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Vortragsreihe „Demokratie in Gefahr? – Ein öffentlicher Diskurs“

Derzeit lässt sich eine zunehmende Bedrohung unserer Demokratie verzeichnen: digitaler Populismus, Falschmeldungen, Verunglimpfungen, der Aufstieg rechtsgerichteter Parteien in Europa und der Mauerbau gegen Flüchtlinge in Ungarn und an der mexikanischen Grenze stellen beunruhigende Entwicklungen dar.

Mit der Vortragsreihe „Demokratie in Gefahr?“ soll zu einem öffentlichen Diskurs über oben genannte Themen und die wahrnehmbaren Umbrüche in der Gesellschaft aus ganz unterschiedlicher fachwissenschaftlicher Perspektive angeregt werden, damit wir und auch die interessierte Öffentlichkeit sprachfähig bleiben gegenüber Diffamierungen und dem, was wir gerne als „Dummheit“ abtun, das aber doch zunehmend an Realität gewinnt. 

 

Vorträge im September 2017

Montag, 04.09.2017, 18:30 Uhr
Digitale Souveränität als Aufgabe der Allgemeinbildung

Beschreibung

Prof. Dr. Ira Diethelm (Informatik)

Montag, 18.09.2017, 18:30 Uhr
Der Patient 'Sprache'. Stichworte zur digitalen (Un-)Kultur unserer Zeit

Beschreibung

Prof. Dr. Reinhard Schulz
(Philosophie)

Neuer Termin: Mittwoch, 20.09.2017, 17:00 Uhr
Was hieße es gebildet zu sein? Migrationspädagogische Überlegungen

Beschreibung

Prof. Dr. Paul Mecheril 
(Pädagogik)

Montag, 25.09.2017, 18:30 Uhr
Historische Bildung als Immunisierung? Überlegungen zum Stellenwert der Geschichte in unsicheren Zeiten

Beschreibung

Prof. Dr. Dietmar von Reeken (Geschichte)

Die Vorträge finden an den genannten Terminen im Bibliotheks-Saal der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg bzw. am 20.09. im Raum V02 0-002 statt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Beschreibungen

Montag, 04.09.2017, 18:30 Uhr

Prof. Dr. Ira Diethelm (Informatik)

Digitale Souveränität als Aufgabe der Allgemeinbildung

Informationstechnologien und Digitalisierung allgemein beeinflussen bereits alle Bereiche des individuellen und gesellschaftlichen Lebens. Mündigkeit als Grundlage der Demokratie erfordert Bildung, und zwar die Bildung einer breiten Masse der Bevölkerung. Während seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Schulunterricht dafür sorgt, dass jedes Kind etwas über Naturgesetze in Physik, Chemie etc. lernen muss, stellt das aktuelle Bildungssystem der meisten Bundesländer bislang keine Grundlagen im Wissen über die (Natur)Gesetze der digitalen Welt und kaum Kompetenzen zum Umgang mit ihr und zur Reflektion derselben bereit. Wenn aber ein Großteil der Bürger nicht versteht, wie z.B. das Internet funktioniert, was Netzneutralität bedeutet oder wofür man nie Computerprogramme wird schreiben können, macht er sich abhängig von den Aussagen einiger weniger ggf. selbsternannter Experten oder Meinungsführer. Zur Sicherung der Demokratie muss daher der verpflichtende Unterricht auch Grundlagen der digitalen Welt bereitstellen. 

Montag, 18.09.2017, 18:30 Uhr

Prof. Dr. Reinhard Schulz (Philosophie)

Der Patient 'Sprache'. Stichworte zur digitalen (Un-)Kultur unserer Zeit

Wenn heute Multiple Choice-Klausuren im Studium und Facebook und Twitter im Alltag und in der Politik vorherrschen, führt das dazu, dass Information immer mehr für Sprache gehalten wird. Mit Sprache ist an dieser Stelle aber die uns verbindende Umgangssprache gemeint, die vom aufdringlichen Expertenjargon entmündigt, von den neuen Medien banalisiert und von Populisten verhöhnt wird. Damit wird den Menschen aber ihr wichtigstes Instrument genommen, um die für die Bewältigung ihrer Probleme notwendige Aufmerksamkeit aufzubringen und Urteilsfähigkeit entwickeln zu können. Wir sehen uns heute mit einem medial überinformierten Analphabetismus konfrontiert, bei dem mehr und mehr das Wort durch das Bild verdrängt wird. "Medienkompetenz" beschränkt sich dann darauf, den richtigen Knopf zu finden anstatt das angemessene Wort zu suchen.

Vor mehr als 40 Jahren stellte Ivan Illich fest: "Die Wiederbelebung der Alltagssprache ist ein erster Angelpunkt für eine politische Umkehr. Nur über die Sprache werden die Menschen sich zu Alternativen zusammenfinden." Der Patient 'Sprache' hat noch eine Heilungschance, wenn wir ihn aus den Klauen der Anpassung (Technik, Wissenschaft, Politik, Konsum, Werbung, Gesundheit, Freizeit) zu befreien versuchen und dringend notwendige Formen verstehender Praxis konzipieren, die Erfahrung und Sprache umgreifen. "Wenn man aber sagt: "Wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe ja nur seine Zeichen", so sage ich: Wie soll er wissen, was er meint, er hat ja auch nur seine Zeichen" (Ludwig Wittgenstein)." 

Neuer Termin: Mittwoch, 20.09.2017, 17:00 Uhr
Abweichender Raum: V02 0-002, Ammerländer Heerstraße 136, OL

Prof. Dr. Paul Mecheril (Pädagogik)

Was hieße es gebildet zu sein? Migrationspädagogische Überlegungen

„Migration“ ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen.  Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. In meinem Vortrag möchte ich zunächst diese Herausforderung genauer skizzieren und anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vorstellen. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist, und damit eine weitere Annäherung an das, wofür die Chiffre Demokratie steht, auf den Weg gebracht wird. Die Frage, was es wohl hieße in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht im Mittelpunkt meines Vortrags.  

Montag, 25.09.2017, 18:30 Uhr

Prof. Dr. Dietmar von Reeken (Geschichte)

Historische Bildung als Immunisierung? Überlegungen zum Stellenwert der Geschichte in unsicheren Zeiten

„Und den nationalistischen Schreiern unter ihnen gehört die historische Wahrheit zumindest um die Ohren gehauen.“ So begründete der Innenminister Sachsen-Anhalts vor einigen Jahren seine Forderung, Schülerinnen und Schüler zum Besuch von KZ-Gedenkstätten zu verpflichten. Dies ist ein beliebter Reflex von Politikern: Gesellschaftliche oder politische Missstände wie rechtsextreme Ausschreitungen, geringe Wahlbeteiligungen, „falsche“ Wahlentscheidungen vor allem von Erstwählern und tatsächliche oder vermeintliche Wissenslücken von Jugendlichen zur jüngeren Vergangenheit führen automatisch zu solchen oder ähnlichen Forderungen. Historische Bildung erscheint hier als Allheilmittel oder besser noch: probate Vorbeugung gegen unerwünschte politische Einstellungen oder Haltungen. In dem Vortrag sollen solche gesellschaftlichen Erwartungen vor dem Hintergrund der geschichtsdidaktischen Überlegungen zum Stellenwert historischen Lernens für Welt- und Selbstverstehen kritisch geprüft werden. 

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Wegnqwhbmaswt/xter (axel.klxusnieinfihscy5hmidt@uof7/l.de) (Stand: 11.03.2020)