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Nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinne

Nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“?
Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht
und Erinnerung vor Ort

"Volksgemeinschaft" zählte zu den am meisten benutzten politischen Schlüsselbegriffen der Weimarer Zeit. Bündelte diese Parole bereits vor 1933 die NS-Propaganda sehr erfolgreich, so entwickelte sie sich nach 1933 zum zentralen Moment der NS-Ideologie und steht für eine erfolgreiche strategische Ausrichtung der Nationalsozialisten, denen es mit Hilfe dieser Parole gelang, das Konsenspotential innerhalb der deutschen Gesellschaft weitreichend auszuschöpfen. Im Rahmen von exemplarisch und vergleichend angelegten regionalen Fallstudien soll untersucht werden, mit welchen Instrumenten vor Ort die Produktion von "Volksgemeinschaft" betrieben wurde, welche konkreten inhaltlichen Bezüge dabei (abhängig von unterschiedlichen sozialen, konfessionellen, ökonomischen und lokalspezifischen Rahmenbedingungen) eine besondere Rolle spielten, welche Indizien sich für Erfolg oder Misserfolg der Politik zur Konstruktion und Aufrechterhaltung einer "Volksgemeinschaft" erheben lassen und in welchem Maße es nach 1945 zu einem Fortwirken bzw. zu einer bewussten Tradierung oder aber zu einer kritischen Erinnerung bzw. gar gezielten Dekonstruktion der nationalsozialistischen Volksgemeinschaftsidee in der Bundesrepublik gekommen ist.

Die ausgewählten Untersuchungsfelder sind niedersächsische Städte bzw. Regionen, bei denen spezifische und besonders relevante Einflussfaktoren deutlich hervortreten und die daher als Fallbeispiele untersucht werden: die drei gerade wegen ihrer Durchschnittlichkeit repräsentativen Gauhauptstädte Hannover, Oldenburg und Lüneburg als wichtige Bindeglieder zwischen der nationalen und lokalen Handlungsebene bzw. als regionale Arenen der NS-Politik; Wilhelmshaven als junge Stadt mit von Beginn an starken militärischen Traditionen, die in der NS-Zeit zu einem einzigartigen großstädtischen Rüstungszentrum ausgebaut werden sollte; die "Neue Stadt" Salzgitter und das Krisengebiet des Oberharzes, in denen die ökonomische Akzentuierung der nationalsozialistischen Mobilisierungspolitik besonders hervortrat; Hameln, Goslar und weitere Inszenierungsorte im "völkischen Kernland" Niedersachsen, an denen der Blut-und-Boden-Kult besonders intensiv in Szene gesetzt wurde; das Oldenburger Münsterland mit dem "Kreuzkampf" und Stade mit dem Skandal um den als "Judenknecht" verfolgten evangelischen Pastor Behrens, die in besonderer Weise zu Brennpunkten von glaubensmäßig bedingten Konflikten und Unruhen wurden sowie schließlich Aschendorf-Hümmling mit den Emslandlagern und Celle mit dem KZ Bergen-Belsen als Regionen, in denen große Lager mögliche "Störfaktoren" für die auf die Generierung von "Volksgemeinschaft" ausgerichtete NS-Politik darstellen konnten.

Verbundprojekt der Universitäten Oldenburg, Hannover, Osnabrück und Göttingen, gefördert aus Mitteln des "Niedersächsischen Vorab" der VW-Stiftung.

An der Universität Oldenburg angesiedelte Teilprojekte:

  • Erziehung zur "Volksgemeinschaft". Volksschullehrer als Akteure nationalsozialistischer Vergemeinschaftspraxis, Projektmitarbeiterin: Kathrin Stern, Infos zum Projekt: >>Download<<
  • Militärische Prägung und nationalistische Gesinnung als Mobilisierungsfaktor für das NS-Regime: Die "Stadt der 500.000" als Vision der militärisch ausgerichteten NS-"Volksgemeinschaft" und die Wirkungsmacht der nationalistischen Vergemeinschaftung in Wilhelmshaven 1914-1960, Projektmitarbeiter: Gunnar Zamzow,
  • Der Aufbau der "Volksgemeinschaft" im unmittelbaren Erfahrungsfeld von Ausgrenzung und Verfolgung: Die Bedeutung der Emslandlager und des KZ Bergen-Belsen für den Prozess nationalsozialistischer "Vergemeinschaftung" und für die Auseinandersetzung mit dem Nationalslzialismus nach 1945, Projektmitarbeiterin: Bianca Roitsch, 

Alle aktuellen Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Projekthomepage.

Webmaster (sa.neu7gpsmann@uol.doxje) (Stand: 10.09.2018)