Germanistik Bachelor

Einführung Niederdeutsch

Lehrende: Nikos Saul, Gabriele Diekmann-Dröge

Freitags 08:15 - 09:45, Ort: A06 0-001

Die niederdeutsche Sprache hat, wie andere Sprachen auch, im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte verschiedene kommunikative Funktionen erfüllt. Im Unterschied zu den meisten anderen Sprachen aber sind für das Niederdeutsche nicht die kontinuierliche Ausweitung der Funktionen und ein entsprechender Sprachausbau bis in die Gegenwart kennzeichnend, sondern es setzt vielmehr ab dem 17. Jahrhundert ein Verlust entscheidender sprachlicher Domänen ein, der zur Dialektalisierung des Plattdeutschen, wie es ab jetzt genannt wurde, führte. Und heute? Einerseits gehen die Sprecherzahlen zurück, andererseits sind es nicht mehr nur die 'typischen' (?) Dialektsprecher, die Niederdeutsch bzw. Platt sprechen und verstehen oder die das vielfältige kulturelle und literarische Angebot nutzen. Die Europäische Sprachencharta als das wichtigste sprachpolitische Instrument der Gegenwart definiert das Niederdeutsche explizit als "Regionalsprache" und unterscheidet es damit zum Beispiel vom Bairischen oder Schwäbi-schen, die als (hoch)deutsche Dialekte gelten. Das Seminar gibt einen Überblick über Sprach- und Literaturgeschichte bis zur Gegenwart und geht den Fragen nach Sprachstatus und Sprach-verwendung des Niederdeutschen u.a. im Kontext der europäischen Mehrsprachigkeit nach.

Prüfungsart: Referat und schriftliche Ausarbeitung oder Hausarbeit

 

Seminar: Der schlaue Reynke und der kluge Freidank. Das mittelniederdeutsche Tierepos "Reynke vosz de olde" (1539) und seine Kommentierung durch den oberdeutschen Spruch-dichter Freidank (13. Jh.)

Lehrende: Prof. Dr. Doreen Brandt

Donnerstags 18:15 - 19:45, Ort: A03 4-404

Der Löwe als König und Richter, Wolf, Hund, Hase und Hahn als Kläger und Opfer und der verschlagene Fuchs als Angeklagter, der nicht bei Gericht erscheint. Das ist die Ausgangssituation für die zahlreichen Episoden im mittelalterlichen Tierepos um den Fuchs Reynke. Mit seiner außergewöhnlichen Schläue und Verschlagenheit gelingt es diesem, bis zuletzt einer Verurteilung und Bestrafung zu entgehen, indem er die Tiere bei ihren eigenen Schwächen packt. Kommen-tiert wird dies u. a. von der Autorität Freidank.
Das mittelniederdeutsche Tierepos "Reynke vosz de olde" ist 1539 in der Offizin von Ludwig Dietz in Rostock gedruckt worden, geht aber zurück auf den älteren Lübecker Druck von 1498 aus der Mohnkopf-Offizin, mit dem die lange mittelniederdeutsche Tradition der Fuchserzählung ihren Anfang nahm. Freidank wiederum ist ein oberdeutscher Dichter des 13. Jahrhunderts. Von ihm stammt die "Bescheidenheit" – eine um 1230 entstandene Sammlung belehrender Sprüche in Reimpaarversen. In welcher Form und mit welcher Funktion und Wirkung die Fuchserzählung und die Freidank-Sprüche im Druck von 1539 eine Verbindung eingegangen sind, soll im Seminar untersucht und diskutiert werden – unter besonderer Berücksichtigung der typographischen Gestaltung des Drucks.
Das Seminar bietet einen vertiefenden Einblick in die Literatur der Vormoderne, insbesondere in die Fuchsepik und die Spruchdichtung, wie auch in Formen ihrer Tradierung und Rezeption im niederdeutschen Sprachraum.
Textgrundlage: Es gibt bislang keine Ausgabe des ‚Rostocker Reynke‘. Grundlage für die Lektüre bildet daher die digitale Reproduktion des Druck-Exemplars, das in der Staats- und Universi-tätsbibliothek Göttingen aufbewahrt wird.
Prüfungsart: 1 Portfolio

 

Seminar: Regionale Variation des Niederdeutschen (in Niedersachsen)

Lehrende: Dr. Franziska Buchmann

Freitags 10:15 - 11:45, Ort: A14 0-030

Niederdeutsch in Niedersachsen zeichnet sich durch eine besonders differente Sprachlandschaft aus. Überdacht und in weiten Teilen auch zurückgedrängt von der hochdeutschen Standardsprache lassen sich verschiedene niederdeutsche Dialekte finden. Zu ihnen gehören die regionalen Varianten des Nordniedersächsischen inklusive des Ostfriesischen, des Ostfälischen sowie des Westfälischen. Im Seminar werden wir nacheinander die vier großen regionalen Varietäten auf ihe sprachlichen Merkmale hin untersuchen und hier einen Fokus auf die phonologische Variation der Dialekt legen.
Prüfungsart: Hausarbeit, Referat mit Ausarbeitung

Übung: Regionale Variation des Niederdeutschen (in Niedersachsen)

Lehrende: Dr. Franziska Buchmann

Freitags 12:15 - 13:45    A14 0-030

Diese Übung ist inhaltlich auf das Engste mit dem zugehörigen Seminar verknüpft: Auch hier werden die phonologischen Varianten der niederdeutschen regionalen Dialekte in den Fokus genommen und untersucht. Dazu werden aktuelle Studien und Datensammlungen gelesen und ausgewertet.
Prüfungsart: Hausarbeit, Referat und Ausarbeitung

Seminar: Niederdeutsch und Saterfriesisch in der Schule

Lehrende: Gabriele Diekmann-Dröge

Dienstags 08:15 - 09:45, ab dem 14.6.22 (6x), Ort: A06 0-001
Samstags 9.=0 - 14:00;  am 18.06.22,  02.07.22 und am 16.07.22 09:00 - 14:00 (3x),  Ort: A06 0-001 / A01 0-004

In allen norddeutschen Bundesländern wird aktuell die Stellung der Regionalsprache Niederdeutsch und der Minderheitensprache Saterfriesisch in der schulischen Bildung gestärkt. Im Mittelpunkt steht dabei meist die sogenannte "Sprachbegegnung", d.h. die Vermittlung von Kenntnissen über historische und vor allem auch aktuelle Funktionen und Bedeutungen der norddeutschen Sprachen neben dem Hochdeutschen. Die Beschäftigung mit niederdeutscher und saterfriesischer Sprache und Literatur zum Beispiel im Deutschunterricht ermöglicht den SchülerInnen unter Anderem Einblicke in Sprachgeschichte und Soziolinguistik des Deutschen. Darüber hinaus wird in den letzten Jahren vor allem in der Grundschule auch der aktive Spracherwerb gefördert, zum Beispiel durch Immersionsunterricht mit Niederdeutsch und Saterfriesisch oder durch die Etablierung des Faches Niederdeutsch im Wahlpflichtbereich der weiterführenden Schulen. In Seminar und Übung werden sprach- und literaturgeschichtliche Grundkenntnisse vermittelt sowie Materialien und Methoden für den Unterricht vorgestellt und erprobt.
Prüfungsart: Referat und schriftliche Ausarbeitung oder Hausarbeit

Übung: Niederdeutsche und saterfriesische Texte im Unterricht

Lehrende: Gabriele Diekmann-Dröge

Dienstags 10:15 - 11:45, ab dem 14.6.22  (6x) Ort: A06 0-001

Samstags 09:00 - 14:00, am 25.06.22, 9.7.22 und  23.07.22  (3x)  Ort:  A06 0-001 / A01 0-004

Bei der Einbeziehung von sog. "kleinen Sprachen" wie Niederdeutsch oder Saterfriesisch in den Unterricht stellen sich verschiedene Fragen: Mit welchen Materialien kann gearbeitet werden? Gibt es überhaupt geeignete Kinder- und Jugendliteratur in niederdeutscher und saterfriesischer Sprache? Welche Literaturformen eignen sich für eine Behandlung auch im Deutschunterricht? Welche literarischen Muster gibt es? Wer sind die Autor:innen, wie und wo finden sie ihre Leser:innen und wie funktionieren der plattdeutsche und der saterfriesische Buchmarkt? Diesen und anderen Fragen soll im Hinblick auf Unterrichtsmöglichkeiten für verschiedene Schulstufen nachgegangen werden, wobei die eigene praktische Erprobung der Materialien im Mittelpunkt stehen soll.

Seminar: Analyse gesprochener Sprache

Lehrender: Prof. Dr. Jörg Peters

Donnerstags 14:15 - 15:45,  Ort: A01 0-010 b

Im Seminar werden grundlegende Kenntnisse sowie praktische Analysefertigkeiten im Bereich der Akustischen Phonetik erworben. Ein Schwerpunkt liegt auf der Segmentierung des Sprechsignals in Einzellaute sowie der Gruppierung von Lauten zu größeren rhythmischen und melodischen Einheiten, die die Basis der Akzentstruktur und der Intonation bilden. Der Besuch dieser Veranstaltung wird allen empfohlen, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eine eigne empirische Untersuchung zur gesprochenen Sprache durchführen möchten.

Literaturgrundlage:
Fuhrhop, Nanna & Peters, Jörg (2013). Einführung in die Phonologie und Graphematik. Stuttgart: Metzler.
Peters, Jörg (2021). Intonation. Heidelberg: Winter (2. überarb. Aufl.) [KEGLI Bd. 16].

Übungen zur Analyse gesprochener Sprache

Lehrender: Prof. Dr. Jörg Peters

Donnerstags 16:15 - 17:45,  Ort:  A01 0-010 b

Diese Veranstaltung ergänzt das Seminar „Analyse der gesprochenen Sprache“ durch praktische Übungen mit dem akustischen Analyseprogramm Praat sowie durch Übungen zur Gehörbildung und zur Annotation von Intonationskonturen.

Seminar: Mehrsprachigkeit: Niederdeutsch, Saterfriesisch, Hochdeutsch

Lehrende: Marina Rohloff, Heike Eva Schoormann

Freitags 14:15 - 15:45, Ort: A03 4-404

Mehrsprachigkeit ist die Regel, nicht die Ausnahme. Viele Kinder in Europa wachsen zwei- oder mehrsprachig auf. Auch Personen, die verschiedene Varietäten einer Sprache sprechen, werden als mehrsprachig bezeichnet. In Norddeutschland finden wir ganze bi- oder trilinguale Sprachgemeinschaften. Darüber hinaus finden sich Sprachinseln mit mehrsprachigen Sprecher*innen, deren eine Sprache eine Varietät des Deutschen ist. Im Seminar wird nach einer grundlegenden Einführung in die Mehrsprachigkeitsforschung der Fokus auf die Mehrsprachigkeit und den mehrsprachigen Sprachgebrauch in Nordwestdeutschland unter Berücksichtigung sprachpolitischer Bemühungen gelegt.
Prüfungsart: 1 Hausarbeit oder 1 Referat mit schriftl. Ausarbeitung oder 1 Portfolio

Übung: Mehrsprachigkeit: Phonetische Analyse

Lehrende: Marina Rohloff, Heike Eva Schoormann

Freitags 16:15 - 17:45,  Ort: A03 4-404

Die Übung gehört zum Seminar "Mehrsprachigkeit: Niederdeutsch, Saterfriesisch, Hochdeutsch“. In der Übung wird in das phonetische Analyseprogramm Praat eingeführt und in diesem Programm mit mehrsprachigen Daten gearbeitet.

Die Übung baut auf den im BM1 erworbenen Grundlagen Phonetik/Phonologie auf und ergänzt diese durch die praktische Arbeit im Analyseprogramm.
Prüfungsart: 1 Hausarbeit oder 1 Referat mit schriftl. Ausarbeitung oder 1 Portfolio

(Stand: 20.04.2022)