Didaktik der Biologie

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Didaktik der Biologie

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Forschungsvorhaben der Arbeitsgruppe Didaktik der Biologie 
im Promotionsprogramm "Fachdidaktische Lehr- und Lernforschung – Didaktische Rekonstruktion"

Die Rolle von Schüler und Lehrervorstellungen für Interesse, Lernen und Lehren in biologischen Bereichen

Im Arbeitsbereich wird untersucht, (1) inwieweit dem Lernen der Schüler/innen theorieähnliche Vorstellungen (Denkfiguren und implizite Theorien) zu Grunde liegen und (2) welchen Einfluss diese Vorstellungen auf biologiebezogene Interessen haben (3) inwieweit diese Vorstellungen mit denen von Lehrenden korrespondieren. Die Ergebnisse werden neuartige Ansätze zum Konzeptwechsel und Grundsätze zur didaktischen Strukturierung liefern, mit denen die impliziten Theorien und Interessen für den Unterricht und die Lehrerbildung nutzbar gemacht werden.

Stand der Forschung

Innerhalb der Forschung zu Schülervorstellungen wird kontrovers diskutiert, ob die Vorstellungen der Lerner eher ein Konglomerat aus unverbundenen, z.T. gegensätzlichen und widersprüchlichen Teilstücken darstellen, oder ob sie Gedankengebäude sind, die wenigstens in großen Teilen in sich konsistent und kohärent sind, und dann als theorieähnlich zu betrachten sind. Zusammenhängende, grundlegende Erklärungsprinzipien, sogenannte implizite Theorien, sind dabei häufig bereichsspezifisch ausgeprägt. Als Denkfiguren werden Schülervorstellungen bezeichnet, die erklärenden Charakter haben und als Elemente impliziter Theorien verstanden werden können. Bisherige Untersuchungen zu Schülervorstellungen beschränkten sich weitestgehend auf kognitive Aspekte des Lernens, motivationale Aspekte wie z.B. Interesse wurden bisher kaum berücksichtigt. Die aktuelle Interessenforschung definiert Interesse als Person-Gegenstands-Beziehung, wobei in bisherigen Untersuchungen der Fokus auf der Seite der Person, des Lerners, lag. Weitgehend ungeklärt ist der gegenstandsbezogene Bereich und damit auch der Zusammenhang zwischen den Gegenständen von Schülervorstellungen und -interessen.

Die Erforschung von Lehrervorstellungen zu Alltagsvorstellungen sind ein wesentliches Komplement, um die Ergebnisse der Konzeptforschung für Unterricht und Lehrerbildung fruchtbar zu machen.

Forschungsprogramm und Ziele

Innerhalb der Projekte zur didaktischen Rekonstruktion konnten in den Bereichen Genetik, Evolution, Mikrobiologie und Sinnesphysiologie sowohl übergreifende als auch bereichsspezifische Denkfiguren identifiziert werden. Unsere Arbeiten zu Schülervorstellungen - insbesondere zur didaktischen Rekonstruktion des Sehens - führten zu einer weiterführenden Deutung, nach der Alltagsvorstellungen den Erfahrungen mit dem eigenen Körper und den erfahrenen sozialen Beziehungen entspringen, was wiederum den Zusammenhang zwischen Vorstellungen und Motivation aufzeigt.

Im Arbeitsgebiet soll untersucht werden, inwieweit die Schüler/innen implizite Theorien anwenden und wie sich das vermutete Nebeneinander von impliziten Theorien und gelernten wissenschaftlichen Deutungen für die didaktische Strukturierung des Unterrichts nutzbar machen lässt. Im Zentrum der Untersuchungen stehen: Kohärenz, Bereichsspezifität, intraindividuelle Diversität der Vorstellungen; theoretische Rahmung von Lernprozessen; Ansätze zum Konzeptwechsel; Zusammenhang mit motivationalen Aspekten des Lernens wie Interesse sowie Korrespondenzen von impliziten Theorien und Interessenbildung. Die Lehrervorstellungen werden auf diesem Hintergrund hinsichtlich dreier Komponenten erfasst :

  • Lehrervorstellungen zum ausgewählten fachlichen Bereich
  • Lehrervorstellungen zu den Vorstellungen, die sie bei Schülerinnen und Schülern vermuten
  • Lehrervorstellungen zu den Unterrichtsformen, mit denen der ausgewählte Bereich zu unterrichten ist.

Die Untersuchungen werden mit Hilfe mehrerer aufeinander aufbauender und sich ergänzender qualitativer und quantitativer Methoden durchgeführt (Interviews, Gruppeninterviews, Lernprozessstudien, ´teaching experiments´, Fragebogenerhebungen und Unterrichtsbeobachtungen).

Gegenwärtig laufende Dissertationsvorhaben:

  • Schülervorstellungen und Vorstellungen in der Ökologie zur Einheit in der Natur - ein Beitrag zur Didaktischen Rekonstruktion

  • "Harmonisch-stabile oder ´fließende´ Natur?" Zum Naturverständnis in der Ökologie und bei Lernenden - ein Beitrag zur Didaktischen Rekonstruktion

  • Vorstellungen zu "Menschenrassen" und Rassismus in der Anthropologie und bei Lehrerinnen und Lehrern - ein Beitrag zur Didaktischen Rekonstruktion in der Lehrerbildung

  • Vorstellungen zu biologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens - ein Beitrag zur Didaktischen Rekonstruktion (in Kooperation mit dem Institut für Anthropologie der Universität Wien)

Literatur

Baalmann, W. & Kattmann, U. (2001). Towards a better understanding of genetics and evolution. In Garcia-Rodeja Gayoso et al. (Eds), Proceedings of the III Conference of Europaen Researchers of Didactic of Biology (ERIDOB) (pp 13-25). Santiago de Compostela: University.

Gropengießer, H. (2000). Lebenswelten, Denkwelten, Sprechwelten. Wie man Vorstellungen der Lerner verstehen kann (Habilitationsschrift).

Kattmann, U. (2001). Aquatics, Flyers, Creepers and Terrestrials - students´ conceptions of animal classification. Journal of Biological Education, 35 (3), 141-147.

Sander, E. (2002). Wissenschaftliche Konzepte und Schülervorstellungen zum "Biologischen Gleichgewicht". In: Bayrhuber et al. (Hrsg.), Biowissenschaften in Schule und Öffentlichkeit. Kiel: IPN.

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(Stand: 21.08.2020)