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Geschichte des Comics

1895 – 1929: Die Anfänge des Comics und seine Etablierung in der Gesellschaft

1929– 1945: Die Entstehung neuer Comicgenres 

1954 bis in die 80er: Der Comic-Code und seine Folgen in den USA und Europa 

1968 bis in die Gegenwart: Die Entwicklung des Underground-Comix und die Entstehung der Graphic-Novel

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1895 – 1929:
Die Anfänge des Comics und seine Etablierung in der Gesellschaft

Am häufigsten wird „The Yellow Kid“ (anfänglich unter dem Namen „Hogan’s Alley“ erschienen) von Richard Felton Outcault als Ausgangspunkt des modernen Comics genannt. (Andere sehen in „The Yellow Kid“ lediglich einen, verglichen mit dem deutschen „Struwwelpeter“ und der britischen Satirezeitung „Ally Sloper’s Half Holiday“, unbedeutenden Vorläufer). Outcault wurde 1895 von Joseph Pulitzer in einer Zeit eingestellt, in der dieser sich in einem Zeitungskrieg um die Gunst der New Yorker befand, in dem Karikaturen und Witzeseiten eine große Rolle spielten. Im Februar 1896 gelang es Pulitzer, ein druckfähiges, strahlendes Gelb zu Papier zu bringen, das die trüben Farben der bisherigen Ausgaben – ab 1893 erschienen farbige Sonntagsbeilagen in den New Yorker Zeitungen - in den Schatten stellte. Genutzt wurde diese Farbe erstmals für die populäre Figur des „Yellow Kid“.  Die in „The Yellow Kid“ gezeigte Figur des tölpeligen kleinen Vagabunden bleibt bis in die 20er Jahre das zentrale Thema des Comics.

Nach der Abwerbung Outcaults und seiner Serie durch Pulitzers Konkurrenten William Randolph Hearst  lässt Outcault sich etwas Neues einfallen und greift das Prinzip der Bildergeschichte auf. In diese integriert er auch erstmals Sprechblasen.  Vorher wurde die Schrift noch ausschließlich in Textkästen oder auf dem Nachthemd des Yellow Kid untergebracht. Die Idee zur Dialogsprechblase war nicht neu, sie tauchte im deutschen Raum 1862 in der Satirezeitschrift „Kladderadatsch“ auf. Erste Verbreitung fand sie um 1800 in der englischen Karikatur.

Eine weitere Serie, die teilhat am Übergang von Einzelbildern und Karikaturen zur Verbindung mehrerer Einzelbilder, ist die erstmals 1897 erschienene Serie „The Katzenjammer Kids“ des deutschen Zeichners Rudolph Dirks. Die Vorlage dafür lieferte Wilhelm Busch mit „Max und Moritz“. Prägend waren nicht nur die Figuren und die Anordnung als Bildergeschichte allein, sondern auch die Elemente der Schadenfreude und des Widerstreits zwischen moralischen Vorstellungen und dem individuellen Triebleben. 1859 werden die ersten Bildergeschichten Wilhelm Buschs als Münchener Bilderbogen gedruckt. Bedingung dafür war die 1798 eingeführte Lithografie mit der ein erstes preiswertes Verfahren zur Bildreproduktion zur Verfügung stand. Im deutschen Sprachraum erlangte zudem vor allem Rodolphe Töpffer durch die Publikation von 6 Bildergeschichten zwischen 1833 und 1845 einige Bekanntheit.

Die Bezeichnung Comic, in den frühen Jahren auch „new humour“ oder „funnies“, weist auf den überwiegend komischen Inhalt des neuen Mediums hin und damit verbunden auf eine Ablehnung von kulturkonservativer Seite. Formate wie „The Kinder Kids“ (1906) von Lyonel Feininger, erschienen in der „Chicago Tribune“  und „Little Nemo“ (1905) von Winsor McCay versuchten durch ihren künstlerischen Anspruch, der Vermengung verschiedener Kunststile wie Jugendstil und Kubismus diesen Zuschreibungen zu entkommen. In „Little Nemo“ wird im Gegensatz zu anderen Comics zudem eine sich entwickelnde Geschichte erzählt. Die Lust am Sehen überwiegt über die am Cartoon geschulte Simplifizierung der Zeichnung. Mit der Einführung des Prinzips der Fortführung, und der Ermöglichung epischer Handlungsstränge ist Little Nemo Vorbild für viele folgende Comics.

Ab 1907  entstehen zusätzlich zu den farbigen Sonntagbeilagen einzeilige Werktagsstrips in schwarz-weiß, die den burlesken Charakter des Comics noch stärker hervortreten lassen. Eine Standardisierung der Form, Rahmungen und eine recht feste Anzahl von Panels wurden Teil der Grammatik des Comics und sollten die Wiedererkennbarkeit und Vermarktbarkeit der Comics steigern.

Die Serie „The Dingbat Family“ von George Herriman erscheint ab 1910 montags bis samstags als Tagesstrip im New Yorker Journal. Innerhalb dieses Strips entsteht die Figurenkonstellation um „Krazy Kat“ als Strip im Strip. Ab 1913 erscheint „Krazy Kat“ als eigenständiger Tagesstreifen. Bekannt ist „Krazy Kat“ u.a für die Verwendung surrealistisch anmutender Bildelemente.

Ab 1925 etabliert sich die Sprechblase auch in Europa („Zig et Puce“ von Alain Saint-Ogan, „Les Aventures de Tintin“ von Hergé (1929), nachdem in den ersten Nachdrucken amerikanischer Comics die Sprechblasen noch entfernt wurden, um die Comics klassischen europäischen Bildergeschichten anzunähern. Hergé prägt mit Tintin einen eigenen Zeichenstil, der später „ligne claire“ genannt werden wird. Er zeichnet sich durch präzise, funktionale Konturen aus. Auf der Ebene der Erzählung treibt jedes Element die Geschichte voran, es wird nichts Überflüssiges erzählt.

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