PhD-Project

Eugen Zentner

PhD-Project

The Hybrid Author. Subject-Making and the Practice of Autofictional Self-Staging in the German-speaking Contemporary Literature

1. Forschungsgegenstand und Erkenntnisinteresse

Selbstinszenierung gehört ebenso wie der versatile Umgang mit Verfahren der Subjektkonstitution seit jeher zum literarischen Geschäft. Gleichwohl wurde in jüngerer Zeit verstärkt darauf geachtet (vgl. Jürgensen / Kaiser 2011). Dafür sind u.a. zwei Ursachen maßgeblich: Zum einen wurde die Frage nach der Autorschaft in der Literaturwissenschaft neu gestellt und der Autor als literaturtheoretische und analytische Kategorie gleichsam rehabilitiert (vgl. Jannidis u. a. 1999; Detering 2002), zum anderen schärft die Eventisierung des Literaturbetriebs im Rahmen der Erlebnisgesellschaft den Blick für die Notwendigkeiten der Imagebildung, des Reputationsmanagements, der Präsentation des Autors als Aufmerksamkeitsattraktor in einem Medienbetrieb, der zur Personalisierung neigt. Für mein Projekt sind diese theorie- und kulturgeschichtlichen Entwicklungen von großer Bedeutung; ich werde mich aber auf einen Sonderfall der Autorinszenierung konzentrieren, der mir besonders symptomatisch für die Verfahren und für die Bedeutung von Subjektbildung in der Gegenwartskultur und –literatur zu sein scheint: auf die Inszenierung des Autors als Teil seines literarischen Werks. Literatur lässt auf diese Weise die Grenze zwischen Faction und Fiction fragwürdig werden und vermittelt eine gleichsam grenzwertige Authentizitätsanmutung, die für die aktuellen Medienverbünde charakteristisch ist (Vgl. Martus 2012). Juli Zeh beschreibt dies polemisch als "Etikettierung eines Literaturverständnisses, bei dem die Verwechslung von Erzählung und Erlebtem nicht Lapsus ist, sondern Programm" (Zeh 2006). Dieses Programm lässt sich z.B. in Burkhard Spinnens 2003 veröffentlichtem Werk Der schwarze Grat beobachten, in dem ein mittelständischer Unternehmer den Autor auf einer Hochzeit kennen lernt und die Verschriftlichung seiner schweren und abenteuerreichen Unternehmerlaufbahn in Auftrag gibt. Dabei entsteht zwischen ihnen eine Geschäftsbeziehung, in der beide den Text zu einem gemeinsamen Unternehmen machen und sich an dessen Produktion zu je 50 % beteiligen: Der Unternehmer liefert Informationen zu seiner Lebensgeschichte, der Autor verarbeitet sie zu einem Text. Darin liegt auch die Besonderheit des Werks, weshalb es als eine "Annäherung von Literatur und Wirtschaft" (Pott 2004, S. 207) rezipiert worden ist.

Entscheidend für mein Projekt ist, dass das Buch nicht eindeutig einem Genre zuzuordnen ist. Der sperrige Untertitel Die Geschichte des Unternehmers Walter Lindenmaier aus Laupheim deutet aber eher in Richtung Biografie, in der die Autorfigur auch die eigene schriftstellerische Arbeit zum Erzählgegenstand macht. Spinnen strukturiert Den schwarzen Grat also so, dass die Geschichte Walter Lindenmaiers als Binnenhandlung einer anderen erzählten Handlung fungiert, die die Entstehungsgeschichte des vorliegenden Werkes abbilden will. Dieser rahmende Erzählstrang ist aber insofern brisant, als eine Autorfigur 'Spinnen' - und somit der Autor selbst - über die eigene schriftstellerische Arbeit reflektiert und zudem bemerkt, dass er als Autor seinem 'Protagonisten' doch sehr ähnlich ist. "Im Prinzip, sage ich, bin ich ja auch Unternehmer. Ich stelle etwas her, auf eigene Verantwortung, und versuche es zu verkaufen" (S. 11 f.), heißt es gleich zu Beginn, und auf den folgenden Seiten häufen sich Ausführungen, in denen die Autorfigur Spinnen dem Leser veranschaulicht, mit welchen Aktivitäten und Tätigkeiten er im Prozess der Textproduktion konfrontiert wird. Kurzum, hier inszeniert sich eine Autorfigur als unternehmensanaloger Produzent des Geschriebenen, gleichsam als Unternehmer-Autor, der den Text als "mein Unternehmen" (S. 165) bezeichnet und sowohl Sprache als auch Sitten eines Unternehmers übernimmt: "Wir sind jetzt Partner. Jeder hält genau 50 Prozent an dem Unternehmen. Und alle Entscheidungen müssen mit Mehrheit gefällt werden." (S. 181) Damit erfindet der Autor in der Rahmenhandlung seines Buches einen besonderen Autorentyp, der das literarische Feld der Gegenwart in spezifischer Weise charakterisiert: einen, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf die eigene Person lenken will, indem er seinem schriftstellerischen 'Selbst' ein Image verpasst, in dem Außergewöhnlichkeit und Unverwechselbarkeit als Eigenschaften hevortreten. Seine Besonderheit liegt dabei in der Amalgamierung des Schriftstellers mit einem Sozialtypus, der in der Tradition gern als sein sozialer Opponent verhandelt wurde, auch wenn dies immer schon eine Idealisierung gewesen sein mag.

Spinnens Der schwarze Grat steht damit für eine Praxis der literarischen Selbst-Inszenierung, in der sich ein Autor als einen ungewöhnlichen Schriftstellertyp stilisiert. Diese Praxis lässt sich auch in dem 2009 veröffentlichten Essayband Wovon ich schreibe von John von Düffel beobachten. Hier ist es jedoch ein Autor, der im Genre des Essays - also im Thetischen - als "Sportler-Autor" (S. 64) auftritt. Die Parallelen sind offensichtlich, denn genauso wie Spinnen, stilisiert auch von Düffel sich als ein ungewöhnlicher Schriftstellertyp, der in sich zwei traditionell eher unvereinbare Sozialtypen vereint. Den Gegensatz hebt von Düffel im Buch oft genug hervor: "Autoren und Sport, das geht nicht zusammen." (S. 17), "Die Liebe zum Sport und das Schreiben stehen aber [...] in einem starken Widerspruch." (S, 18); "Literatur und Sport sind unvereinbar, das lernt man schon in der Schule." (S. 41); "Das Bild des Sportlers ist und bleibt mit dem Dichterbild schwer zu vereinbaren." (S. 44) Wie 'Spinnen' setzt auch die Autorfigur 'von Düffel' auf den Effekt der Unverwechselbarkeit, wenn er in der Modellierung seines schriftstellerischen 'Selbst' den Autor aufgreift und zum "Sportler-Autor" umgestaltet. Mit der Wahl des "Sportlers" für die Fusion mit dem Autor findet zugleich der eigentliche aufmerksamkeitsökonomische Akt statt, weil sich der Sportler aufgrund seiner im Text oft hervorgehobenen Unvereinbarkeit mit dem Schriftsteller für eine effektvolle Differenzmarkierung anscheinend genauso gut eignet wie der Unternehmer im Fall von Spinnen. Dieser eigentümliche 'Selbst'-Entwurf, in dem sich jene aufmerksamkeitsökonomische Elemente offenbaren, ist somit als eine Reaktion auf die angesprochenen Notwendigkeiten der Imagebildung im Literaturbetrieb zu verstehen.

Den Werken Der schwarze Grat und Wovon ich schreibe möchte ich schließlich Rainald Goetz' Abfall für alle (1999) an die Seite stellen. Auch in diesem Werk lässt sich eine Autorfigur ausfindig machen, die die eigene schriftstellerische Arbeit thematisiert und sich dadurch als ungewöhnlicher Autorentyp in Szene setzt. Abfall für alle veranschaulicht eindringlich, wie die Autorfigur 'Goetz' sich selbst als eine Art "Diskurs-Manager" entwirft, der – genauso wie der 'Unternehmer'- und der 'Sportler'-Autor – permanent höchste Leistung erbringt, ständig intellektuell arbeitet, immer und überall rezeptionsästhetisch tätig ist und das Erlebte semiotisch deutet, verarbeitet, rekontextualisiert, kommentiert, weiterleitet und gerade diese nicht-verschriftlichten Leistungen des Schriftstellers als die eigentlichen und wesentlichen hervorhebt: "Schreiben kann man in zwei Stunden pro Tag natürlich wirklich mehr als genug. Aber das AUFNEHMEN von anderem, die Einsicht in das Gegebene, in die Natur der – entschuldigung – Schrift, den aktuellen Status des Wortsinns, des vom Gebrauch der Sprache dauernd neu bestimmten Sinnes von jedem Wort, das Lesen, Zuhören, Sprechen, und dauernde Kritzeln und quasi atmende Schreiben [...] das DAUERT einfach. DAS kostet die Zeit." (S. 52)

Ich möchte nun die genannten Werke auf einen Nenner bringen, indem ich in ihnen einen Zusammenhang zwischen Selbstinszenierungspraktik und Subjektbildung identifiziere: Allen ist gemeinsam, dass ein Texturheber im Erzählen von der eigenen schriftstellerischen Arbeit einen Selbst-Entwurf vorlegt, in dem er die historische Rolle des Autors als Künstlers mit seinem sozialen Antipoden vereint, sich somit als ein besonderer Autorentyp stilisiert und sich in dieser Praktik zum "Unternehmer seiner selbst" bildet. Das heißt aber auch, dass die Autoren in dieser Praktik eine bestehende Subjektform des Autors aufgreifen und jeweils in eigener Weise umformen. Der eine inszeniert sich als 'Unternehmer'-, der andere als 'Sportler'- und der dritte als 'Diskurs-Manager'- Autor. Am Ende entsteht in dem jeweiligen 'Selbst'-Entwurf ein 'hybrides Subjekt' im Sinne von Andreas Reckwitz, der 'Subjekt' "als kontingentes Produkt symbolischer Ordnungen" charakterisiert, "welche auf sehr spezifische Weise modellieren, was ein Subjekt ist, als was es sich versteht, wie es zu handeln, zu reden, sich zu bewegen hat, was es wollen kann" (Reckwitz 2006, S. 34) und diese symbolische Ordnungen "auf der Ebene sozialer Praktiken" (ebd., S. 35) verortet.

Fragt man nun nach den Ursachen der Selbstinszenierungspraktik und nach den darin enthaltenen kulturellen Codes, die sich als Sinnmuster umschreiben lassen, dann muss man kulturelle Kontexte eröffnen: So lässt sich feststellen, dass mit der Ausgestaltung des Literatursystems "immer mehr Anbieter kultureller Produkte auf den Marktplatz 'Kultur' drängen und miteinander um die rare Ressource Aufmerksamkeit konkurrieren" (Jürgensen 2011, S. 406). Aufmerksamkeit fungiert somit als eine ökonomische Größe (vgl. Franck 1998; Joch 2009), um die sich ein eigener Markt gebildet hat: der Aufmerksamkeitsmarkt. In diesem kulturellen und ökonomischen Kontext sind Autoren dazu gezwungen, ihre Differenz zu markieren, in der Hoffnung, diese knappe Ressource 'Aufmerksamkeit' zu erwerben. Dies bedeutet konkret, dass sie sich selbst vermarkten müssen, um ihre Differenz von der Konkurrenz auf dem Aufmerksamkeitsmarkt deutlich zum Ausdruck kommen zu lassen. Diese aus kulturellen Codes, Typisierungen und Reglements bestehende symbolische Ordnung des literarischen Feldes ist in der Praktik der literarischen 'Selbst'- Inszenierung verdichtet, sodass die Autorfiguren 'Spinnen', 'von Düffel' und 'Goetz' sich erst im Vollzug dieser Praxis zu Subjekten bilden. Freilich tun sie es auf eine jeweils andere Weise, folgen dabei aber immer den gleichen kulturellen Regeln des ökonomisierten literarischen Feldes.

Die historischen Gründe für diese Tendenzen liegen unter anderem in der neoliberalen Politik, die sich spätestens seit dem 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund der Frage danach, wie die Gesellschaft am besten regiert werden kann, das Marktprinzip zum Vorbild nimmt. Diese Politik überlässt die Individuen gewissermaßen sich selbst, indem sie im sozialen Gefüge Minimärkte schafft, auf denen die Individuen sich im Konkurrenzkampf behaupten und hierfür auch selbst disziplinieren müssen. Im Zuge dieser Herrschaftslogik regieren die Individuen sich selbst, während der Staat seine Aktivität einschränkt (vgl. Bröckling et altri 2000). Diese im Marktprinzip verbürgte Eigenverantwortlichkeit greift auch der literarische Diskurs als Leitmotiv auf und nimmt Transformationen vor, die sich zum Beispiel in der angesprochenen 'Selbst'-Vermarktung innerhalb des literarischen Werks zeigen, womit das Werk selbst hinter die Person des Autors tritt. Mit der allgemeinen Durchsetzung dieses feldübergreifenden neoliberalen Programms – dessen Schlüsselbegriffe Wettkampffähigkeit, Leistungsbereitschaft und Selbstmanagement heißen – scheint sich der Aufmerksamkeitsmarkt als ein Minimarkt innerhalb des literarischen Felds etabliert zu haben. Kulturproduzenten greifen auf ein Regierungswissen zu, das Foucault mit dem Konzept der 'Selbsttechnologien' genauer beschrieben hat. Diese Selbsttechnologien sind es, die Individuen die Möglichkeit geben, „mit eigenen Mitteln bestimmte Operationen mit ihren Körpern, mit ihren Seelen, mit ihrer eigenen Lebensführung zu vollziehen, und zwar so, dass sie sich selber transformieren, sich selber modifizieren“ (Foucault zit. nach Bröckling et altri 2000, S. 28 f.).

Insofern stellt die Praktik der 'Selbst'-Inszenierung innerhalb des literarischen Felds einen Ort dar, an dem auch die feldübergreifenden neoliberalen Imperative ihre Kraft entfalten und das Handeln der Autoren reglementieren, womit diese zu einem Subjekt werden, das bei Foucault den Namen "Unternehmer seiner selbst" (Ders. 2004, S. 314), bei Bröckling "Das unternehmerische Selbst" (Ders. 2007) trägt. Nach Bröckling steht diese Bezeichnung "für ein Bündel aus Deutungsschemata, mit denen heute Menschen sich selbst und ihre Existenzweisen verstehen", und "aus normativen Anforderungen und Rollenangeboten, an denen sie ihr Tun und Lassen orientieren" (ebd., S. 7). Folgen also die Autorfiguren 'Spinnen', 'von Düffel' und 'Goetz' jenem neoliberalen Programm, indem sie Praktiken der 'Selbst'-Inszenierung vollziehen? Bilden, transformieren und modifizieren sie sich zu "Unternehmern ihrer selbst", eben weil sie in diesem neoliberalen Kontext eine den "normativen Forderungen entsprechende, anerkennende Form annehmen" (Alkemeyer et altri 2013, S. 18)? Finden derartige Selbsttransformationen und Selbstmodifizierungen – genauso wie die neoliberalen Codes – letztlich auch in den 'Subjekt'- bzw. 'Selbst-Entwürfen' ihren Niederschlag, die innerhalb der erwähnten literarischen Werke aufzufinden sind? Denn der in dem jeweiligen Entwurf eines hybriden Subjekts mit dem Autor amalgamierte Unternehmer bzw. Sportler bzw. DuskursManager ist ein Sozialtypus, bei dem Wettbewerbsfähigkeit, Selbstverantwortung und Selbstmanagement als Dispositionen stark ausgeprägt sind. Damit kann vorläufig die These aufgestellt werden, dass die neoliberalen Deutungsschemata in den jeweiligen 'Subjekt'- bzw. 'Selbst'-Entwürfen bei 'Spinnen', 'von Düffel' und 'Goetz' zum Tragen kommen. Indem aber diese Autorfiguren in ihren Werken jene neoliberalen Sinnmuster aufgreifen und sich "als 'mitspielfähig' zeigen" (Alkemeyer u. a. 2013, S. 18), bilden sie sich zu "Unternehmern ihrer selbst", gerade weil sie ihr "Selbst" den neoliberalen Imperativen entsprechend modellieren.

2. Forschungsstand und Einbettung des eigenen Projekts

In der kulturwissenschaftlichen Germanistik ist dieser Zusammenhang zwischen Subjekt-Bildung und neoliberalen Sinnmustern innerhalb von Inszenierungspraktiken nur am Rande berücksichtigt worden, obwohl das Thema der Autordarstellung und der damit verbundenen Praktiken der Inszenierung an Bedeutung gewonnen hat, sodass sich die Beiträge dazu seit Anfang des neuen Jahrtausends häufen. Einschlägig sind vor allem die Aufsatzsammlungen Autorinszenierungen (Künzel / Schönert 2007), Schriftsteller-Inszenierungen (Grimm / Schärf 2008), Schriftstellerische Inszenierungspraktiken – Typologie und Geschichte (Jürgensen / Kaiser 2011) und Medien der Autorschaft (Gisi et altri 2013), in denen Inszenierungspraktiken seit dem 18. Jahrhundert in den verschiedensten Paratexten und Medien analysiert werden. Dabei wird nicht in Frage gestellt, ob eine Selbstinszenierung überhaupt stattfindet – dass das der Fall ist, darüber ist man sich flächendeckend einig. Eher rückt das 'Wie' (vgl. Porombka 2007; Blumenkampf 2011 / Husemann 2011) und somit die 'lokale' und 'habituelle Dimension' (vgl. Jürgensen / Kaiser 2011) solcher Inszenierungspraktiken ins Zentrum des Forschungsinteresses, wobei diese in den meisten Fällen unter inszenierungstypologischer Perspektive untersucht werden. Oft geht man dabei so vor, dass man von einem ganz bestimmten Autor ausgeht, dessen unterschiedliche Inszenierungspraktiken in verschiedenen Paratexten analysiert und ihn am Ende auf dieser Grundlage als einen ganz bestimmten Inszenierungstyp charakterisiert, ohne dabei auf Subjekt-Bildungen und neoliberale Implikationen einzugehen, als wäre der Konkurrenzkampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit nur der größeren Zahl an Autoren in dem literarischen Feld geschuldet. Missachtet werden dabei aber die neoliberalen Imperative, die Selbstinszenierungen spätestens seit Ende der 90er eben auch beeinflussen.

An diese Ansätze knüpfe ich in meinem Dissertationsprojekt an, möchte jedoch die Perspektive wechseln und nicht von bestimmten Autoren bzw. von allen ihren Inszenierungsaktivitäten, sondern eher von Autorfiguren in ganz bestimmten Werken ausgehen – in denen also die 'Selbst'- Inszenierung als ein Teil des eigenen literarischen Werks fungiert – und dieses Verfahren als "Subjekt-Bildung" betrachten. Vor diesem Hintergrund stellen sich für die Dissertation vor allem die folgenden Leitfragen: erstens danach, weshalb in den jeweiligen 'Selbst'-Darstellungen solche Figuren wie der 'Unternehmer'-, der 'Sportler'- und der 'Diskurs-Manager' für die Modellierung des "Autor-Ichs" herangezogen werden und ob hier Elemente der "praktischen Aus- und Umgestaltung vorgefundener Subjektformen" (Alkemeyer u. a. 2013, S. 21) sichtbar werden; zweitens danach, welche neoliberalen Deutungsschemata sich in den jeweiligen 'Selbst'-Modellierungen finden lassen und wo die Eigenanteile an der eigenen Subjektwerdung liegen, drittens danach, ob die Autorfiguren gerade aufgrund dieser Eigenanteile sich zu "Unternehmern ihrer selbst" bilden.

Methodisch sollen die literarischen 'Selbst'-Inszenierungen zunächst daraufhin untersucht werden, wie die genannten Autoren sich in ihren Werken figurieren, mit welchen rhetorischen Mitteln sie dabei arbeiten und wie sie die 'Selbst'-Inszenierungen als Teil des literarischen Werks strukturell gestalten. Während die Analyse hier mit literaturwissenschaftlichen Mitteln und Begriffen wie "Figurierung", "Auto(r)fiktion" und "Erzählstruktur" erfolgt, soll im nächsten Schritt ein Begriffsinstrumentarium aus der Kultursoziologie zum Einsatz kommen, um die 'Selbst'- Inszenierung des Autors innerhalb des eigenen literarischen Werks als Verfahren der Subjekt- Bildung zu untersuchen. Als besonders wichtige Begriffe wären hier "soziales Feld" und "Subjektkultur" zu nennen, weil sie es erlauben, den Zusammenhang zwischen der Praktik der literarischen 'Selbst'-Inszenierung und Subjekt-Bildung auf verschiedenen Ebenen zu betrachten. Unter "sozialen Feldern" werden in der Kultursoziologie verschiedene gesellschaftliche Bereiche verstanden, in denen es eine eigene Logik und eigene Strukturen gibt, welche die sozialen Akteure in Bezug auf ihre Handlungsmöglichkeiten einschränken (vgl. Bourdieu 2001). Als "Subjektkultur" bezeichnet Andreas Reckwitz hingegen ein Geflecht von kulturellen Codes, in deren Anwendung Individuen erst eine Subjektform annehmen (vgl. Reckwitz. 2006). Damit stehen Instrumente bereit, die es erlauben, das literarische Feld im Hinblick auf die handlungsleitenden Strukturen und die Selbstinszenierungspraktik auf ihren Gehalt neoliberaler Codes zu analysieren. Auf dieser Grundlage kann im nächsten Schritt schließlich untersucht werden, inwiefern die genannten Autorfiguren sich zu Subjekten bilden und die Form des "Unternehmers seiner Selbst" annehmen.

3. Literaturliste

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1. Object of Research and Interest

Self-staging, just like versatile means of subject-constitution, has always been part of the literary business. However, in recent times, people have increasingly paid attention to this (cf. Juergensen / Kaiser 2011). Two causes are crucial: In literary studies, on the one hand, the question of authorship has been put in a new way and, thus, the author has become quasi rehabilitated as a theoretical and analytical category (cf. Jannidis 1999; Detering 2002); on the other hand, the eventisation of the literary scene – a process strongly connected to thrill-seeking society – entailed a honing of perspective on the necessities of image-building, reputation-management, the presentation of the author as an attractor of attention in a media-business, which tends to personalisation. These theoretical and cultural processes have a huge importance for my project; I will, however, focus on an exceptional case of author-staging, which seems to be particularly symptomatic for the procedures and the importance of subject-making in contemporary culture and literature: i.e. the staging of the author as part of his literary work. In this way, literature challenges the boundaries of faction and fiction and conveys a borderline expectation of authenticity, which is characteristic for contemporary media-composites (cf. Martus 2012). Polemically, Juli Zeh described this as a “labeling of an understanding of literature, in which the confusion of narration and experience is not a lapse, but a programm” (Zeh 2006). This program can be observed, for example, in Burkhard Spinnen's The Black Edge from 2003, in which a medium-sized business entrepreneur meets the author at a wedding and commissions to put his difficult and adventurous career in writing. Between them, a business relationship develops, in which both produce a text on a mutual enterprise on whose production they both share 50% each: the entrepreneur provides information about his life story, the author processes it into text. This is what makes Spinnen's work extraordinary and why it has been received as a “rapprochement of literature and economy” (Pott 2004, p. 207).

It is decisive for my project that book cannot be positively integrated into any genre. The cumbersome subheading Die Geschichte des Unternehmers Walter Lindemaier aus Laubheim (The Story of Walter Lindemaier, Entrepreneur from Laubheim), seems to point at the biographical genre, in which the author-figure turns his own literary work into an object of narration. Thus, Spinnen structures The Black Edge in a way so that the story of Walter Lindenmaier functions as an internal plot of another narrated action, which intends to depict the 'evolutionary story' of the work at hand. But this framing narrative thread is explosive, as the author-figure 'Spinnen' – and hence the author himself – reflects upon his own literary work and additionally remarks that he, as an author, is quite similar to his 'protagonist'. Right at the beginning, the following statement is made:“In principle, I say, I am an entrepreneur myself. I produce something at my own risk, and try to sell it” (p. 11 f.). On the following pages, there are several passages in which Spinnen, the author-figure, demonstrates those activities and actions he is confronted with in the writing process to the reader. In short: an author-figure stages itself as a producer of the written word, who is analogous to an enterprise, who calls the text “my enterprise” (p. 165) and who adopts an entrepreneur's language as well as his manners: “Now we are partners. Both of us hold 50% of the enterprise. Any decision has to be made by the majority.” (p.181). In doing so, the author invents a particular author-type in the frame-narration, who characterises the literary field of his presence in a specific way: one, who intends to direct the audience's attention at himself, by lending an image to his literary 'self', in which extraordinariness and uniqueness emerge as his characteristics. The particularity is in the amalgamation of the author with a social type, which was traditionally considered as the author's social opponent, even if this has always been an idealisation in the first place.

Spinnen's The Black Edge stands for a practice of literary self-staging, in which the author stylises himself as an unusual author-type. This practice can be observed in John von Dueffel's collection of essays entitled Whereof I am writing published 2009. Here, though, we deal with an author, who appears in the essayistic, i.e. thetic, genre as an “athlete-author” (p. 164). The parallels are obvious: just like Spinnen, von Dueffel stylises himself as an unsual author-type, who combines two traditionally incommensurable social types. Von Dueffel frequently accentuates this opposition: “Authors and sports that does not go together well” (p. 17), “The love for sports and the love for writing, however, […] strongly contravene” (p. 18), “Literature and sport are incommensurable, you learn that in school” (p. 41); “The image of an athlete is, and always will be, not easily compatible to that of a poet” (p. 44). In picking up the author in modelling his literary self into an “athlete-author”, the author figure von Dueffel, just like 'Spinnen', puts his money on the effect of uniqueness. By choosing the “athlete” for a merging with the author, the proper act of attention-gaining takes place, since the athlete and his accentuated incompatibility with an author is equally suitable for dramatic demarcations of difference as is the entrepreneur in Spinnen's case. This peculiar 'self'-draft, in which these elements of attention-gaining become apparent, is, hence, to be understood as a reaction to the aforementioned necessities of image building in the literary scene.

Finally, I will investigate Rainald Goetz's Trash for All (1999). In this work, an author-figure which thematises his own work and hence stages himself as an unusual author-type can be found, too. Thrash for All vividly demonstrates, how the author-figure 'Goetz' creates himself as a “discourse manager”, who – just like the 'entrepreneur-' and 'athlete-'author – permanently performs at peak level, permanently works intellectually and who is always busy in the field of aesthetic reception, who semiotically interprets, processes, re-contextualises, comments and forwards his experiences, and who accentuates these accomplishments of the author, which have not been put into writing, as the real and essential accomplishments: “You can indeed write more than necessary in two hours of work per day. But ABSORBING the other, the insight in the given, the nature of – pardon – script, the current status of the word's meaning, the ever-changing meaning of each word depending on the usage of language, reading, listening, speaking and constant scribbling and quasi-breathing writing […] this just TAKES. THIS takes time.” (p. 52)

I would like to bring the works mentioned on a common denominator, in identifying a connection between the practice of self-staging and subject-making: all of them share an initiator of text, who submits a drafted-self in his narration and his work, in which the historical role of the author as an artist is associated with his social antipodes, who, hence, stylises himself as a unique author-type and makes himself an “entrepreneur of his self” within this social practice. This also means that authors adopt the already existing subject-form of the author within this practice and re-shape it in distinct ways. One of them stages himself as an 'entrepreneur'-, the other as an 'athlete'- and the third as a 'discourse manager'-author. In the end, a 'hybrid subject' in Andreas Reckwitz's understanding emerges within the respective self-drafts. Following Reckwitz, a hybrid subject is characterised “as a contingent product of symbolic arrays, which in a very specific way model that, what a subject is, how it understands itself, how it has to act, talk, move, want” (Reckwitz 2006, p. 34). These symbolic arrays are rooted on the “level of social practices” (ibid., p. 35).

Inquiring about this practice of self-staging's causes and the included cultural codes, which can be defined as patterns of meaning, one has to unclose cultural contexts: It can be noted that the formation of the literary system entailed “an increasing number of providers offering cultural products surged on the 'cultural' market place, who compete for attention, i.e. the market's scarce resource” (Juergensen 2011, p. 406). Hence, attention functions as an economic measure (cf. Franck 1998; Joch 2009), around which a distinct market emerged: the attention-market. In this cultural and economic context, authors are forced to demarcate their difference, hoping to gain 'attention', the scarce resource. Concretely, this means direct marketing in order to explicitly indicate that they are different to their rivals. This symbolic array of the literary field, composed of codes, typifications and regulations, condenses in the practice of literary 'self'-staging, so that the author-figures 'Spinnen', 'von Dueffel' and 'Goetz' make themselves subjects in the course of this practice. Admittedly, this self-making takes place in distinctly different ways; however, it follows the same cultural rules of the economised literary field.

The historical reasons for these tendencies can inter alia be found in neoliberal politics. Since the 20th century, these have adopted the market principle as a role model to answer the question about how society can be governed in the best possible way. This way of governing virtually leaves the individuals on their own in generating mini-markets within the social array, in which the individuals have to prevail in competition and in which they have to discipline themselves to do so. In the course of this logic of sovereignty, the individuals govern themselves, while the state reduces its activities (cf. Broeckling et al. 2000). This self-dependence, warranted by the market principle, is adopted by the literary discourse as a leitmotif; this discourse, at the same time, transforms this rationality, which can be demonstrated following the example of the aforementioned 'self-'marketing within the literary work, wherewith the work itself steps back behind the author person. With the overall implementation of this field-transcending neoliberal program – whose key-concepts are competitiveness, motivation and self-management –, the attention-market seems to have become established as a mini-market within the literary field. Cultural producers employ a governmental knowledge, which Foucault has described as 'technologies of the self'. These provide individuals with opportunities, “to effect by their own means a certain number of operations on their own bodies, souls, and lifestyle, so as to transform themselves, to modifiy themselves” (Foucault quot. after Broeckling et al. 2000, p. 28 f.).

In so far, the practice of 'self-' staging within the literary field is a place, in which the field-transcending neoliberal imperatives exert their influence, too; an influence that regulates the authors and turns them into a subject, which Foucault calls the “entrepreneur of his self” (id. 2004, p. 314) and which Broeckling calls “The entrepreneurial Self” (id. 2007). Following Broeckling, this label nowadays stands for a “bundle of interpretative schemas, through which people understand themselves and their ways of existence” as well as “normative demands and role-proposals, on the basis of which they orient what they do and do not do” (ibid., p. 7). Does this mean that the author-figures 'Spinnen', 'von Dueffel' and 'Goetz' follow this neoliberal program by executing practices of 'self-'staging? Do they build, transform and modify themselves into “entrepreneurs of their self”, because they adopt a “form”, which “corresponds with and recognises” the neoliberal program's “normative demands” (Alkemeyer et al. 2013, p. 18)? Do these transformations and modifications of the self – just like the neoliberal codes –, ultimately, have an impact on the 'subject-' and 'self-'drafts, which can be found within the literary works mentioned? The respective sketches of a hybrid subject, in which the author amalgamates with an entrepreneur, athlete or discourse-manager is a social type, who is characterised as competitive, self-reliant and self-managing. Hence, my preliminary thesis is: the neoliberal schemas of interpretation take effect in the respective 'subject-' or 'self-'drafts of 'Spinnen', 'von Dueffel' and 'Goetz'. In adopting these neoliberal patterns of meaning and “showing their capability to play along” (Alkemeyer et al. 2013, p. 18), they make themselves “entrepreneurs of their self”, precisely because they model their “self” according to these neoliberal imperatives.

2. State of Research and Embedding of the Project

German Cultural Literary Studies has only marginally dealt with this connection between subject-making and neoliberal patterns of meaning within staging practices, although the issue of author-representation and the practices of staging connected to this have gained importance. Autorinszenierungen (Kuenzel / Schoenert 2007), Schriftsteller-Inszenierungen (Grimm / Schaerf 2008), Schriftstellerische Inszenierungspraktiken – Typologie und Geschichte (Juergensen / Kaiser 2011) and Medien der Autorschaft (Gisi et al. 2013), in which practices of staging the authorship since the 18th have been analysed in various paratexts and media, are most relevant. None of these scholarly works poses the question, whether a self-staging as such takes place – that this is the case seems common sense. It is rather the 'How' (cf. Porombka 2007; Blumenkampf 2011 / Husemann 2011) and thus the 'local' and 'habitual dimension (cf. Juergensen / Kaiser 2011) of these practices, which is at the centre of attention, although this is always investigated following perspectives on typologies of staging. Often, these investigations emanate from a certain author, whose various staging-practices are analysed in different paratexts. On this basis, the author is ultimately characterised as a specific staging-type, without, however, referring to subject-makings and neoliberal implications – as if the rat race for attention was only due to the larger number of authors in the literary field. These analyses disregard the neoliberal imperatives, which have an impact on these self-stagings since the end of the 1990s.

In my PhD-project, I tie in with these approaches, but intend a change of perspective: I do not intend to follow certain authors or their staging-activities, but rather author-figures in certain literary works – in which, after all, the 'self'-staging functions as a part of the distinct literary work – and construe this mode as “subject-making”. Against this background, the following leading questions emerge: (1) Why are figures, such as the 'entrepreneur-', the 'athlete-' and 'discourse-manager', chosen for a modelling of the “author-ego”? Do elements of a “practical (re-)arrangement of existing subject-forms” (Alkemeyer et al. 2013, p. 21) come to the fore? (2) What are the neoliberal schemas of interpretation which can be found in the respective 'self'-modelling and where are the individual subjectivation's own contributions? (3) Do the author-figures make themselves to “entrepreneurs of their self” due to these very own contributions?

Methodologically, the literary 'self'-stagings will be investigated regarding the ways in which the authors appear in their works, which stylistic devices they employ in doing so and how they structurally shape their 'self'-stagings as a part of the literary work. While the analysis follows means of Literary Criticism, such as “figuration”, “aut(h)o(r)fiction” and “narrative structure”, methods of Cultural Sociology will be employed in the next step, in order to investigate the author's 'self'-staging within the literary work as a procedure of subject-making. Particularly important concepts are “social field” and “subject culture”, since they allow an investigation of relations between the practice of literary 'self-'staging and subject-making on different levels. In Cultural Sociology, “social fields” are understood as different social area, which have their own logic and structures, which limit the social actors' scopes (cf. Bourdieu 2001). “Subject culture”, in Andreas Reckwitz's understanding, is, in contrast, a network of cultural codes, whose application allows individuals to adopt a subject form in the first place (cf. Reckwitz 2006). These instruments will allow an investigation of the literary field in terms of its action-directing structures as well as an analysis of 'self'-staging practices in terms of its level of neoliberal codification. This will provide the basis, to analyse the question, in how far the aforementioned author-figures make themselves into subjects and adopt the form of an “entrepreneur of their self”.

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(Changed: 2021-04-30)