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Was ist die Hanse Law School
Die Hanse Law School ist ein international ausgerichtetes juristisches Ausbildungsprojekt. Es wird von der Universität Oldenburg getragen. Enger Kooperationspartner ist die niederländische Rijksuniversität Groningen.
Das Konzept
Die Grundidee der HLS ist, „Recht europäisch zu denken“: Es geht um eine Annäherung an Europa „von unten“. In der Ausbildung stehen Europarecht und Rechtsvergleichung nebeneinander – und zwar sogleich ab dem ersten Semester. Damit unterscheidet sich das Hanse Law School-Programm sowohl vom nationalen Jurastudium als auch von anderen Programmen, die Juristen im Europarecht im Inland- und Ausland ausbilden. In Deutschland ist dies ihr Alleinstellungsmerkmal unter den juristischen Bachelorprogrammen. Das Hanse Law School Masterprogramm sattelt auf diesen grundlegenden Europrarechtskenntnissen auf und vertieft in den Sonderbereichen Digitales und Nachhaltigkeit.
Das Bachelorprogramm „Comparative and European Law”
Das HLS-Bachelorprogramm (LL.B.) setzt im Vergleich zu anderen (ausländischen) Europarechtsprogrammen inhaltlich andere Akzente: Anders als z.B. das Europakolleg in Brügge (Belgien) fokussiert das HLS-Programm nicht auf die EU-Rechtsharmonisierung und -vereinheitlichung. In der Hanse Law School spielen die nationalen Rechte und Rechtskulturen weiterhin eine große Rolle: Es geht um das Verstehen von Unterschieden und um Völkerfreundschaft. Deshalb genießt die Rechtsvergleichung methodisch einen hohen Stellenwert. In dieser Perspektive des „Europa von unten“ knüpft die HLS an die Ideen der deutsch-französischen Freundschaft und die Städtepartnerschaften an. Auf diese Grundidee der Verständigung durch Diskurs verweist auch der Wahlspruch „fortiter in re, suaviter in modo“. Der Mitbegründer der HLS, Prof. Dr. Damiaan Meuwissen, em. Professor für Verfassungsrecht und Rechtsphilosophie an der Universität Groningen, knüpfte damit an das Leitmotiv von Claudio Aquaviva an, unter dessen Leitung 1599 die aufklärerische Reform der Jesuitenausbildung gelang.
Das Masterprogramm „Law in Sustainable and Digital Europe“
Das HLS-Masterprogramm „Law in Sustainable and Digital Europe“ setzt den Schwerpunkt auf Aspekte der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung des nationalen und europäischen Rechts. Es ist wissenschaftlich orientiert und führt zum Erwerb des LL.M. (Master of Laws). Dieser Studienabschluss ist mit den juristischen Universitätsabschlüssen im Ausland vergleichbar. Er qualifiziert für den internationalen Juristenmarkt in Behörden, Organisationen, Unternehmen und Kanzleien. Er eröffnet wiederum nicht direkt den Weg ins Referendariat und damit zu den justizgebundenen Berufen der Richterschaft, der Anwaltschaft oder der Staatsanwaltschaft. Dieser Weg steht aber durch eine weitreichende Anerkennung der erworbenen Leistungen und ein begrenztes Zusatzstudium offen.
Forschung
Europarecht und Rechtsvergleichung spielen für das Forschungsprogramm der mit der Hanse Law School verbundenen Lehrstühle eine grundlegende Rolle. Ein Beispiel ist das Langzeitprojekt „Boundaries of Information Property“ von Prof. Dr. Godt, das sie unter dem Dach des „Common Core of European Private Law“ durchführte und deren Ergebnisse sie zusammen mit der Belgierin Prof. Dr. Geertrui van Overwalle (KU Leuwen), der Kanadierin Prof. Dr. Lucie Guibault (ehemals IVIR Amsterdam, seit 2015 Dalhousie Canada) und dem Briten Prof. Dr. Deryck Beyleveld in dem gleichnamigen Band 2022 vorlegte, erschienen im renommierten Intersentia Verlag (ISBN 978-1-83970-230-3). Die Studie umfasst 16 Jurisdiktionen. Zu aktuellen Forschungsprojekten von Prof. Dr. Godt lesen Sie <hier> ,von Dr. Chege <hier>, von Prof. Dr. Rott <hier>; von Prof. Dr. Glinski <hier>,
Regionale Verankerung: Hanse Law School Praxisbeirat
Eine weitere Besonderheit zeichnet die Hanse Law School aus: Die enge Verbundenheit mit der Region, die durch den HLS-Praxisbeirat institutionalisiert ist. Langjähriger Vorsitzender ist Bernd Seifert, Geschäftsführer IHK Oldenburg, Ressort Recht und Steuern. Dieses Gremium berät die Hanse Law School in Praxisfragen: Es gibt Impulse für die inhaltliche Ausrichtung der HLS und die Außendarstellung; es unterstützt bei Veranstaltungen und Drittmittel-Initiativen; vermittelt Dozenten und unterstützt Praktikanten sowie Absolventen. Weitere Mitglieder sind Christoph Kolpatzik (Justiziar bei der EWE), Franz Nieder (Rechtsanwalt), Anke van der Hove (Präsidentin OLG Oldenburg), Karlheinz Heidemeyer (ehem. IHK Bremen), Imke Nassiri (Justiziarin, Contract Manager bei Skyborn Renewables, Absolventin Hanse Law School).
Absolventen der Hanse Law School
Den Absolventen der Hanse Law School stehen viele Wege offen. Mit den internationalen Profil finden viele Absolventen direkt Anstellungen in (nationalen) Unternehmen mit internationalem Geschäft, internationalen Unternehmen und Unternehmensverbänden. Hanse Law School Absolventen sind beschäftigt beim Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission, bei Bundesministerien und im diplomatischen Dienst, bei Landesbehörden, spezialisierten Großkanzleien, internationalen Organisationen. Viele finden auch ihren Weg in die Wissenschaft. Diejenigen, die sich während des Studiums doch für ein „klassisches“ Berufsbild entscheiden (Rechtsanwalt, Richter, Staatsanwalt), können problemlos in den Staatsexamensstudiengang wechseln.
Literatur über die Hanse Law School
Die im Rahmen des Workshops „The Transsystemic Method Re-visited: Comparative Law in a Modern Curriculum“, organisiert von Prof. Godt (UOL) und Prof. Ciacchi (RUG) an der Universität Oldenburg am 20./21. November 2025, präsentierten Beiträge werden 2027 in einer Sonderausgabe des European Journal of Comparative Law and Governance zum Thema „The Transsystemic Method Re-visited: Comparative Law in Modern Curricula“ veröffentlicht.