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Abstracts

Fibel, Film, Affektbild. Medien der Bildung

Audiovisual Film Studies Workshop

In filmvermittelnden Filmen, künstlerischen Found-Footage Arbeiten und (seit einigen Jahren) online publizierten Video- Essays werden Filme auf eine Art und Weise betrachtet, die deutlich über die Grenzen traditioneller Textanalyse hinausgeht. Der Workshop bietet einen Überblick über die Geschichte und die Formen audiovisueller Filmanalyse. Zugleich werden Anwendungsmöglichkeiten von Video-Essays in der Filmvermittlung diskutiert.
Michael Baute (Berlin) / Entuziazm – Freunde der Vermittlung von Film und Text e. V.

Film als Medium der Kindheit

Seit der Frühzeit des Kinos ist Kindheit ein wiederkehrender Topos in filmtheoretischen und cinephilen Diskursen. Dabei wird ein breites Spektrum von Fragen berührt: zur Wirkung von Filmen in der Kindheit, zur Darstellung von Kindern in Filme, aber auch zur spezifischen Medialität und Ästhetik des Films. Dieser komplexe Zusammenhang wird in seinen theoretischen Dimensionen skizziert und beispielhaft an einer Forschungsarbeit zur  Filmezeption in französischen Filmbildungsprojekten diskutiert.
Perrine Boutin (Paris) / Bettina Henzler (Bremen)

Schrift – Medialität – Bildung

Die Etablierung und Ausdifferenzierung des autonomen Erziehungs- und Bildungssystems in der Moderne ist eng mit der skripturalen Kultur und den Medien der »Gutenberg- Galaxis«, wie der Lesefibel und dem Buch, verbunden. Aber auch mit dem Aufkommen der neuen Medien des 20. Jahrhunderts, wie Film und Fernsehen, sowie den digitalen Medien des Computerzeitalters sind die Medien Schrift und Text weiterhin auf vielfältige Weise in der Medienlandschaft wie in Bildungsinstitutionen präsent (etwa im Web 2.0, in der Wiki-, Podcast- und Blogkultur).
Yvonne Ehrenspeck (Oldenburg)

Die Geburt der Filmkultur aus dem Geist der Avantgarde

Zwischen 1925 und 1935 ereignete sich in verschiedenen europäischen Ländern Außerordentliches: alternative Filmclubs erlebten ungeahnten Zulauf, Filmtheorie entstand auf breiter Front, Filmarchive wurden gegründet und Filmschulen nahmen den Betrieb auf. Im Kontext der europäischen Avantgarde-Bewegung wurde das Kino damit zum Subjekt wie zum Objekt von Bildung. Der Vortrag will einige der Kontexte skizzieren, die zu dieser bemerkenswerten Entwicklung geführt haben.
Malte Hagener (Marburg)

Counter-Stories. Ephemere Filme, Geschichte, Memory

Ausgehend von laufenden Forschungsprojekten präsentiert der Vortrag Erfahrungen mit dem Einsatz sogenannter ephemerer Filme (Amateurfilme, Werbefilme, Found Footage) auf unterschiedlichen Foren wie  Kino-Screenings, Website- Präsentationen oder innerhalb von Schulprojekten. Die systematische Sichtung, Erforschung und Präsentation solcher Filme geht von zwei Annahmen aus: von der höheren Wahrscheinlichkeit »realistischer« oder a-signifikanter Bildtypen und von der Aufforderung an das Publikum, eigenaktiv Synthesen zu bilden. Es steht das kritische Potential solcher Filme zur Disposition, den Sinn für die Pluralität historischer Zeiten im Sinne Reinhart Kosellecks zu schärfen.
Siegfried Mattl (Wien)

Film – Geschichte – Vermittlung. Ein Dreiecksverhältnis

Filmgeschichte erzählt die Geschichte des Films. Filmvermittlung hat eine Geschichte. Alain Bergalas Ansatz »Kino als Kunst« lässt sich zurückverfolgen bis zu Schiller. Dessen Ästhetische Erziehung reagiert auf Geschichte, die Gewalterfahrung in der Französischen Revolution. Vermittlung von Geschichte findet in Medien statt. Hayden White  beschreibt Geschichtswissenschaft als poetologisches Verfahren. Übertragen auf den Film erweitert sich diese Kritik, auf filmische, ikonologische und sonifikatorische Aspekte. Ausgehend von dieser Bestandsaufnahme lässt sich ein Dreiecksverhältnis Film – Geschichte – Vermittlung skizzieren.
Winfried Pauleit (Bremen)

Campus und Reform. Bildungsarchitekturen seit 1960

Universitäten sind auf Dauerreform eingestellt. Sie sind ständig damit beschäftigt, Studiengänge, Module und diverse Projekte zu entwickeln und zu reorganisieren. Schon die neugegründeten Campushochschulen der 1960er Jahre haben sich Reformuniversitäten genannt: Es ging um Interdisziplinarität zwischen Fächern, um Flexibilität in Bildungsbiografien, vor allem um Kommunikation, so das Zauberwort der Zeit. Davon zeugen auch die Architekturen: Überführungen verbinden Institute, Flure bilden Kreuzungen und Abzweigungen, hier öffnet sich einen Innenhof, dort könnte noch ein Bauteil angegliedert werden. Die heute ungeliebten Gebäude stehen noch – was ist von der Reform geblieben? Wie überhaupt ist der Zusammenhang zwischen Architektur und Bildungskonzepten zu denken?
Kathrin Peters (Oldenburg)

Schulen, Geister, Medien die »Spukversicherung«

Die Einführung neuer Medien war historisch immer wieder mit Geistererscheinungen verbunden. Mit der Verbreitung eines neuen Mediums verändern sich die kulturell kodierten Beziehungen von Körpern und Zeichen, Sendern und Empfängern, Anwesenheit und Abwesenheit. Damit verändern sich auch soziale Kontexte. Medial-okkulte Praktiken waren daher vielfach mit Prozessen des Empowerments verbunden: Gesellschaftlich marginalisierte Akteure konnten mittels einer Form der (Geister-)Kommunikation selbst die Stimme erheben. Vor diesem Hintergrund macht das Projekt »Die Spukversicherung« den Versuch, in vier Hamburger Schulen einen spielerischen Umgang mit Ortsgeistern zu implementieren.
Sibylle Peters (Hamburg)

Bildung zum Bösen in »Breaking Bad«

Für Schiller und Hegel war die Kunst die erste Lehrerin der Völker; für Deleuze löst das Kino die Poesie als erste Lehrerin unter den Künsten ab. Film und vor allem die neuen sogenannten Qualitätsfernsehserien eignen sich schon aufgrund ihrer Länge und Komplexität gut als Bildungsmedium. Die Serie »Breaking Bad« legt zudem die längst überfällige Frage nah: Gibt es eigentlich eine Bildung zum Bösen? Und wie geschieht sie unter modernen Bedingungen von Ambivalenz?
Olaf Sanders (Köln)

Zum Bildungspotenzial pädagogisch wertloser Medien

Die Pädagogik folgt nicht nur wegen ihres Leitmediums »Buch« dem Konzept der Linearität. Auch in ihren didaktischen Konzepten zeigt sich eine lineare Abfolge zwischen Lehrenden, den Inhalten und den Lernenden. Das Leitmedium dieser Konzeption ist die Lehr-Fibel. »Bilder« haben in der Buchkultur wie in der traditionellen Didaktik der Fibeln einen prekären Status, sie gelten mehrheitlich als »pädagogisch wertlos«. Ausgehend von Leon Battista Alberti soll im Vortrag eine Spur verfolgt werden, die bis zu aktuellen Game- Konsolen führt und dem Bildungspotenzial von »Bildern« einen aktuellen Zugang eröffnen könnte.
Sebastian Schädler (Berlin)

Living Archive. Archivarbeit als kuratorische oder filmvermittelnde Praxis

Im Normalfall stehen Filmarchive lediglich professionellen FilmarbeiterInnen offen. Kinder ins Archiv mitzunehmen bedeutet, ihnen Zugang zu einem schulisch unerforschten Terrain zu verschaffen. Durch den direkten Materialkontakt entdecken Kinder Filmgeschichte auf affektive Weise. Im Archiv können sie außerdem Filme zur Sichtung auswählen, sodass sich der Fokus von Filmvermittlung verschiebt: weg vom kuratierten Filmprogramm, hin zu einer Filmauswahl, die der Neugierde der Kinder folgt. Der Vortrag geht Fragen des Kuratierens und Vermittelns im Filmarchiv nach.
Stefanie Schlüter (Berlin) / Entuziazm – Freunde der Vermittlung von Film und Text e. V.

Verwicklungen. Bildende Kunst und / als mediale Vermittlung

Bildende Kunst ist kein Medium, aber sie bedient sich der Medien, um …, um was? Wie Kunst dasjenige tut, über das man sich erst einigen müsste, ist in jedem Fall medienanalytisch, also notwendigerweise sich selbst reflektierend. Das allein hat bildende Wirkungen. Wie dieser Umstand zu denken ist, wird an Beispielen untersucht.
Eva Sturm (Oldenburg)

Von medialen Bildungswelten und Lernmaschinen

Frühe Medientheorie und Kybernetik haben verschiedene Entwürfe medialer Lernwelten vorgelegt und quasi das Ende von Schule und Ausbildung diagnostiziert. Der Vortrag will zeigen, dass hier bereits ein umfassender Lernbegriff auftaucht, der die ganzheitlichen Lernkonzepte der Mediengesellschaft (v. a. Lebenslanges Lernen) vorwegnimmt: Schon Marshall McLuhan sprach davon, in Zeiten der Automation müsse man nichts weniger als das Leben erlernen. Seit ihren Anfängen ist Medientheorie darum eine Theorie des Lernens.
Anna Tuschling (Bochum)

Experimentalfilme als filmvermittelnde Filme

Es gibt eine Vielzahl von Filmen, die sich in einer reflexiven Geste auf die Geschichte, Technik und Ästhetik des Films beziehen. Diese Filme kann man als filmvermittelnd verstehen. Die Liste der filmvermittelnden Filme reicht dann von dokumentarischen Formen, über DVD-Features bis hin zu künstlerischen Videoarbeiten. Mein Vortrag konzentriert sich auf den Experimentalfilm und geht an einigen Beispielen den Fragen nach wie Experimentalfilme Film vermitteln bzw. wie sie in der Filmvermittlung / Filmdidaktik eingesetzt werden können; insbesondere in einer Filmvermittlung, die an der ästhetischen Bildung ihrer Adressaten interessiert ist.
Manuel Zahn (Hamburg)

Weufzlbmaster (zop4bie.wegenbier@u6atjrol.de/z0pg) (Stand: 21.08.2020)