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Ann-Kristin Reinkenhoff (Notsekretariat)

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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät III - Sprach- und Kulturwissenschaften
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Hagia Sophia

Auszug eines Exkursionsberichts


Der Mittwoch führte uns zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Istanbuls, der Hagia Sophia, einer ehemals byzantinischen Kirche, die zur Moschee umgewandelt und schließlich unter Atatürk zum Profanbau und Museum wurde. Die Kuppelbasilika hat seit ihrer Gründung im 4. Jahrhundert verschiedenste Umbau- und Änderungsmaßnahmen erlebt. Nicht nur durch die Umwandlung von Kirche in Moschee, sondern auch zu verschiedenen anderen Zeitperioden. Die wichtigsten Phasen dieser Entwicklungen wurden in einem Referat vor dem Gebäude erläutert.

Betritt man das Innere, den Hauptraum der Hagia Sophia, so fällt einem ein scheinbar willkürlicher Mix von Stilelementen und religiöser Symbolik auf. Ein sehr auffälliges Beispiel dafür bietet ein Blick zur Endseite des Hauptschiffes. Hier dienen auf halber Höhe zwei große schwarze Kreise mit arabischen Inschriften in Gold, die scheinbar einfach vor jeglichem anderen Dekor an der Wand befestigt wurden, als Blickfang. Betrachtet man nun die restliche Wand bis zur Decke, so fällt auf, dass mittig und direkt oberhalb der Scheiben ein Mosaik sitzt, das Maria mit Kind abbildet.

Ähnliche Gegensätze lassen sich überall in der Hagia Sophia entdecken. Während ihrer Umwandelung zu einem Museum wurde ein Großteil der nicht oder zumindest nicht völlig zerstörten Mosaike wieder freigelegt, um einen Teil der früheren Dekorationen dem Besucher zugänglich und den ursprünglichen Kirchenraum wieder erlebbar zu machen, zu machen. Dabei musste allerdings beachtet werden, dass keine der muslimischen Einbauten oder Dekorelemente zerstört wurden. An einigen Stellen, wurden - auch aufgrund von Protesten der Bevölkerung - Kompromisse geschlossen. So beispielsweise bei den vier Engeln in den Pendentifs der Hauthalle. Ihre Gesichter wurden aufgrund des muslimischen Abbildungsverbotes, schwarz übertüncht. Heute lässt sich dies noch bei drei Engeln erkennen, beim vierten wurde es rückgängig gemacht, weshalb ihn wieder ein menschliches Gesicht ziert.

Neben christlichen und islamischen Elementen, finden sich allerdings auch "Hinterlassenschaften" anderer Kulturen. Auf einer der Steinbrüstungen der Empore hat sich ein Wikinger im 9. Jahrhundert in Runenschrift verewigt. Im Eingangsbereich der Haupthalle finden sich rechts und links je ein großes Steingefäß, die als Beute aus griechischen Tempeln nach Istanbul gelangten.

Sie gehören auch zu den wenigen Objekten, die eine Beschriftung aufweisen, die sie erklärt. Derartige Objekttafeln befinden sich nur bei speziellen Gegenständen oder Einbauten, wie etwa die Bibliothek auf der Empore. Zudem werden noch einige der byzantinischen Mosaike beschrieben, während ein Großteil der Dekoration und Verzierungen, wie etwas die Engel, ohne direkte Erklärung bleiben.

Im Eingangsbereich befinden sich ebenfalls großformatige Texttafeln, die anhand von Bildern, verschiedene Bauphasen und Dekorelemente kurz erklären. Wegen des starken Besucherstromes, der ins Innere, den Hauptraum, drängt, erweist es sich allerdings als schwierig diese komplett zu lesen. Zudem werden sie, durch die dank der offenen Türen sichtbaren Eindrücke aus dem dunkel und atmosphärisch gehaltenen Inneren überlagert, die geradezu magische Anziehungskräfte auf den Besucher auszuüben scheinen.

Auf der Empore trifft man zudem auf etwas sehr überraschendes. Auf der linken Seite, kurz vor dem Gang, der wieder hinab zum Ausgang führt, befindet sich eine Fotoausstellung. Großformatige Hochglanzbilder, auf denen verschiedene Dekorationsszenen aus dem Inneren der Hagia Sophia abgebildet sind. Dazu gibt es auf weiteren Tafeln erläuternde Texte. Das besondere dieser Texte, die wie auch alle weiteren, in türkisch und englisch abgefasst sind, sind ihre überaus umfangreichen Quellen- bzw. Literaturangaben, die man in dieser Form eigentlich nur bei wissenschaftlichen Publikationen, wie Aufsätzen oder Monographien antrifft.

Während des Referats wurden vor dem Betreten der Hagia Sophia auch die Gründe besprochen, die Atatürk veranlassten, die Umwandlung zu einem Museum zu vollziehen. Sein Schwerpunkt lag dabei auf dem Bestreben eine allgemeine türkische Kultur zu erkennbar zu machen, also eine nationale Identität zu schaffen, was, wie Macdonald so ausführlich beschrieben hat, in einem Museum sehr gut gelingen kann.

Durch die Betonung und das Erkennbarmachen der verschiedenen Bau- und Nutzungsphasen, sollten der Bevölkerung ihre verschiedenen kulturellen Wurzeln vor Augen geführt werden. Die gleichzeitige Säkularisierung folgte dabei der strengen Trennung von Staat und Kirche unter Atatürk. Zudem wird hierdurch nicht die rein religiöse Geschichte, sondern vielmehr die kunsthistorische Bedeutung der Hagia Sophia deutlich gemacht.

Diese Bestrebungen sind innerhalb der Hagia Sophia zumindest teilweise erkennbar. Wie bereits angesprochen, wird sehr viel Bemühen dafür aufgewendet, die verschiedenen Phasen der Nutzung des Gebäudes "bildlich" sichtbar zu machen. Und auch deren Änderungen innerhalb der verschiedenen zeitlichen, politischen und religiösen Kontexte. Diese Bestrebungen wären mit einer besseren Beschreibung allerdings vermutlich sinnvoller. Warum nur ein Engel ein Gesicht hat und die anderen drei nicht, ergab sich - für mich und meine Begleiterinnen - erst nach dem Lesen eines Führers. Auch bei anderen Elementen wie etwa den bunten Glasfenstern oder den schwarzen Scheiben mit der goldenen Aufschrift, wäre etwas mehr Information gerne gesehen.

Dennoch lassen sich meiner Meinung nach hier viele Einblicke in die kulturhistorische und auch die religiöse Geschichte Istanbuls gewinnen.

Man sollte allerdings auch erwähnen, dass es immer noch Bestrebungen innerhalb der Bevölkerung gibt, die Hagia Sophia wieder als Moschee nutzbar zu machen. So sind zumindest bestimmte Gebetsfeiern innerhalb seit kurzer Zeit wieder erlaubt, was allerdings zu dem eigentlichen Grundsatz einer Funktion über die Religion hinaus im Widerspruch steht. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Thematik weiterentwickelt.

Webmastp16grer (s.xr7mavillon@uo45l.de) (Stand: 25.08.2020)