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FQF - Migrant(inn)en in Kitas

Forschung & Qualifizierung in der Frühpädagogik:
Fachkräfte mit Migrationshintergrund in Kitas

Das C3L führte in Kooperation mit dem Center for Migration, Education and Cultural Studies (CMC) das Forschungsprojekt „Pädagogische Fachkräfte mit Migrationshintergrund in Kindertagesstätten: Ressourcen – Potenziale – Bedarfe“ durch. Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf der Grundlage der Richtlinie zur Förderung der Bildungsforschung im Bereich „Ausweitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte“ mit einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren (Oktober 2011 – März 2014) gefördert (FKZ: 01NV1112).

Forschungskontext

Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens war die integrations- wie bildungspolitische Forderung nach mehr Beschäftigung von Migrant/inn/en als Fachkräfte in Bildungseinrichtungen, die im Nationalen Integrationsplan (2007) ihren besonderen Ausdruck findet. Dort ist an zahlreichen Stellen die Selbstverpflichtung von Bund, Ländern und Kommunen wie auch Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege festgeschrieben, den Anteil von pädagogischen Fachkräften mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen zu erhöhen und im Zuge dessen auch die von Zugewanderten im Ausland erworbenen Schul-, Bildungs- und Berufsabschlüsse (ganz im Sinne des Bologna-Prozesses) besser zu nutzen.

Eine Schwierigkeit bei der Entwicklung von Handlungsstrategien besteht allerdings darin, dass empirische Studien zu pädagogischen Fachkräften mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen als Steuerungsgrundlage weitgehend fehlten. Der besondere Forschungs- und Handlungsbedarf geht indes aus der Sonderauswertung des Mikrozensus 2008 zur beruflichen, familiären und ökonomischen Situation von Erzieher/inne/n und Kinderpfleger/inne/n in einer Studie von Fuchs-Rechlin (2010) hervor, die erstmals valide statistische Daten zur Gruppe der Fachkräfte mit Migrationshintergrund lieferte. Zu den wesentlichen Ergebnissen gehören die nach wie vor bestehende Unterrepräsentanz, schlechtere Berufsstellung wie auch geringe Verbleibsquote von Migrant/inn/en im Berufsfeld. Vor dem Hintergrund des prognostizierten Personalfehlbedarfs vor allem in der Kindertagesbetreuung vieler westdeutscher Bundesländer (siehe WiFF-Studie von Rauschenbach und Schilling 2010) mahnen diese Zahlen geradezu an, sich in einem Forschungsprojekt eingehender mit der Situation von frühpädagogischen Fachkräften mit Migrationshintergrund zu beschäftigen.

Projektziel

Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab, Einblicke in die berufliche Situation frühpädagogischer Fachkräfte mit Migrationshintergrund im Tätigkeitsfeld „Kindertageseinrichtungen" zu gewinnen. In Form einer explorativen Studie fokussiert das Projekt in zwei Forschungsteilen die Lebenslagen, Potenziale, Ressourcen und Bedarfe von

  • zugewanderten Fachkräften, die durch Ausbildung und/oder Studium im Herkunftsland über eine frühpädagogische Qualifikation verfügen (Forschungsteil A)
  • Migrantinnen und Migranten, die in Deutschland eine Ausbildung an einer (Berufs-)Fachschule oder Fachakademie absolvieren bzw. bereits erfolgreich abgeschlossen haben und in einer Kindertagesstätte angestellt sind (Forschungsteil B).

Das Projekt konnte die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogischer Fachkräfte (WiFF) um migrationsspezifische Aspekte erweitern und den Blick der (Fach-)Öffentlichkeit stärker auf das bislang oftmals brachliegende Potenzial fachlich qualifizierter Migrantinnen und Migranten richten.

Forschungsvorgehen

Im Mittelpunkt der quantitativen wie qualitativen Befragungen standen die Potenziale, Ressourcen und Bedarfe von frühpädagogischen Fachkräften mit Migrationshintergrund. Dabei wurden zum einen die Selbsteinschätzung der Fachkräfte und zum anderen die Perspektive von Anerkennungsstellen sowie von Fachschulen, Fachakademien und Kindertagesstätten berücksichtigt. Die Fragestellung war dabei nicht einseitig auf die Fachkräfte mit Migrationshintergrund selbst gerichtet. Mit einbezogen wurden zudem explizit die Sichtweisen aller Befragtengruppen z. B. zum Stand der interkulturellen Öffnung der genannten Bildungseinrichtungen und deren Bedarfe an Fort- und Weiterbildungen in Interkultureller Kompetenz, diversitätsbewusster Pädagogik und Managing Diversity.

In Bezug auf die Zielgruppe der zugewanderten frühpädagogischen Fachkräfte mit Ausbildung/Studium im Herkunftsland (Forschungsteil A) konnten die Projektergebnisse u.a. dazu genutzt werden, eine berufsspezifische Gesamtübersicht der Anerkennungsstellen und -verfahren sowie einen Empfehlungskatalog zur Verbesserung der Verfahrens zu entwickeln.
Die Ergebnisse des Forschungsteils B (Frühpädagogische Fachkräfte mit Migrationshintergrund mit Ausbildung in Deutschland) konnten u.a. für diverse NutzerInnen-Gruppen (z. B. Beratungs- und Weiterbildungseinrichtungen, Fachschulen, Kita-Träger, Kitas) differenziert aufbereitet werden, damit migrationsspezifische und interkulturelle Aspekte stärker und zielgerichteter in die Berufsberatung, Ausbildung, Einstellung und Beschäftigung sowie in die Entwicklung von Fort- und Weiterbildungskonzepten einfließen.

Projektergebnisse siehe auch bei:
Bedia Akbaş/Rudolf Leiprecht (Hrsg.): Pädagogische Fachkräfte mit Migrationshintergrund in Kindertagesstädten; dies ist der erste Teil der Reihe "Differenzverhältnisse", herausgegeben vom BIS-Verlag, Oldenburg.

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(Stand: 15.10.2020)