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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät III - Sprach- und Kulturwissenschaften
Institut für Materielle Kultur
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26129 Oldenburg

Hagia Sophia

Auszug eines Exkursionsberichts

Die Hagia Sophia ist auch heute noch ein Museum, und zwar ein sehr bekanntes. Mir wird beim Anblick der wartenden Besuchermassen vor dem Eingang sofort klar, dass der Besuch nicht so werden wird, wie ich es mir erhofft hatte. Zusammen mit dem Besucherstrom gelangen wir im Gedränge ins Innere der Hagia Sophia. Im Eingangsbereich erwarten uns tatsächlich einige Museumstafeln, die auf die Geschichte der Hagia Sophia hinweisen und z.B. historische Bilddokumente (Stiche, Malereien) des Gebäudes im Laufe der Zeit präsentieren. Im großen Hauptraum des Museums ist deutlich weniger "Museumsatmosphäre" zu spüren. Der Raum ist - tatsächlich ähnlich dem in einer Moschee - leer, an den Wänden finden sich aber deutliche Spuren der unterschiedlichen Nutzung des Gebäudes: Koransuren schmücken den Innenraum genauso wie christliche Mosaike aus oströmischer Zeit, die in der nachfolgenden muslimischen Periode teilweise übermalt wurden. Das Tageslicht, das durch die zahlreichen Fenster des Baus einfällt, erhellt den Raum zusammen mit den "überpräsenten", mit Glühbirnen bestückten, kreisrunden Leuchtern, die unmittelbar über den Köpfen der zahlreichen Besucher schweben. Ich habe mir vor dem Besuch der Hagia Sophia tatsächlich vorgestellt, man betrete nun einen - zumindest ehemals - sakralen Raum, dessen Aura man noch irgendwie spüren könnte. Vielleicht ein etwas naiver Gedanke, zugegeben. An dieser Stelle tritt aber eindeutig die Ernüchterung bei mir ein. Amüsant finde ich allerdings, dass sich sowohl einige Katzen wie Vögel die Hagia Sophia zum Verweilort auserkoren haben, schlafend liegen die Katzen im ehemaligen Altarraum, durch die Fenster fliegen Tauben ein und aus.
Zuletzt will ich doch noch einen Teil meiner romantisierenden Vorstellung zur Hagia Sophia retten und versuche, auf der Galerie etwas Bestimmtes zu finden: Ich weiß aus der skandinavistischen Fachliteratur, dass auf einem der Steingeländer der Galerie einige Runen (eine Art Runengraffiti) aus dem 9. Jh. eingeritzt sind. Tatsächlich finde ich die noch deutlich sichtbaren Zeugnisse aus der Wikingerzeit, die deutlich schwitzend unter einem Stück Plexiglas vor den Fingern der Besucher geschützt sind. Die Runenritzung stammt vielleicht von einem nordischen Reisenden, Händler oder sogar einem Mitglied der kaiserlichen Warägerwache von Byzanz, ist aber bis auf einen Namen ("alriki") nicht lesbar.
In einer kurzen Blitzlichtrunde schildern wir anschließend unsere Eindrücke zur Hagia Sophia. Wir sitzen in einer ehemaligen Madrasa am Ende einer verwinkelten Gasse unterhalb der ehemaligen Moschee, die mittlerweile als Kulturzentrum genutzt wird. Vielen ergeht es ähnlich wie mir, die Frage kommt auf, inwiefern der Bau noch als sakral zu bezeichnen ist. Die These von Carolin Krämer wird erneut aufgegriffen, inwiefern sich in der Hagia Sophia eine Heterotopie manifestiert, die als politisches Mittel eingesetzt wurde. Kann man letztlich eher fragen, ob der Bau vielleicht nicht erst unter Atatürk und mit der Umfunktionierung zum Museum 1938 als Heterotopie anzusprechen ist? Nicht erst zu der Zeit ist die Hagia Sophia ein Ort, der über aktuellen Debatten der Zeit steht, sie war vielmehr schon früher - als Moschee im Zeitalter der Säkularisierung - ein heterotoper Ort.

Webmaster (Stand: 10.09.2018)