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Kunstpädagogische Positionen Ringvorlesung WS 09/10

Ringvorlesung Kunstpädagogische Positionen WS 09/10

Eva Sturm

Di, 18:00 - 20:00
Raum: A08 0-001

Die Geschichte der Kunstpädagogik kann bis heute als ein Neben-, Nach-, Gegen- und Miteinander von Einzelpositionen und Bewegungen erzählt werden, die sich gegenseitig beeinflussen, durchdringen, ausschließen, einander aufgreifen, ergänzen, und auf die eine oder andere Art wiederholen. In der Ringvorlesung wird versucht, solche Tendenz forschend aufzuzeigen. Dazu werden verschiedene Protagonistinnen und Protagonisten gebeten, ihre Positionen darzulegen und die eigene Tätigkeit/das eigene Denken in Kontexte, an denen sie teilnehmen und teilgenommen haben, einzuschreiben. Manche der Sprecherinnen und Sprecher werden dabei näher, manche weiter entfernt sein von Vermittlung, Didaktik, Bildungsarbeit und/oder Kunst. Die Hoffnung lautet, dass sich im Laufe der Zeit zeigen wird, wie komplex und vielfältig die Erstellung einer kunstpädagogischen Landkarte wäre, wie unterschiedlich die Bildungs- und Kunstbezüge, wie vielfach die Verortungen und die theoretischen Bezugssysteme sind.

20.10.09 Prof. Dr. Gert Selle

Gründe und Gegengründe Kunstpädagogik zu lehren oder zu studieren

Gert Selle wird sich mit der ihm eigenen Skepsis zum Sinn oder Unsinn
kunstpädagogischer Praxis äußern und an die Geschichte des
Ästhetischen Projekts in Oldenburg erinnern.

27.10.09 Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini !! Veranstaltung beginnt erst um 19:00 Uhr!!

Sehnsucht der Berührung und Aggressivität des Blicks

Kunstvermittlung und Kunstpädagogik befinden sich strukturell zwischen
den genannten Polen. Das lässt sich nicht lösen. Hier kommt die Funktion "Vermittler" und "Lehrer" ins Spiel.

03.11.09 Prof Dr. Pierangelo Maset

Kunstvermittlung zwischen Anpassung und Widerständigkeit

Entgegen der aktuellen Tendenz, im Rahmen der Kompetenzorientierung
die didaktischen Fächer zu Kontrollinstrumenten umzubauen, soll die
differenzielle Rolle einer Version von Kunstvermittlung deutlich
gemacht werden, die weder dem Kunstmarkt noch dem Pädagogik- Mainstream folgen will und randständige Fluchtlinien bildet.

10.11.09 entfällt

17.11.09 Prof. Dr. Helmut Hartwig

Zum Medienoptimismus der Visuellen Kommunikation

Mit VK trat in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ein pädagogisches Konzept mit allgemein-gesellschaftlichem Anspruch auf. Die Konferenzen und Medien, in denen es sich artikulierte, zeigen, dass der aus dem Kontext und der Kritik an „Kunstpädagogik“ hervorgegangene Diskurs über diesen Horizont hinaus Zustimmung erhielt. Über diese Situation will ich informieren. Im Zentrum des Konzeptes VK stand der Anspruch auf „Kommunikation“. Mit diesem Leitbegriff reagierten Theoretiker auf die Zumutungen der Massenmedien. Fernsehen und Werbung in jeder Form wurden Gegenstand kritischer Reflexion und praktischer Kritik(-versuche). Der Bezug auf Kunst trat in Theorie und Praxis in den Hintergrund, und phasenweise galt  KUNST in ihren konkreten Erscheinungen wie ihrem Begriff als Ideologieträger erster Ordnung.

Im Laufe der 90er Jahre kam mit den Stichworten „Partizipation“ und „Interaktion“ neue Schlagworte auf, unter deren Ansprüchen sich innerhalb der Kunstsphäre neue (interaktive) Praxisformen herausbildeten. Gleichzeitig kam es zu massiven Angriffe gegen den Kommunikationsbegriff. Mario Perniola schreibt „Wider die Kommunikation“ (Merve Berlin 2oo5) und Robert Pfaller schreibt im Rahmen seiner „Ästhetik der Interpassivität“ (Hamburg Philo Fine Arts 2008) „Gegen Partizipation“.

In meinem Vortrag möchte ich die angedeutete Traditionslinie nachzeichnen und – gewissermaßen auch - als betroffener Zeitzeuge - mit den aktuellen kritischen Impulsen im Rücken die aufklärerischen Ansprüche der Visuellen Kommunikation überprüfen.

 

24.11.09 Prof. Dr. Maria Peters

Kompetenzorientierte Existenzexperimente? Möglichkeiten und Grenzen der Kompetenzorientierung in der Kunstpädagogik

Es geht um die kritische Reflexion neuer Wege der Kompetenzorientierung in einer Kunstpädagogik, deren Selbstverständnis von künstlerischen Denkweisen, Verfahren, und Methoden geprägt ist. Am Beispiel der künstlerischen Transformationen, die zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler in Bezug auf die ästhetischen Existenzexperimente des Künstlers Bas Jan Ader vornehmen, werden zunächst künstlerische Strategien vorgestellt, die sich modellhaft auf kunstpädagogische Bildungsprozesse übertragen lassen. Der Kunstunterricht wird dann zu einer Praxis, bei der Lernende zu künstlerisch Handelnden werden. Vor dem Hintergrund aktueller Bildungsdebatten sollen die dabei entstehen komplexen ästhetischen Erfahrungs- und Handlungsformen auf die Möglichkeiten und Grenzen kompetenzorientierter und individualisierter Lehr- und Lernprozesse hin befragt werden.

 

01.12.09 Prof. Dr. Helga Kämpf-Jansen

Aktuelle Aspekte zur Diskussion des Konzepts Ästhetische Forschung

Das Konzept der Ästhetischen Forschung ist ein überaus komplexes Konzept mit dem Anspruch, Kunst und künstlerische Praxis, Wissenschaft und Alltagserfahrung in ihrer gegenseitigen Vernetzung für ästhetische Lern- bzw. Erfahrungsprozesse produktiv zu machen. Sowohl aus dem Bereich der kunstpädagogischen Ausbildung als auch der ästhetischen Bildung in der Schule gibt es vielerlei Erfahrungen, von denen aus eine aktuelle Einschätzung sowie ein Blick in die Zukunft der Kunstpädagogik gegeben werden kann.

08.12.09 Dr. Christine Heil

Beobachten, verschieben, provozieren. Ethnografische und künstlerische Zugänge zu kunstpädagogischen Feldern.

Ethnografien sind Beschreibungen von "kleinen Lebenswelten". Beforscht
werden fremde Kulturen oder auch die zu befremdende eigene Kultur mit
ihren kulturellen und sozialen Praktiken. Forschungsfelder im Kontext
der Kunstpädagogik können Kunstunterricht an der Schule, das
Kunstpädagogik-Seminar an der Hochschule oder die Führung im Museum
sein.
Ethnografische Forschungsmethoden zeichnen sich durch die teilnehmende
Beobachtung im Feld aus. Dabei muss der Forscher oder die Forscherin
den subjektiven Blick gezielt zulassen und produktiv machen. Hier kann
aktuelle Kunst neue Forschungswege und Dokumentationsformen aufzeigen,
die oft näher an eine kunstpädagogische Forschungsfrage heranreichen
als ausschließlich gängige Methoden der qualitativen Sozialforschung.
Es könnte sogar sein, dass künstlerische Praxen erst Zugang zu
bestimmten Anteilen des beobachteten kunstpädagogischen Feldes
zulassen. So greifen Formen aktueller Kunst, wie die Kartierung,
bewusst forschende Methoden auf, oder es bedarf der Performance, um
die Erzeugung von Anschlüssen zu provozieren.


15.12.09 Dr. Andrea Sabisch

Bildfindungen - Zwischen Text und Bild

Obwohl Text und Bild sehr ungleichartige Darstellungsmöglichkeiten und
Kommunikationsformen repräsentieren, gibt es wenig, was sie voneinander
trennt. Nur selten erscheinen sie einzeln und nicht erst im digitalen
Zeitalter gehen sie ungeahnte Koalitionen miteinander ein. Während die
Schule jedoch immer noch der schriftlichen Kommunikation und der
Alphabetisierung den Vorrang gibt, hat die visuelle Kommunikation
derzeit Hochkonjunktur. Eine so genannte »tragende Optik« bestimmt
gegenwärtig auch literarische Domänen von den großen Erzählungen bis hin
zu wissenschaftlichen Arbeiten und Schulbüchern.
Aber welche verschiedenartigen Kompositionen aus Text und Bild lassen
sich herstellen? Wie wird ein literarischer Stoff zu einer
Bilderzählung? Wie illustriert man Texte und wie kommentiert man sie
visuell? Welche intertextuellen und intervisuellen Relationen werden
Bilderbücher gezeigt? Wie steuern Text-Bild-Gefüge unsere
Aufmerksamkeit? Wie beleben Sie unsere Imagination und wie generieren
sie Bedeutung?

05.01.09 Prof. Dr. Eva Sturm

Überraschende Bilder. Arbeiten mit dem, was sich zeigt in kunstpädagogischen und Kunstvermittlungs-Zusammenhängen. Oder: Wiederholung und Differenz in der kunstbezogenen Bildungsarbeit

Anhand der Arbeit einer Kunstpädagogin an einem Gymnasium in Menden und mit Blick auf das Vorgehen in einer Berliner Kunstschule wird die These aufgestellt, dass das Arbeiten mit und in Folge von Überraschungen grundsätzlich Wert hat und dass das Auftauchen von unvorhersehbaren Ereignissen im Zusammenhang mit Kunst wahrscheinlich ist. Meine Überzeugung ist, dass KunstpädagogInnen und KunstvermittlerInnen darin trainiert werden sollten, auf Überraschungen und auf das Unvorhersehbare gefasst zu sein, um selbige/s potentiell produktiv werden zu lassen. Die zweite These lautet, dass solches Arbeiten gegen Vorgehensweisen gerichtet ist, die sich für die Kontrolle von Geschehnissen interessieren und die daher weniger auf die Differenz in der Wiederholung, denn auf die Wiederholung des Immergleichen aus sind. So könnte es im kunstbezogenen Bildungsarbeiten nicht um ein Vorgehen strikt nach Plan gehen, sondern um ein Arbeiten mit dem was sich je spezifisch zeigt.

12.01.09 Bernhard Balkenhol

in Kunst, um Kunst und um Kunst herum

Kunst – zumindest seit der Moderne, soweit sie nicht im Dienst von
Politik oder Kommerz steht – kennt keine Aufgabenstellungen, kein
„richtig“ und „falsch“ und auch keine Erziehungs- oder Bildungsziele.
ihr Kunst tritt meist elitär auf, ihre Rezeption schwierig und nicht
einheitlich, ihr Wert fiktiv. Kunstwerke haben außerdem – im
Vergleich zu Bildern der Medienkultur – nur marginale
gesellschaftliche Wirkungen. Was hat Kunst dann in der Schule zu
suchen? Was davon und wie kann man daran/damit lehren und lernen?
Oder sollte „Kunst“ nicht besser ersetzt werden durch „Medien“, der/
die „Künstler/in“ (Schüler/in) durch „Medienkunde“?
Die „Didaktik der Visuellen Kommunikation“ hatte sich diese Fragen
schon in den 70er Jahren gestellt und daraus abgeleitet, dass Kunst
gestrichen und durch das Fach „Visuelle Kommunikation“ ersetzt werden
solle. Ziel war die (politische) Aufklärung der Schüler/innen,
Aufklärung über die Arbeits- und Wirkungsweisen von visueller
Kommunikation (und auch Kunst), über die Machtverhältnisse, in die
sie eingebunden ist und die sie selber schafft. Der letztgenannte
Focus hat ihr das Genick gebrochen, denn dieses politische
Selbstverständnis hat sie für die Schule verboten gemacht. Unter der
Maßgabe von Erziehung und Bildung entwickelte sich Aufklärung bis
heute zu einem (bestenfalls) gut animierten Spiel für die Erarbeitung
von – jetzt messbaren – „Kompetenzen“, die Kunst-Unterricht und sein
Gegenstand operationalisierbar machen.
Lässt sich das tatsächlich mit „Kunst“ machen oder ist ihre inhärente
Inkompatibilität eine Chance, aus den Animationsregeln auszubrechen?

19.01.09 Prof. Dr. Heidrun Richter

Kunsterziehung in der DDR: ein frauenspezifisches Fach zwischen
ideologischer Anpassung, Verweigerung und Innovation

Die kunstpädagogische Wirklichkeit in der DDR war - wie ihre Kunst -
komplizierter und differenzierter als sie später oftmals nur verkürzt
dargestellt wurde und sie kannte in den 40 Jahren ihrer Entwicklung
nicht nur Niederlagen und Irrtümer.Der Vortrag will zeigen, wie das
Fach Kunsterziehung seine Entwicklung zwischen "Enge und Vielfalt"
genommen und das Konzept vom "kunstgemäßen Unterricht" hervorgebracht
hat und damit auch KunsterzieherInnen mit anderen fachlichen
Sichtweisen, spezifischen künstlerischen und kulturellen
Erfahrungszusammenhängen, mit anderen Bild-, Wirklichkeits- und
Wertvorstellungen, die ihren Weg in das "weite Feld" des Konzepts der
ästhetischen Erziehung/Bildung erfolgreich genommen haben.

26.01.09 Prof. Carmen Mörsch

Kunstvermittlung auf der documenta 12 zwischen kritischer Praxis
und Dienstleistung

Der Beitrag stellt den Anspruch und Kontext sowie die Methoden, Inhalte und Ergebnisse des Forschungsprojektes zur Kunstvermittlung auf der documenta 12 vor.
Anhand der dabei entstandenen zweibändigen Publikation mit DVD werden Möglichkeiten von Darstellungsweisen in diesem Forschungsfeld beleuchtet und auch deren Grenzen problematisiert. Abschliessend wird ein erster Rückblick auf die bis dahin erfolgte Rezeption und Rückschlüsse auf die Effekte dieses Projektes auf das Arbeitsfeld der Kunstvermittlung diskutiert.

02.02.09 Prüfung

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