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Miriam Kuhlmann

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Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät III - Sprach- und Kulturwissenschaften
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Ammerländer Heerstr. 114-118
26129 Oldenburg
 

Istanbul Modern

AUSZUG EINES EXKURSIONSBERICHTS


Auf das Istanbul Modern Museum bin ich aufgrund meiner Vorrecherche sehr gespannt. Nicht nur die Sonderausstellung, auch die Dauerausstellung soll in einem einjährigen Turnus neukonzipiert werden (im Museum erfahren wir, dass nicht die gesamte Ausstellung neu- oder überarbeitet wird, sondern lediglich einzelne Exponate ausgetauscht werden). Innen wie außen beeindruckt der mächtige Bau direkt am Bosporus nicht zuletzt durch den Anschein, bis in den kleinsten Winkel durchkonzipiert zu sein. Junge, dynamische Mitarbeiter gehen ihrer Arbeit für jedeN sichtbar in einem großen, komplett verglasten Büro nach. Von einem großzügig geschnittenen Raum mit Blick auf den Bosporus gelangen wir sowohl in die Dauer- wie auch in die Sonderausstellung im Untergeschoss.

Die Dauerausstellung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einen ganzheitlichen Überblick über die Entwicklung moderner und zeitgenössischer türkischer Kunst zu geben, bietet genug Informationen und Anreize für eine stundenlange oder sogar wiederholte Rezeption. Auffällig sind die umfangreichen Objekt- bzw. 'KünstlerInnen'-Texte, die sich in kleinen Behältern neben jedem Kunstwerk befinden. Sie kontextualisieren das Werk sowohl in Hinsicht auf den/die Künstler/in wie auch auf die (mutmaßliche?) Intention und die Kernaussagen. Es ist nicht ersichtlich, ob letzteres auf den/die Künstler/in selbst zurückgeht oder ausschließlich die Interpretation des Museums oder des Kurators widerspiegelt. Mein erster Eindruck ist, dass die Ausstellung für die 'Vergeistigung' von Kunst spricht. Ich betrachte lange eine riesige Installation, die ein Bild von einem Elefanten in der Seitenansicht, im Hintergrund seine heimatliche "Wildnis", zeigt. Innerhalb des Bildes ist der Elefant ausgeschnitten und kippt gewissermaßen aus dem Bild heraus. Auch nach langer Betrachtung kann ich der Installation nur wenig abgewinnen. Als ich aber schließlich dem Objekttext entnehme, sie stehe stellvertretend für die menschliche Domestizierung von Elefanten, damit auch von Tieren und der Natur im Allgemeinen, und - über das Herauskippen - auch für deren 'Ausbruchversuche', sehe ich sie mit anderen Augen. Bei vielen weiteren Bildern ergeht es mir ähnlich: Weitaus größeres Interesse als der Rezeption der Bilder selbst bringe ich dem anschließenden 'Abgleich' meiner Empfindungen und Gedanken mit der bereitgestellten Interpretation des Museums bzw. des Kurators entgegen. Ich denke, die Objekttexte sind eher als eine Art Hilfestellung gedacht, den BesucherInnen Orientierungs- und Deutungsangebote an die Hand zu geben, Assoziationen anzuregen. Vielleicht ist es auf meinen persönlichen Hintergrund zurückzuführen, dass mich die meisten meiner Museumsbesuche in textlastige Museumstypen geführt haben: Bei fast jedem Bild habe ich das Bedürfnis, mir das bereitgestellte Hintergrundwissen anzulesen.

Auf einer assoziativen Ebene konfrontiert mich die Dauerausstellung mit meinen Vorstellungen von den Präsentations- und Darstellungsweisen eines Kunstmuseums.

Meiner Klischeevorstellung zufolge vereinen Kunstmuseen zwei Gegensätze: Einerseits stehen sie par excellence für das Ansprechen und das Avisieren eines bestimmten Klientels, welches das benötigte Expertenwissen bereits in die Ausstellungsrezeption mit einbringt. Zwar wird nach einzelnen Kunstepochen, Schulen, Themen oder Künstlern unterschieden und vermittelt. Auf weitere Kontextinformationen, durch die Konnotationen gefördert und auch begrenzt werden, wird hingegen oft verzichtet. Das Fehlen von Verweisen auf Intertextualität scheint mir hier besonders deutlich.

Andererseits bieten sich - geht man davon aus, dass es keine 'richtigen' oder 'falschen' Lesarten gibt - für jedeN freie Assoziationsräume, in denen die möglichen Konnotationen in sehr geringem Maße vordeterminiert sind.

Es erscheint mir sehr übertrieben, bei dem Museum ein intentionales Aufbrechen und Spielen mit BesucherInnen-Erwartungen zu sehen (Metakommunikation). Vermutlich ist die angewandte Präsentationsmethode bereits weitaus gängiger, als es mir bekannt ist.

Hingegen spricht es für das Vorhaben des Museums, in ihrer Dauerausstellung nicht gänzlich darauf zu vertrauen, dass die Kunst für sich selbst spricht, sondern einer schriftlichen Unterfütterungen bedarf; und damit auch, dass es nicht (nur) auf eine isolierte, auratische Wirkung von Kunst 'an sich' ankommt, sondern dass parallel dazu geschichtliche, soziale und kulturelle Bezüge und Zusammenhänge explizit gemacht werden.

Die momentane Sonderausstellung "Paradise Lost", die sich mit den unumkehrbaren Veränderungen beschäftigt, die Menschen in der Natur bewirkt haben und ausnahmslos über auditive und visuelle Installationen arbeitet, hat mir besonders gut gefallen. Trotz des akustischen Nebeneinanders diverser Audiotexte empfinde den Einsatz als gut aufeinander abgestimmt. Informationen über den/die jeweilige Künstler/in und das Werk sind bereitgestellten Info-Blättern zu entnehmen.

Vor der Sonderausstellung im Untergeschoss laden eine Bibliothek und andere Räumlichkeiten die BesucherInnen zum Verweilen ein. Wahrscheinlich will das Museum damit seinen Anspruch unterstreichen, ein Ort der Begegnung und des Austausch für die gesamte Bevölkerung, d.h. für alle sozialen Milieus zu sein.

Im gleichen Abschnitt des Museums schwebt eine Installation aus Büchern über den BesucherInnen. Den Kopf im Nacken, bereitet es mir einige Schwierigkeiten, die Titel in mehreren Sprachen zu entziffern. Die Installation macht neugierig und spricht mich sehr an, nur irritiert mich der Objekttext, welcher dem Kunstwerk eine solche Vielzahl an Aussagen zuspricht, die ich auch nach mehrmaligem Ablaufen nicht 'wahrnehme'.

Webmastafferfn (s.o7mallon@uop8sl.de) (Stand: 10.02.2020)