Hagia Sophia Bericht 7

Hagia Sophia

Auszug eines Exkursionsberichts


Einst Hauptkirche des Oströmischen Reiches und anschließend Hauptmoschee Konstantinopels, wird die Hagia Sophia unter der Regierung Atatürks zum Museum erklärt und dementsprechend umgestaltet. Als eine der Touristenattraktionen Istanbuls muss sie heutzutage ungeheure Besuchermassen aufnehmen. Dies mag einer der Gründe sein, warum sie dem Anspruch, ein Museum zu sein, nicht ganz gerecht zu werden vermag. Im Gegensatz zu unserer Gruppe scheint ein Großteil der BesucherInnen die Hagia Sophia mithilfe eines Audioguides oder im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Ohne derartige Erschließungshilfen fällt mir die fehlende bis sparsame Beschriftung der Exponate bzw. der einzelnen Bestandteile des Riesenexponats Hagia Sophia als störend auf. Oft gelingt es mir daher nicht oder allenfalls eingeschränkt, die Exponate zu 'denotieren'. Darüber hinaus verzichtet das Museum nahezu vollends auf konnotative Richtungsweisungen oder -eingrenzungen. Durch die für ein Museum meist untypischen BesucherInnenströme kann ich mir viele Objekte nur ansehen, indem ich von anderen BesucherInnen dabei gestört werde oder/und indem ich sie in ihrer Betrachtung störe. Den stärksten Eindruck hinterlässt das Gebäude selbst - seine beeindruckenden Ausmaße, die Architektur und die Gestaltung des Innenbereichs.
Zurück bleibt das Gefühl, dass die Hagia Sophia nicht meinen Erwartungen und meinem bisherigen Verständnis eines 'Museums' entspricht. Das Nachempfinden ihrer ehemaligen Funktionen (in Hinblick auf Religionen, als Ort der Zusammenkunft und der Machtrepräsentation) scheint der kritischen Reflektion dieser Funktionen vorgeordnet.

(Stand: 20.04.2022)