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Ann-Kristin Reinkenhoff (Notsekretariat)

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Das Sekretariat ist aktuell Di 10-12, Mi 10-12 und Do 10-12 telefonisch zu erreichen. Grundsätzlich bitten wir aber um Kontaktaufnahme per Mail und bei dringenden Anliegen an ann-kristin.reinkenhoff@uni-oldenburg.de

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Tel.: +49-(0)441-798-2653
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A02-3-325

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät III - Sprach- und Kulturwissenschaften
Institut für Materielle Kultur
Ammerländer Heerstr. 114-118
26129 Oldenburg

Archäologisches Museum Istanbul

Auszug eines Exkursionsberichts


Im Gülhane Park, mitten in der Altstadt Istanbuls, liegt das Archäologische Museum, zu dem Astrid Claaßen und ich das erste Kurzreferat des Tages halten. Das Museum zählt zu den größten und bedeutendsten Museen der Stadt und wurde im Jahr 1891 eröffnet.
Museumsgründer war der Maler und Archäologe Osman Hamdi Bey, zu dessen Leben und Wirken Cathrin Janke in einem kurzen Vortrag informiert. Das neoklassizistische Bauwerk wurde schon damals als Museum konzipiert; vor allem auch, um darin die Sarkophage aus einer Grabungskampagne in der königlichen Nekropole in Sidon auszustellen, an der Osman Handi Bey im Jahr 1878 selber teilgenommen hatte. Das Museum besteht aus drei Teilmuseen, darunter das eigentliche archäologische Museum, das Museum für altorientalische Kunst und das Museum für Islamische Kunst/Fayencen-Museum.
Die Sammlungen des Museums beherbergen ca. 15 000 archäologische Fundstücke aus Mesopotamien, aus der assyrischen, sumerischen, akkadischen, babylonischen und ägyptischen Antike, dem prä- und frühgriechischen Anatolien sowie aus der vor-islamischen und islamisch-arabischen Kultur. Das Prunkstück der Ausstellung, für das das Museum auch hauptsächlich gebaut wurde, ist der berühmte Alexandersarkophag, dessen Form in der Gestaltung der Außenfassade des Museums aufgenommen wurde.
Ich konzentriere mich in der knappen Besuchszeit von zwei Stunden auf das archäologische Museum. In den ersten Räumen nach der Kasse werden die Prunkstücke der Sammlung ausgestellt: die Grabungsfunde aus der Nekropole in Sidon. Die Räume sind schlauchförmig und gehen ineinander über, hauptsächlich werden Sarkophage ausgestellt, aber auch andere Keramikfunde und eine mumifizierte Leiche sind zu sehen. Die Räume, die die Funde aus Sidon beinhalten, sind alle abgedunkelt, um die Objekte nicht zu beschädigen. Fast königlich erscheint der rote Teppichboden, auf dem man leise und ehrfurchtsvoll durch die Ausstellung geht. Die insgesamt dunkle Atmosphäre der Räume begünstigt die Hervorhebung der einzelnen, großen Sarkophage, die mit Spotlights ausgeleuchtet sind. Man bekommt fast den Eindruck, man habe eine heilige Stätte betreten. Texttafeln informieren zu Beginn der Räumlichkeiten über den Komplex Sidon, zudem finden sich einzelne, wenn auch lückenhafte Beschriftungen an jedem der Objekte (statt Information: oft Verweis auf die Katalognummer des Objekts!). In einem den "Sidon-Räumen" zwischengeschalteten Treppenhaus, das aufgrund der Nüchternheit und Helligkeit so gar nicht in die Atmosphäre der umgebenden Räumlichkeiten zu passen scheint, wird über den Ausgräber und Museumsgründer Osman Hamdi Bey informiert.

Objektanalyse nach Jana Scholze - Die Mumie

Im ersten Raum dieses Ausstellungsteils denke ich sofort, dass der Sarkophag, den ich zuerst zu Gesicht bekomme, der berühmte Alexander-Sarkophag sein muss. Doch der Eindruck täuscht, es handelt sich um einen nicht weiter erläuterten lyzischen Sarkophag aus Marmor (Ende 5. Jh. v. Chr.), der ebenfalls in der Nekropole gefunden wurde und sehr pompös inszeniert ist. Vor ihm liegt aufgebahrt eine mumifizierte Leiche. Aufgrund der fehlenden Objektbeschriftung erfährt der Besucher nichts über die Maße des toten Körpers, er hat aber wohl eine ungefähre Größe von 1,60m. Die vormuseale Funktion dieses "Objektes" ist nicht leicht festzumachen, da es sich bei der Mumie ja nicht um ein Gebrauchsobjekt im engeren Sinne handelt, sondern um ein (vormals) bestattetes Subjekt, um einen toten Menschen. Da die Person nicht identifizierbar und keiner Herrscherpersönlichkeit aus Sidon zuzuordnen ist, kann im Grunde nicht viel mehr über sie ausgesagt werden, als dass es sich höchstwahrscheinlich um eine bedeutende Person eines dort beigesetzen Herrscherhauses handeln muss.
Die ausgestellte Mumie liegt in paralleler Ausrichtung und in etwa zwei Metern Entfernung vor dem o.g. lyzischen Sarkophag aus dem 5. Jh. v. Chr. aufgebahrt. Sie ist - genauso wie die anderen Ausstellungsobjekte des Raumes - in der königlichen Nekropole von Sidon ausgegraben und dann von Osman Hamdi Bey in das Archäologische Museum Istanbul überführt worden. Der Zustand der Leiche ist passabel - erhalten sind vor allem die Knochen des Toten, an denen teilweise noch Überreste der Haut zu erkennen sind (z.B. an den Beinen). Durch die inszenierte Anordnung in Bezug auf den dahinter stehenden (übrigens: eingezäunten) Sarkophag kann der Besucher den Eindruck gewinnen, es handele sich hierbei um die Leiche, die in diesem Sarkophag gefunden wurde. Dies kann ich nicht verifizieren, aber aufgrund der Inszenierung kann sich dieser Eindruck beim Besucher durchaus manifestieren. Dargestellt wird stellvertretend anhand der Mumie der Begräbniszusammenhang, in dem die Funde gemacht wurden. Außerdem kann man davon ausgehen, dass eine Leiche direkt am Anfang der Ausstellung dem Besucher den nötigen Respekt vor den Objekten einflößen soll.
Die Leiche wird somit instrumentalisiert. Mit der Zurschaustellung einer Leiche positioniert sich das Museum in seinen ethischen Ansichten deutlich. Viele Museen würden vielleicht aus Pietät darauf verzichten, einen Toten auszustellen. Da das Archäologische Museum Istanbul dies jedoch tut, sagt es mit der Inszenierung auch etwas über die ethischen Ansichten, die im Haus herrschen, aus. Der Ausstellungsbereich mit den Funden zu Sidon scheint dem Museum immer noch als so überaus wichtig für seine Repräsentation, dass es zu diesem drastischen Mittel greift, um dem Besucher deutlich zu machen, welches Prestigestreben das Haus auch heute noch verfolgt und anhand welcher Objekte es sich vornehmlich legitimiert. Und das mehr als 100 Jahre nach Osman Hamdi Bey.

Ich gehe weiter durch die Räume des Untergeschosses. Der Alexandersarkophag folgt schließlich als Höhepunkt der Inszenierung der Objekte aus Sidon. Er steht in einem Raum zusammen mit drei nicht näher benannten, unverzierten Sarkophagen und dem sog. "Klagefrauen-Sarkophag". Man sieht noch Reste von Farbspuren auf den Reliefs des ALexandersarkophages. Sie zeigen verschiedene Szenen aus dem Leben des Alexander. Die Rekonstruktion einer auf dem Sarkophag abgebildeten Szene sowie ein erläuternder Text auf einer seitlich angebrachten Informationstafel verdeutlicht dem Besucher die ehemalige Farbigkeit des Reliefs. Der gesamte Sarkophag liegt auf einem marmornen Sockel, er ist geschützt durch eine riesige, das gesamte Objekt umschließende Plexiglashülle. Die Objektbeschreibung ist sehr mager gehalten und man wird auch hier - beim geradezu wichtigsten Objekt des Hauses - auf den Katalogtext verwiesen. Der Besucher bleibt gezwungenermaßen auf Distanz zum Objekt.

Webmff4jyastqf4xer7awme (s.mallomrn@uol.de) (Stand: 25.08.2020)