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Miriam Kuhlmann

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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
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Hagia Sophia

Auszug eines Exkursionsberichts


Der Einstieg zum ersten Museum wurde mit einem Vortrag vor der Hagia Sophia eingeleitet, bei dem schon die Bezeichnung als Museum als Besonderheit zu betrachten ist, war dieses Gebäude nicht nur architektonisch außergewöhnlich zu dieser Zeit, sondern stets ein Ort unter stetigem Wandel während der verschiedenen Herrschaften der Stadt. Kirche, Moschee, Museum. So ist die Frage der Referentinnen ob die Hagia Sophia heute bewusst als Heterotopie als politisches Mittel umfunktioniert wurde sehr interessant und blieb während des Betretens im Hinterkopf. Neben unzähligen Besuchern, Sicherungsschranke wie an einem Flughafen und beachtlichen 20 Lira Eintritt, befand man sich nun im Hof mit archäologischen Fundstücken und einem Café. Beim Betreten erstreckte sich der große Raum mit der riesigen Kuppel und zahlreichen Besuchern. Zunächst fielen die vier Engelsdarstellungen an den Pendentifs aus orthodoxer Zeit auf, deren Gesichter während der islamischen Nutzung übermalt wurden und Eines im Rahmen der Kulturhauptstadt Istanbuls im Jahr 2010 freigelegt wurde. Für dieses Abbildungsverbot im Islam ließen sich weitere Beispiele finden, wie fehlende Ikonen, weitere Übermalungen und Umgestaltungen. Besonders interessant ist die auf einem freigelegten Mosaik aus dem 9. Jahrhundert, welches die Jungfrau mit Kind darstellt, vorhandene nicht ganz korrekte geometrische Perspektive. Dieser Umstand ist deshalb so interessant, da das Wissen um die Darstellung der Zentralperspektive in Europa nach der Antike durch die Verbreitung des Christentums quasi verloren ging und erst mit der Renaissance wiederentdeckt wurde. Wie verhielt es sich mit der Perspektivdarstellung im byzantinischen Reich? Dazu kommt eine gemalte Raumillusion an einer Wand auf der Höhe der Galerie, die jedoch nach einer klassischen Zentralperspektive korrekt dargestellt ist. Es wäre interessant zu wissen von wann diese ist und mit welchem Ziel sie angebracht wurde, erinnert dies doch stark an illusionistische Perspektivdarstellungen in klassizistischen Innenräumen. Ein andere Frage die sich mit dem Gang in die Galerie nach oben auftat, war, warum diese Gänge auf der einen Seite relativ breit waren und auf der anderen Seite nur eine minimale Steigung aufwiesen. In der Galerie befand sich nun auf der linken Seite eine Foto-ausstellung mit Fotografien aus dem Inneren der Hagia Sophia selbst. Dies allein ist schon verwunderlich genug, kann man doch mit einem Blick nach rechts die Abbildungen auf den Fotos mit eigenen Augen real erfahren. Nichtsdestotrotz kam es sogar dazu, dass einige Besucher diese Fotos nun mit ihren Kameras in akrobatischen Körperhaltungen ablichteten, was wie ein Angebot zur Unmündigkeit anmutete, welches erstaunenswerter Weise auch von einigen Personen angenommen wurde. Letztlich bleibt die Frage von Musealität und Sakralität offen, die Frage einer politisch motivierten Heterotopie um einer einseitigen Nutzung und deren möglicherweise politischen Verstimmungen und Auswirkungen aus dem Weg zu gehen fragwürdig, nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die Hagia Sophia mit etwa 2 Millionen Besuchern jährlich eine bedeutende Einnahmequelle für die Stadt Istanbul sein muss. Sie ist weder, auch wenn von einigen politischen Gruppierungen gefordert religiöser Raum, noch ein Museum im klassischen Sinne. Möglicherweise ist sie eine ungewollte Heterotopie, deren Auswirkungen man gerne in Kauf nimmt.

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