Navigation

Tagungshinweise

Universitärer safe space? Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt an der Universität 26.-27. März 2020 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (BIS-Saal)

Center for Migration, Education and Cultural Studies (CMC) in Kooperation mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZFG) und dem European Master in Migration and Intercultural Relations (EMMIR)

 

Keynotes

  • Hate    Speech:    Von    der    Verrohung    von    Sprache    und    die    Auswirkungen    im Wissenschaftssystem, Birgitt Riegraf, Paderborn)
  • Tba, Saraya Gomis, Berlin

Kurzvorträge:

  • Allmacht,    Ohnmacht    oder    Eigenmacht?    ‚Gendersensible    Sprache‘    als    Aushandlungsort    von    Konflikten, Sylvia Pritsch, Oldenburg
  • Gekonnte    (De-)    Thematisierung.    Die    Notwendigkeit    rassismuskritischen    Engagements    aus    studentischer    Perspektive, Hodan Ali Farah, Marie Wilke, Oldenburg)
  • Safe    Space    –    eine    Illusion?, Sara Paßquali, Osterholz-Scharmbeck

Workshop (parallel)

  • Vom    involvierten    Lehren    und    Lernen    –    wenn    es    (auch)    um    uns    selbst    geht, Sarah Ahmed, Alisha Heinemann, Bremen
  • Was    tun,    wenn    ein    Safe    Space    nicht    sicher    ist?, Sara Paßquali,
  • Einblicke    in    die    Entwicklung    eines    Flyers    zu    „Gendersensibler    Sprache    rund    um    die    Uni“, Renata Kutinka, Anika Mikulski, Anne Boczaga, Pia Schlechter, Oldenburg
  • Sicher    kritisch?    Von    der    (Un-)    Möglichkeit    und    Notwendigkeit,    safer    spaces    für    kritische    Forscher*innen    in    Qualifikationsphasen    zu    schaffen, Magdalena Knappik, Doris Pokitsch, Wuppertal
  • "Die    nackten    Könige"    oder    vom    Experiment,    Sprache    an    ihre    Grenzen    zu    treiben, Rahel Puffert, Wiebke Trunk, Oldenburg
  • Unlearning    Oppression    through    the    Body    –    Die    Sprache    unseres    Körpers    für    Empowerment    und    Klarheit    im    Ausdruck    nutzen, Pasquale Rotter, Berlin

Anmeldung und allgemeine Informationen

Die Tagung richtet sich an interessierte (auch ehemalige) Mitglieder von Universitäten. Geplant sind Vorträge, InputBeiträge und Workshops zu folgenden Themenfeldern:

  • Das Verhältnis von Gewalt und Diskriminierung/Zuschreibung/Ausschluss
  • Macht- und gewaltvolles Sprechen im universitären Raum
  • Silencing als macht- und gewaltvolle Strategie
  • Linguizismus als macht- und gewaltvolle Strategie
  • Universität als safe/unsafe space
  • Selbstermächtigendes und nicht-hierarchisches Sprechen an der Universität

Die Tagung ist für Teilnehmende kostenlos. Tagungssprache ist Deutsch; bei Bedarf kann Flüsterübersetzung (Deutsch-Englisch) angeboten werden (Bedarf bitte bis 15. März 2020 dem CMC-Sekretariat mitteilen). Die Tagungsräume sind barrierefrei zu erreichen. Anmeldungen werden erbeten bis zum 15.03.2020 an Viola Strassner, CMC-Sekretariat, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (cmc.sekretariat@uni-oldenburg.de). Das Tagungsprogramm wird in Kürze auf der Internetseite des CMC unter uol.de/cmc veröffentlicht.

Programm

VERSCHOBEN VERSCHOBEN VERSCHOBEN
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Bezug auf die Verbreitung des Coronavirus wird die Tagung verschoben.

Konzept

Mit Beiträgen u.a. von Sarah Ahmed (Bremen), Akshay Chavan (Münster), Saraya Gomis (Berlin), Alisha Heinemann (Bremen), Magdalena Knappik (Wuppertal), Rudolf Leiprecht (Oldenburg), Kristina Novy (Oldenburg), Sara Paßquali (Oldenburg), Sylvia Pritsch (Oldenburg), Pasquale Rotter (Berlin), Birgit Riegraf (Paderborn), Nadja Thoma (Wien).

Die Universität als akademischer Lehr-/Lern-Kontext steht als gesellschaftlicher Ort jenseits von Macht- und Gewaltstrukturen in Frage. Wurde ‚die Universität’ historisch als Raum gedacht und beschrieben, der sich den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen entzieht, so haben sich die Perspektiven auf sie inzwischen erweitert und verändert. Im Wissen um ihre Geschichte ist die Universität nunmehr als ein gesellschaftlicher Ort reflektierbar geworden, an dem macht- und gewaltvolle Unterscheidungen (u.a.) mittels Sprache wirksam werden, durch die Zugehörigkeiten und Ausschlüsse produziert werden.

Über Sprache und Sprechen konstituieren sich Machtverhältnisse etwa zwischen Studierenden und Lehrenden oder in hierarchisierenden bzw. exkludierenden sprachlichen Praktiken, die die Lehre, Forschung und Verwaltung betreffen. Während eine (bestimmte) Sprache und eine (bestimmte) Weise zu sprechen in (bestimmten) Kontexten als legitim gilt, werden andere Sprachen und Sprechweisen beispielsweise in Formen des Silencing für illegitim gehalten bzw. erklärt. So werden Erfahrungen ausgeklammert, unhörbar und unsprechbar gemacht. Dabei stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis Gewalt und Diskriminierung, Zuschreibung und Ausschluss stehen – Lässt sich überhaupt bestimmen, wann Sprechen im machtvollen Raum als gewaltförmiges Sprechen bezeichnet werden kann?

Aus unterschiedlichen akademischen Disziplinen und Feldern wird der Frage nachgegangen, wie Sprechen/Sprache und Gewalt analysiert und behandelt werden und wo die Topoi Sprechen/Sprache und Gewalt in ihrer Verschränkung überhaupt zum Thema werden. Neben einer Bestandsaufnahme soll es um Fragen und Möglichkeiten des Handelns und widerständigen Agierens gehen. In welchem Verhältnis stehen safe spaces und Universität zueinander? Ist eine safe university denkbar?

Abstracts I

Sara Ahmed Vom involvierten Lehren und Lernen - wenn es (auch) um uns selbst geht

Anders als im angloamerikanischen Raum, sind Lehrende of Color an deutschen Hochschulen aktuell noch eher ein neues Phänomen. In einzelnen Fach- undArbeitsbereichen akademischer Institutionen gibt es selten mehr als eine Person of Color in der Lehrendenposition. Dies führt insbesondere dann, wenn es um Lehrinhalte geht, die sich selbst wiederum mit gesellschaftlichen Macht- und Differenzverhältnissen beschäftigen, auf mehreren Ebenen zu besonderen Herausforderungen. Für den angloamerikanischen Raum haben bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens stattgefunden (vgl. Daniel, Vargas, Turner u.a.), im deutschsprachigen Raum sind solche bisher eher marginal. Im Rahmen eines noch laufenden kooperativen Forschungsprojekts wurden Interviewdaten von Lehrenden of Color an deutschen und österreichischen Hochschulen erhoben, die thematisch zu differenzrelevanten Themen lehren. Ziel des Projekts ist es, die verschiedenen Strategien sichtbar zu machen, die Lehrende of Color finden, um sich zwischen wissenschaftlichem Anspruch, persönlicher Involviertheit und hierarchischen Universitätsstrukturen zu bewegen, während sie gleichzeitig aus einer marginalisierten Position heraus sprechen. Dabei wird einerseits die Besonderheit der Sprecher*innenposition von Lehrenden of Color in mehrheitlich Weißen universitären Räumen herausgearbeitet und andererseits die damit verbundenen Chancen, Herausforderungen und Strategien aufgezeigt, mit denen Wissenschaftler*innenof Color es schaffen (können), innerhalb hegemonialer Institutionen sprech-, handlungsfähig und widerstandsfähig zu bleiben. Im Rahmen des Workshops werden einleitend erste Ergebnisse aus dem Projekt vorgestellt. Gewünscht ist eine Erweiterung der Perspektive im Workshop, die neben den Lehrenden auch Studierende of Color mit einbezieht. Anliegen des Workshops ist es insbesondere, einen Reflexionsraum zu schaffen, in dem verschiedene stärkende Strategien austauscht unddie jeweils eigenen biographisch begründeten Perspektiven erweitert werden können

Akshay Cavan "Of Safe Spaces: Decolonizing and Queering the University"

In the last few years, students and academics in universities across the world have strived towards the goal of decolonizing the curriculum and creating safe spaces. The current university system is deeply entwined with genealogies of colonialism. It is a contested space which stands on indigenous lands and endorses the production and dissemination of ‘objective’ knowledge. It rests upon colonial modes of creating systems of knowledge. The claim on objectivity often silences the voices of queer and/or BIPoC individuals by eliding their personal lived experiences. I propose that safe spaces in universities serve as sites where these individuals recuperate and develop strategies of resistance to fight oppression. This paper takes an un-academic path, where the author uses personal lived experiences and punctuates them with theory in order to elucidate upon the recent debate on safe spaces, thus challenging the notion of objective and legitimate knowledge.

Aysun Doğmuş Schweigen und Sprechen über Rassismus im Zirkelseiner (Un-)Behaglichkeit - Anfragen an (un-)sichere Räumeder Lehrer*innenbildung

Mit dem Vortrag wird zunächst eine analytische Perspektive skizziert, die das Schweigen und Sprechen über Rassismus in den Mittelpunkt rückt und dabei die Behaglichkeit des Rassismus mit Impulsen der Unbehaglichkeit in Verhältnis setzt. Bedeutsam ist insofern die symbolische Gewalt des Rassismus, in der seine herrschaftssichernden Wissensproduktionen und darin modellierten Figurationen in logisch nachvollziehbaren Selbstverständlichkeiten beständig normalisiert, einer Besprechbarkeit entzogen und zugleich (re-)produziert werden. An diesen Schnittstellen wird nicht nur die Behaglichkeit des Rassismus als Zirkel des sicheren Raums bei gleichzeitiger Herstellung von unsicheren Räumen thematisierbar, die im Hinblick auf privilegierende und deprivilegierende Erfahrungszusammenhänge des Rassismus diskutiert werden können. Ebenso können die Konstitutionsbedingungen und Varianten des Schweigens und Sprechens über Rassismus thematisiertwerden, die etwa Dimensionen des Verschweigens und Wie-(nicht)-Sprechens – verflochten mit dem Sehen des Gesehenen, Hören des Gehörten, dem Zuhören und derVerweigerung des Zuhörens – umfassen und auf Herrschaftstechniken einerseits und auf Möglichkeitsräume symbolischer Kämpfe andererseits aufmerksam machen. Mithilfe dieser analytischen Perspektive werden schließlich An-Fragen an sichere und unsichere Räume der Lehrer*innenbildung in ihrem komplexen Gefüge formuliert. Diese beziehen sich auf eine gesellschaftliche Rahmung der Lehrer*innenbildung und ihre Involvierung in die (Re-) Produktion des Rassismus. Deutlich wird dabei auch, dass die zentrale Forderung nach rassismustheoretischen und -kritischenInhalten notwendig, aber nicht ausreichend ist, sollen Destabilisierungen des Rassismus initiiert werden. Im Schweigen und Sprechen über Rassismus – im Zirkel seiner (Un-)Behaglichkeit – werden demnach weiße Flecken der Lehrer*innenbildung ausgelotet und thesenhaft zur Disposition gestellt.

Alisha Heinemann Vom involvierten Lehren und Lernen - wenn es (auch) um uns selbst geht

Anders als im angloamerikanischen Raum, sind Lehrende of Color an deutschen Hochschulen aktuell noch eher ein neues Phänomen. In einzelnen Fach- undArbeitsbereichen akademischer Institutionen gibt es selten mehr als eine Person of Color in der Lehrendenposition. Dies führt insbesondere dann, wenn es um Lehrinhalte geht, die sich selbst wiederum mit gesellschaftlichen Macht- und Differenzverhältnissen beschäftigen, auf mehreren Ebenen zu besonderen Herausforderungen. Für den angloamerikanischen Raum haben bereits einige wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens stattgefunden (vgl. Daniel, Vargas, Turner u.a.), im deutschsprachigen Raum sind solche bisher eher marginal. Im Rahmen eines noch laufenden kooperativen Forschungsprojekts wurden Interviewdaten von Lehrenden of Color an deutschen und österreichischen Hochschulen erhoben, die thematisch zu differenzrelevanten Themen lehren. Ziel des Projekts ist es, die verschiedenen Strategien sichtbar zu machen, die Lehrende of Color finden, um sich zwischen wissenschaftlichem Anspruch, persönlicher Involviertheit und hierarchischen Universitätsstrukturen zu bewegen, während sie gleichzeitig aus einer marginalisierten Position heraus sprechen. Dabei wird einerseits die Besonderheit der Sprecher*innenposition von Lehrenden of Color in mehrheitlich Weißen universitären Räumen herausgearbeitet und andererseits die damit verbundenen Chancen, Herausforderungen und Strategien aufgezeigt, mit denen Wissenschaftler*innenof Color es schaffen (können), innerhalb hegemonialer Institutionen sprech-, handlungsfähig und widerstandsfähig zu bleiben. Im Rahmen des Workshops werden einleitend erste Ergebnisse aus dem Projekt vorgestellt. Gewünscht ist eine Erweiterung der Perspektive im Workshop, die neben den Lehrenden auch Studierende of Color mit einbezieht. Anliegen des Workshops ist es insbesondere, einen Reflexionsraum zu schaffen, in dem verschiedene stärkende Strategien austauscht unddie jeweils eigenen biographisch begründeten Perspektiven erweitert werden können.

Magdalena Knappik Doris Pokitsch Sicher kritisch? Von der (Un-) Möglichkeit und Notwendigkeit, safer spaces für kritische Forscher*innen in Qualifikationsphasen zu schaffen

"Sicher kritisch? Von der (Un-)Möglichkeit und Notwendigkeit, safer spaces für kritische Forscher*innen in Qualifikationsphasen zu schaffen"

Konzeptionen von „safer spaces“ in Bildungszusammenhängen sollen als dezidiert kritisch-emanzipatorische Räume ‚freies‘ Sprechen, Denken und Lernen ermöglichen, v.a. auch für nicht-dominant positionierte Lernende (hooks 1994; The Roestone Collective 2014). Benötigen auch Nachwuchswissenschaftler*innen „safer spaces“? Unsere seit 2018 jährlich stattfindende qualitative Forschungswerkstatt "VIA DaZ* - Verstehen Interpretieren Analysieren. Sprache(n) und Bildung in der mehrsprachigen Migrationsgesellschaft“ steht unter dem Konzeptgedanken des "safer spaces". Dabei steht der Wunsch, diesen Raum zu gestalten, im Spannungsfeld der Spielregeln eines Wissenschaftsbetriebs, der vielen nicht zu erlauben scheint, kritisch zu forschen. Inwiefern können wir allerdings das Konzept von „safer spaces“ auf die Zielgruppe "Nachwuchswissenschaftler*innen" übertragen? Wir können diese Kategorie kaum als Differenzkategorie sehen; jedoch handelt es sich um eine prekarisierte Phase, in der Differenzverhältnisse in ihrer Intersektionalität verstärkt ins Gewicht fallen und umso mehr zum Nicht-Entwickeln nicht-hegemonialer Wissensproduktionen führen, je weniger den Forschenden ein "safer space" zum Erproben dieses Denkens, Sprechens und Schreibens zu Verfügung steht. Wir diskutieren, ob und inwiefern gerade kritische Forschung "safer spaces" benötigt, ob und wie eine Forschungswerkstatt als "safer space" gestaltet werden kann, und inwiefern solche "safer spaces" inkludierend oder exkludierend sein können oder sollten.

Kristina Novy „Wissen(schaft) – Macht – Gerechtigkeit: Aktuelle Herausforderungenfür Gleichstellung an Universitäten“

Eingebunden in Produktionsverhältnisse modernerkapitalistischer Gesellschaften sind UniversitätenAkteurinnen der (Re-)Produktion vonGeschlechterordnungen. Durchdrungen von Wissen alsEffekt sozial strukturierter (sprachlicher) Praktiken undherausgefordert durch institutionalisierte Regeln ihrerhochschulpolitischen wie gesellschaftlichen Umwelt,werden Universitäten als geschlechterdiskursive (Ver-)Handlungsräume relevant. Dem Wissen überGeschlecht, Geschlechterasymmetrien undGleichstellungspolitik kommt im Hochschulkontext einebesondere Bedeutung für organisationaleHandlungspraxiszu,werdenWissenschaftsorganisationen als traditionell männlichgeprägte Institutionen einerseits, sowie vor demHintergrundderAuswirkungenwettbewerbsorientierter Steuerungslogiken aufwissenschaftliche Beschäftigungsverhältnisse andererseits betrachtet. Gleichstellungspolitische Praxis bleibt bei anhaltenden horizontalen wie vertikalen Geschlechterasymmetrien unverändert aktuell. Doch vor dem Hintergrund der zunehmendenEffizienzorientierung im Kontext des „New Public Management“ findet eine Verschränkung vongeschlechterpolitischen mit neoliberalen Diskursenstatt, deren Potenziale und Konsequenzen mit Blick auf die Erfüllung des Gleichstellungsauftrages ungewissbleiben. Der Vortrag skizziert bestehende Asymmetrien, benachteiligende Praktiken und problematisiert paradoxe Entwicklungen einer ökonomischen Einschreibung in das Handlungsfeld Gleichstellung und ihrer möglichen kulturstiftenden Effekte.

Sara Paßquali "Safe Space - eine Illusion?"WS: "Was tun, wenn ein Safe Space nicht sicher ist?"

In den letzten Jahren nimmt die Forderung nach „Safe Spaces“ außerhalb bewegungspolitischer Räume stetig zu. Auch die Hochschulen setzen sich zunehmend mit dem Konzept des „Schutzraumes“ auseinander und werden aufgefordert solche zu initiieren. Zudem wird gefordert, dass in Seminaren und Texten, in denen es um Themen wie Rassismus, sexuelle Gewalt, Trans- undHomofeindlichkeit sowie weitere Gründe für Diskriminierungen geht, eine Triggerwarnung ausgesprochen oder vermerkt wird (Content Warnings).Hinter dem Konzept der „Safe Spaces“ steht die Idee, eine inklusive Umgebung frei von diskriminierenden Äußerungen zu schaffen, indem die Machtverhältnisse nicht reproduziert und kritisch hinterfragt werden sollen. In einer sicheren Umgebung können Erfahrungen miteinander geteilt werden – angenehme und unangenehme. Menschen, die ein wohlwollendes Miteinander pflegen, haben hier die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. In dem Vortrag geht es nicht um die Nützlichkeit oder welche Debatten aktuell darum geführt werden. Der Raum wird als Schutz(raum) gebraucht und beinhaltet Empowerment und Selbstfürsorge – ganz gleich, um welche Institution oder Veranstaltung es sich handelt. Doch wie kann es sein, dass Menschen, die sich durch ihre Selbstbezeichnung und -Wahrnehmung in einen „Safe Space“ begeben, genau dort Infrage gestellt werden? Wenn der Zutritt hinterfragt oder gar verweigert wird? Der angebotene Vortrag bietet anhand von Beispielen und Erfahrungsberichten einen Einblick von Safe Spacesund wie es dazu kommen kann, dass sich der*die Schutzsuchende* selbst hier „outen“ muss. Im anschließenden Workshop „Was tun, wenn ein Safe Space nicht sicher ist?“ wird es darum gehen, Erfahrungen und Umgangsweisen zu teilen und gemeinsam zu erarbeiten, wie ein Ausschluss oder ein „sich erklären zu müssen“ umgangen werden kann.

Sylvia Pritsch Allmacht, Ohnmacht oder Eigenmacht? ‚Gendersensible Sprache‘ als Aushandlungsort von Konflikten

ersuche, eine gendersensible Sprache bzw. Sprachverwendung einzuführen, ist seit den 1970er Jahren von massiven Konflikten und Anfeindungen begleitet, die seit geraumer Zeit auch lautstark und offen von Vertreter*innen antifeministischer bzw. ‚Anti-Gender‘- Ideologien geäußert werden. Dazu gehört der Vorwurf der „Umerziehung“ ebenso wie der der „Unwissenschaftlichkeit“. Solchermaßen als Reizthema positioniert, stellt sich grundsätzlich die Frage, welche (Verletzungs-)Macht der Sprache, etwa in Bezug auf (geschlechtliche, sexuelle und andere) Identität zugesprochen wird, wie sich Allmachts- ebenso wie Ohnmachtsfantasien damit verbinden, aberauch wie eine Eigenmacht von Sprache und/oder die Macht der (kollektiven) Ansprache von queer- feministischer Seite in Anspruch genommen wird. Damit soll auch die Frage aufgeworfen werden, welche sozialen, inner- wie außeruniversitären Konflikte sich in den Auseinandersetzungen artikulieren und inwiefern - tatsächliche oder imaginierte - Machtverschiebungen hier eine Rolle spielen.

Rahel Puffert "Die nackten Könige" oder vom Experiment, Sprache an ihre Grenzen zu treiben

Gewalt findet ihre sprachliche Artikulation nicht nur in Begriffen, Betonungen oder der Lautstärke von Äußerungen, sie kann sich auch an bestimmten Formendes Ausschlusses von Inhalten zeigen. Insofern möchten wir anhand eines Textausschnittes demonstrieren wie sich Formen der Wahrnehmung von Gesprochenem als Nicht- oder auch Missverstehen eines wissenschaftlichen Textes ereignen können.Im zweiten Teil, dem Workshop, diskutieren wie Ausschnitte eines Interviews von Didier Eribon m Pierre Bourdieu aus dem Jahr 1984. Letzterer hatte darin den (eigenen Bereich) wissenschaftlicher Arbeit im Hinblick auf dessen Verschränkung von Hermeneutikund Macht thematisiert.

Abstracts II

Birgit Riefraf Hate Speech: Von der Verrohung von Sprache und die Auswirkungen im Wissenschaftssystem

Mord-, Vergewaltigungs- und Gewaltandrohungen in sozialen Medien, Beschimpfungen unter Artikeln im Internet oder grobe Beleidigungen per eMail: Hate Speech ist zu einem Phänomen geworden, dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunehmend ausgesetzt sind. Die Bedrohungen und Einschüchterungsversuche, die durchaus in Gewalthandlungen münden können, greifen das wissenschaftliche Fundament an, sie verändern die Debattenkultur und drohen, auf die Wahl und die Veröffentlichung von Forschungsgegenständen einzuwirken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind vor allem dann betroffen, wenn ihre Forschungsthemen und -ergebnisse unbequem sind, nicht der Überzeugung Einzelner entsprechen oder nicht in die Agenda politischer Parteien passen. Die in der Regel anonymen Angriffe und Diffamierungen verbreiten Angst und Unsicherheit, sie können tief einschneidende Erfahrungen sein. Der Vortrag beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen dieses Phänomens.

Nadja Thoma "Zwischen safe space und Versicherheitlichung.Zum Verhältnis vonSprache, Gewalt und (Un)Sicherheit an derUniversität."

Sicherheitsversprechen und damit verbundene Ein- undAusschließungsprozesse stellen seit einigenJahrzehnten einen zentralen Ortgesellschaftspolitischerund(bildungs-)wissenschaftlicher Auseinandersetzung dar.Da ganz Unterschiedliches als Risiko definiert wird undwerden kann, bleibt Sicherheit als Gegenstandunbestimmt (Wehrheim 2018). Entsprechendunterscheiden sich Akteur*innen „präventiverSicherheitsordnungen“ nicht im Grundsatz derPrävention, sondern in der Definition dessen, was siejeweils für schützenswert halten (Trotha 2010). Verschiedene Sicherheitserwartungen und -versprechen führen damit zu höchst unterschiedlichenFormen von Versicherheitlichung. Am Beispiel vonLeitfäden, Regeln und Vorgaben zu gendersensibler /Geschlechterhierarchien reflektierender Sprache mitder Zielsetzung einer Etablierung von safe spaces anUniversitäten rekonstruiere ich, welche Vorstellungenvon Sicherheit mit diesen Dokumenten / Vorgabenjeweils zusammenhängen, wie solche Leitlinien undRegeln von deren Adressat*innen gelesen werden(können) und inwieweit deren Umsetzung und/oderDurchsetzung zu einer Etablierung von safe spaces und/oder zu einer Versicherheitlichung universitärer Räumeführen kann. Im Anschluss an die Analysen frage ichnach Möglichkeiten einer sprach- undbildungswissenschaftlich fundierten und machtkritischinformierten Auseinandersetzung mit Sprache, Machtund (Un)Sicherheit in der universitären Lehre.

 

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren an der Uninur ‚Studenten‘ und ‚Professoren‘ zugelassen.Nach wie vor ist die Sprechweise ‚Studenten‘ sehrweit verbreitet. Diese wird als ‚generischesMaskulinum‘ bezeichnet, weil das grammatikalischausschließlich männliche Geschlecht als ‚neutraler‘Oberbegriff für alle Geschlechter verwendet wird.Auf diese Weise werden in Sprache historischeAusschlüsse und soziale Ungleichheitenwidergespiegelt und (unbewusst) aufrechterhalten.Insofern kann Sprache als Handlung verstandenwerden, die Machtverhältnisse transportiert. Siebildet (soziale) Realität nicht einfach nur ab,sondern stellt diese aktiv her.Seit spätestens den 1970er Jahren - im Kontextvon politischen Entwicklungen wie der ZweitenFrauenbewegung - gibt es Bemühungen seitensder feministischen Sprachwissenschaften, sich fürGleichberechtigung einzusetzen und alternativeSchreibweisen zu entwickeln. Dies wirdgegenwärtig durch queerfeministischePerspektiven erweitert und aktualisiert.Gendersensible Sprache stößt allerdings häufigauf Ablehnung, die anderen Geschlechter ‚sinddoch mitgemeint‘. Aber auch Interessierte sindmanchmal unsicher, welche Schreibweise gewähltwerden soll. Studierende der Gender Studies berichteten, dassLehrende verschiedener Institute sehrunterschiedlich auf gendersensible Schreibweisenin Hausarbeiten reagieren. Die Spannbreite reichte von Einforderungen bestimmter Stile wie demGendersternchen bis zur Ablehnung von Arbeiten,die sensibel verfasst wurden, weil ‚es denLesefluss stört‘. Da die Universität Oldenburg keinen zentralenLeitfaden für gendergerechte Sprache anbietet, istder Wunsch entstanden, einen überblicksartigenFlyer zu erarbeiten. Zu diesem Zweck gründetenwir die AG gegen diskriminierendesSprachhandeln. Die in dem Flyerzusammengetragenen Ideen sollen nicht alsRegelwerk dienen, eher als Orientierung,Anregung und Hilfestellung - für alle, die sich fürgendersensibles Sprechen interessieren, abernoch unsicher in Bezug auf das Wie sind. In dem Workshop möchten wir einen Einblick in dieEntstehungsgeschichte des Flyers geben sowie in die Diskussionsprozesse, die die Entwicklung des Flyers begleiteten. Der Workshop soll zudem einenRaum für Reflektion anbieten, sich auf einer Metaebene mit der Frage auseinanderzusetzen, was es bedeutet, sich mit dem Verhältnis von Sprache und Gewalt im universitären Kontext auseinanderzusetzen.

 

CMC-S4ixjekrgesetaresiatbgg (cmyqsajc.sekretariat@uol.dswqve) (Stand: 13.03.2020)