Navigation

Kontakt

Wirtsbaumspezifität von Gefäßepiphyten

 

Die Baumkronen tropischer Regenwälder beherbergen eine noch immer unbekannte Zahl an Tier- und Pflanzenarten. Die Entstehung und Aufrechthaltung dieser Artenvielfalt ist Gegenstand intensiver Forschung. Für die Diversität herbivorer Insekten wurde ein direkter Zusammenhang mit der Diversität ihrer Wirtsbäume postuliert. Entsprechendes könnte auch für die artenreiche Gruppe der Gefäßepiphyten gelten. Um diese Hypothese zu überprüfen, muss aber zuerst einmal die Stärke der Wirtsspezifität von Epiphyten bekannt sein. Hiervon sind wir aber -  trotz zahlreicher Studien zu dem Thema -  noch weit entfernt. Stand der Forschung ist, dass Epiphyten meist fähig sind, alle in einem Wald vorkommenden Baumarten zu besiedeln, dass die Epiphytenabundanz aber oft ungleich über die Baumarten verteilt ist. Aufgrund einer Reihe methodischer Probleme ist Letzteres aber noch kein eindeutiger Nachweis für Wirtsspezifität: So können etwa bei der statistischen Analyse von Verteilungsdaten dadurch Artefakte entstehen, dass das geklumpte Auftreten der Epiphyten unberücksichtigt bleibt. Zudem gibt es kaum Untersuchungsansätze, die direkt die Fitness der Epiphyten betrachten. Schließlich ist der meist gewählte floristische Ansatz angesichts der großen Zahl an Epiphyten- und Baumarten in tropischen Regenwäldern ungeeignet, Assoziationen aufgrund allgemeiner Regeln vorherzusagen. Ziel des Projektes ist es, all diese Probleme anzugehen. Teilprojekt 1 untersucht mit Hilfe eines Computermodells den Effekt räumlicher Autokorrelation konspezifischer Epiphyten auf die Ergebnisse von Wirtsspezifitätstests. Ein zu entwickelndes Nullmodell soll diesen Effekt bei der Analyse empirischer Datensätze berücksichtigen. Teilprojekt 2 (eine systematisch angelegte Feldstudie) vergleicht Baumarten bezüglich Epiphytenabundanz und Artzusammensetzung. Durch eine ausreichend hohe Stichprobengröße können Verteilungsunterschiede verlässlich erkannt werden. Teilprojekt 3 untersucht Wirtsspezifität auf der Ebene von Fitnessparametern (Keimungs-, Überlebens- und Wachstumsraten) mithilfe experimenteller Manipulationen. Teilprojekt 4 verlässt schließlich die Ebene der in bisherigen Studien untersuchten Artinteraktion und untersucht die Interaktion von Epiphyten- und Baummerkmalen (trait matching). Ziel ist es, Verteilungsmuster mechanistisch zu erklären und allgemeine Regeln für die Korrelation von Merkmalen zu erstellen. Die Datenerhebung erfolgt im San-Lorenzo-Schutzgebiet einem unberührten Tieflandregenwald in Panama.

Ausgesuchte Publikationen

Wagner K, Mendieta-Leiva G & Zotz G. 2015. Host specificity in vascular epiphytes: a review of methodology, empirical evidence and potential mechanisms. AoB Plants 7, doi: 10.1093/aobpla/plu092.

Martina Jägeruw7 (martina.jaege9yucr@uol7mhx0.deifo) (Stand: 07.11.2019)