Neue statistische Methoden, die auch über die Mathematik hinaus – etwa in Psychologie, Medizin oder Informatik – anwendbar sind, stehen im Mittelpunkt einer dreitägigen gemeinsamen Veranstaltung des Zentrums für Statistik in Oldenburg und Bremen (ZeSOB). Noch bis einschließlich 2. September sind Anmeldungen möglich.
Das ZeSOB lädt zur „Methodenwoche“ ein: Die gemeinsame Veranstaltung findet vom 9. bis einschließlich 11. September statt – dieses Mal auf dem Campus der Universität Bremen. Eingeladen sind Studierende, Promovierende, Forschende und alle weiteren Interessierten, die sich mit neuen mathematischen Methoden beschäftigen – insbesondere der Universitäten Oldenburg und Bremen. Die Veranstaltung wird vom „NoW – Northwest Alliance Research Fund“ gefördert.
Das Thema beschreibt etwas, das sicherlich viele Forschende beim Ergründen wissenschaftlicher Fragestellungen gerne hätten, genauso wie generell Menschen, die über eine längere Zeit hinweg Entscheidungen treffen müssen: „Safe anytime-valid inference (SAVI)“, zu Deutsch eine „sichere, jederzeit gültige Schlussfolgerung“.
Auf diesem Feld habe sich in den letzten Jahren auf internationaler Ebene viel entwickelt, insbesondere in den Niederlanden, Nordamerika und England, aber es gebe auch Beiträge aus Bremen, sagt der Bremer Statistiker Prof. Dr. Thorsten Dickhaus. Ausweislich zunehmender Workshops, Veröffentlichungen und ersten Stellenausschreibungen etabliere sich die Methode SAVI zunehmend, ergänzt der Oldenburger Statistiker Prof. Dr. Peter Ruckdeschel. „Dabei geht es darum, in einem längeren Zeitraum mit vielen Entscheidungen die Fehlerquote langfristig zu kontrollieren und gering zu halten.“
Beispiel: die Überwachung und Behandlung eines bewusstlosen Patienten im Krankenhaus auf Basis der Kontrolle diverser Parameter wie etwa Blutdruck, Herzfrequenz und Blutwerten. „Wäre man hier zufrieden mit einer Fehlerquote von fünf Prozent und würde die Werte des Patienten 20-mal kontrollieren, könnten die Fehler sich im schlimmsten Fall addieren – was es natürlich zu vermeiden gilt“, sagt Ruckdeschel.
Hier habe die Statistik lange „einen sehr eingeschränkten Werkzeugkasten“ geboten, so Ruckdeschel, nun ermögliche SAVI als Methode eine gleichmäßige langfristige Fehlerkontrolle. Sie helfe beispielsweise auch Banken, die jederzeit Liquiditätsprobleme vermeiden wollen.
Referent ist der niederländische Mathematiker Dr. Alexander Ly, der 2018 an der Universität Amsterdam promoviert hat und heute am Centrum Wiskunde & Informatica in Amsterdam forscht. Für Gastgeber Dickhaus zeichnet sich Ly durch eine besondere Stringenz in der Herleitung statistischer Verfahren aus, „auf besondere Weise gepaart mit einem sehr scharfen Blick auf effiziente, etwa im Produktionsbetrieb einsetzbare Implementierungen und reale Anwendungen“. Bei Implementierung und Anwendung gelte Ly als „weltweit mit führend“.
Die dreitägige Veranstaltung des ZeSOB solle traditionell einerseits den Stoff vermitteln, aber auch „hands-on“ die Möglichkeit bieten, eigene mathematische beziehungsweise wissenschaftliche Probleme vorzubringen und zu diskutieren, betont Ruckdeschel. Einige Plätze – gegebenenfalls auch für eine Online-Teilnahme – sind noch frei, die Anmeldung ist bis 2. September über die ZeSOB-Webseite möglich.