Germanistik Master

Seminar: Dichter in der Isolation. Die nachklassischen höfischen Romane von Berthold von Holle

Lehrende: Prof. Dr. Doreen Brandt

Donnerstags 12:15 - 13:45, Ort: A15 1-113

Demantin von Antriun ist ein vorbildlicher Ritter. Seine Liebe gehört Sirgamot, ihr ist er treu. Und mit ihr vor Augen besiegt er im Turnier und im ritterlichen Zweikampf jeden Gegner. Alle Frauen bewundern ihn. Und selbstredend scheut er keine Gefahr und reitet mutig in jedes Abenteuer. Demantin ist der Held in einem aventiurehaften höfischen Roman. Aber Artus, Parzival, Iwein oder Erec sucht man in seiner Welt vergeblich. Gleichwohl ist der Erzähler dieser Welt ein be-kennender Bewunderer Wolframs von Eschenbach. Wie mit „Demantin“ verhält es sich auch mit „Darifant“ und „Crane“ als Helden in zwei weiteren Romanen, die um die Mitte des 13. Jahrhun-derts von Berthold von Holle verfasst wurden. Die Vorlagen sind nicht bekannt.
Berthold wirkte im Umkreis des Braunschweiger Hofes; seine Herkunft ist aber nicht gesichert. Vermutlich entstammte er dem Adelsgeschlecht von Holle, das im 13. Jahrhundert im Bistum Hildesheim bezeugt ist. Mit „Demantin“, „Darifant“ und „Crane“ liegen also höfische Romane aus dem niederdeutschen Sprachraum vor. Aber als wären es nicht schon der Besonderheiten ge-nug, sind diese Romane nicht in einer niederdeutschen Schreibsprache überliefert, sondern in einer hochdeutsch-niederdeutschen Hybridsprache. Angesichts all dessen stellt sich die Frage, wie Bertholds Romane in die höfische Literatur des 13. Jahrhunderts einzuordnen sind. Dieser Frage will das Seminar nachgehen. Im Zentrum steht dabei die Lektüre des „Demantin“ und die kritische Sichtung der Forschung, die Berthold – auch sprachlich und geographisch bestimmt – in der literaturgeschichtlichen Isolation verortet.
Textgrundlage: Der „Demantin“ wurde 1875 von Karl Bartsch auf der Grundlage der Dessauer Handschrift herausgegeben. Die Ausgabe wird als digitale Reproduktion zu Beginn des Semes-ters zur Verfügung gestellt.
Prüfungsart: ger790: 1 Hausarbeit oder eine Präsentation mit schriftlicher Ausarbeitung; ger890: 1 Hausarbeit oder eine Präsentation mit schriftlicher Ausarbeitung

Seminar: Niederdeutsch im Sprachvergleich

Lehrende: Dr. Franziska Buchmann

Mittwochs 10:15 - 11:45, Ort: A04 4-411

Sprachbegegnungen durch Sprachvergleiche laden zu einer tieferen Einsicht in die jeweiligen Sprachen ein, sie fördern die Sprachbewusstheit der Lernenden und sind daher Teil der Kerncurricula des Deutschunterrichts. Besonders für das Niederdeutsche werden immer wieder Sprachbegegnungen im Unterricht gefordert, die sich in der Umsetzung häufig auf lexikalische Phänomene beschränken.
Das Niederdeutsche ist eine germanische Sprache. Zahlreiche sogenannten Ingwäonismen zeugen von der historisch engen Verwandtschaft des Niederdeutschen mit dem Englischen, Niederländischen und Deutschen (um hier nur die drei direkten Nachbarsprachen zu nennen).
In diesem Seminar werden wir uns einführend diese Ingwäonismen anschauen. Wir werden aber danach vor allem den Fokus auf synchrone Sprachvergleiche legen. Hierzu gehören neben den oben schon genannten lexikalischen Phänomenen vor allem grammatische Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf allen Beschreibungsebenen: Phonologie, Morphologie (mit Flexion und Wortbildung) und Syntax.
Prüfungsart: Hausarbeit, Referat mit Ausarbeitung

Seminar: Bedrohte Sprachen

Lehrende: Heike Eva Schoormann

Donnerstags, 16:15 - 17:45, Ort: A15 1-113

Das Seminar behandelt Aspekte des Sprachkontakts und der Spracherosion bedrohter Sprachen. Zudem soll eine Einführung in die Sprachdokumentation erfolgen.
Prüfungsart: 1 Hausarbeit oder 1 Referat/Präsentation mit schriftlicher Ausarbeitung

(Stand: 20.04.2022)