Navigation

Skiplinks

Kontakt

Presse & Kommunikation

+49 (0) 441 798-5446

Weitere Ausgaben des Forschungsmagazins:

EINBLICKE Nr. 32 Herbst 2000

 

Gerhard HarmsNiedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann strebt einmal mehr zu neuen Ufern. Nach seinem vehementen Einsatz für die Einführung von Studiengebühren, die er bisher nicht durchsetzen konnte, die aber sicher schon bald wieder auf der Tagesordnung stehen werden, will er jetzt die Universitäten in größere Autonomie entlassen. Nach seinem Entwurf zur Grunderneuerung des Niedersächsischen Hochschulgesetzes (NHG) sollen die Universitäten schon in absehbarer Zeit Stiftungen werden. Eine solche Struktur, so die Hoffnung des Ministers, soll sie kreativer und flexibler machen, um sich im immer schärfer werdenden Wettbewerb der Hochschulen untereinander zu behaupten. Mit anderen Worten: Sie sollen sich "marktgerecht" zu verhalten und selbst mehr Mittel für ihre Existenz einwerben, die der Staat offensichtlich nicht mehr allein garantieren will.

Das Wort "marktgerecht" ist in Deutschland im Bereich von Bildung und Wissenschaft ein bisher nicht gebräuchlicher Terminus. Was er bedeutet, haben sich Oppermann und Ministerpräsident Gabriel bei ihrer Sommerreise in die USA vor Augen führen lassen. Die großen Eliteuniversitäten sind dort als Stiftung organisiert und verfügen über Mittel, von denen man hier zu Lande nicht einmal zu träumen vermag. Die Spitzenuniversität Havard z. B. weist heute ein Stiftungskapital von 18 Milliarden Dollar aus - gewachsen in einem 200jährigen System, in dem die privaten und staatlichen Universitäten im schärfsten Konkurrenzkampf zueinander stehen und wie Unternehmen geführt werden - nämlich marktgerecht.

Ein besonders wichtiger Aspekt ist dabei die große Nähe der amerikanischen Hochschulen zur Wirtschaft. Daraus hat sich in vielen Jahren ein sehr fein gesponnenes System von Wertschöpfung entwickelt, an dem keineswegs nur große Unternehmen beteiligt sind, sondern in das sich auch die mittelständische Wirtschaft und viele reiche Privatpersonen - oft als "Ehemalige" - einbringen.

Auftragsforschung, Sponsering, Fundraising, Stiftungen, Stipendien u.a. gibt es natürlich auch in Deutschland. Doch diese Kultur bewegt sich auf einem Niveau, das keinen Vergleich mit den USA stand hält Und es wird noch viele Jahre dauern, bis es den Universitäten in Deutschland gelingen wird, den Markt "Wirtschaft" für sich zu erschließen und klar zu machen, dass in der Wissensproduktion die eigentliche Wertschöpfung der Zukunft liegt. Dafür braucht sie Marketingkonzepte, die Augen und Ohren der Unternehmerschaft öffnen, und eine Steuergesetzgebung, die größere Anreize schafft. Oppermanns Stiftungspläne sind da wohl eher ein zweiter vor dem ersten Schritt.

Ihr

Gerhard Harms

Presuvifse & K8kx0ommzeunikationl2 (preslwzse@uol.de) (Stand: 07.02.2019)