzüberschreitende Studiengang, der mit dem deutschen Staatsexamen abschließt. In den ersten drei Jahren stehen naturwissenschaftliche Grundlagenfächer sowie klinische Fächer und praktische Fertigkeiten – in je vier zehnwöchigen Modulen pro Jahr – auf dem Lehrplan. Daneben gibt es vier einwöchige allgemeinmedizinische Hospitationen, Wahlpflichtpraktika und Forschungszeit, sodass jedes Studienmodul mindestens eine praktische Woche beinhaltet. Abschluss dieses ersten Studienabschnittes ist das Physikumäquivalent nach dem dritten Jahr.

Vertiefung durch Blockpraktika, Hospitationen und Forschungsarbeit

Ab dem vierten Studienjahr liegt der Schwerpunkt auf den praktischen und kommunikativen Fertigkeiten, die auf den theoretischen und praktischen Grundlagenkenntnissen der vorausgegangenen drei Jahre aufbauen. Die Lehre findet jetzt im Klinischen Trainingszentrum (kurz KTZ) und in den Kliniken statt. Vier zehnwöchige Blöcke teilen sich in je fünf Wochen Propädeutikum im KTZ und fünf Wochen praktische Ausbildung in der Klinik auf. Das fünfte Jahr besteht ebenfalls aus praktischer Lehre in den Kliniken. Die Studierenden absolvieren fünf Blockpraktika á vier Wochen und die restliche Zeit steht für eine verpflichtende Forschungsarbeit zur Verfügung, die in Oldenburg wie auch in Groningen absolviert wird. Im Anschluss daran schreiben die Medizinstudenten das zweite (schriftliche) Staatsexamen. Das sechste Jahr gehört dem Praktischen Jahr (kurz PJ) – aufgeteilt in drei Tertiale. Nach diesen zwölf Monaten erfolgt das dritte (mündliche) Staatsexamen.

Ein Studienjahr umfasst 40 Semesterwochen

Ein großer Unterschied zu anderen Regel- und Modellstudiengängen ist, dass an der Universität Oldenburg ein Studienjahr aus 40 Semesterwochen besteht – an anderen Universitäten absolvieren Studierende in der Regel pro Jahr zwischen 26 und 30 Wochen. Dafür sind alle in der Approbationsordnung vorgeschriebenen Famulaturen in das Studium integriert und fallen nicht in die vorlesungsfreie Zeit.

Innerhalb des Studiums ist ein einjähriger Aufenthalt in Groningen vorgesehen, in dem die Studierenden ihren Lebensmittelpunkt in die niederländische Stadt verlegen. Durch den großen Praxisbezug des Studiums erhalten die Studierenden regelmäßig die Möglichkeit, im universitätseigenen Klinischen Trainingszentrum Untersuchungsmethoden, bestimmte Fertigkeiten sowie kommunikative Aspekte des Berufs in einer geschützten Umgebung zu üben. In Oldenburg sind die Übungseinheiten im KTZ von Anfang an fester Bestandteil des Medizinstudiums. „Die EMS beschreitet damit neue Wege in der Medizinerausbildung, ein starker Praxisbezug und forschungsorientiertes Lernen prägen den Studienalltag“, sagt Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften.

Internetkoordinator (Stand: 24.05.2022)