Navigation

Stimmen aus dem Gesundheitswesen

Akteure aus Ärzteschaft und Gesundheitswesen warnen unisono vor einem verschärften Ärztemangel als Folge eines Neubau-Verzichts. Die fehlende Zusage der Mittel laufe einer nachhaltigen Entwicklung der Region und des Landes zuwider.

Die klinischen Partner der Universitätsmedizin Oldenburg – das Pius-Hospital, das Klinikum Oldenburg, das Evangelische Krankenhaus und die Karl-Jaspers-Klinik – rufen die Landesregierung in einem offenen Brief dazu auf, ihre Entscheidung zu revidieren und ein positives Signal zu senden. Die Universitätsmedizin sei „ein Grundpfeiler der Krankenversorgung der gesamten Weser-Ems-Region“, deren Bedeutung speziell in der aktuellen Pandemie „einmal mehr deutlich geworden“ sei. „Die fehlende Zusage der Mittel für ein neues Forschungs- und Lehrgebäude konterkariert damit nicht nur ein klares Bekenntnis zur Universitätsmedizin Oldenburg, sondern zugleich auch zur nachhaltigen Entwicklung der Region und damit langfristig auch des Landes Niedersachsen.“
Offener Brief der klinischen Partner

Angesichts der Corona-Pandemie sollte das Land aus Sicht der Ärztekammer Niedersachsen gerade am Lehr- und Forschungsgebäude für die Oldenburger Universitätsmedizin festhalten, anstatt es mit dieser Begründung einzusparen: „Gerade während der Corona-Krise haben wir doch gesehen, wie wichtig eine gesicherte ärztliche Versorgung der Bevölkerung ist“, betont die Kammerpräsidentin Prof. Dr. Martina Wenker. „Schon jetzt fehlen uns in den Gesundheitsämtern, in der ambulanten Versorgung und in den Krankenhäusern Ärztinnen und Ärzte.“ Ohne neue Räumlichkeiten für Lehre und Forschung lasse sich der Ausbau der Studienplätze in Oldenburg nicht wie geplant realisieren, womit Niedersachsen auf „einen eklatanten Ärztemangel“ zusteuere. Binnen zehn Jahre werde fast ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte landesweit das Rentenalter erreichen, betonte Wenker.
Presseinformation ÄKN

Von einer „dringend notwendigen Zukunftsinvestition“ spricht der Marburger Bund Niedersachsen und fordert die Landesregierung auf, den weiteren Ausbau der Universitätsmedizin Oldenburg auch im kommenden Landeshaushalt sicherzustellen. „Niedersachsen braucht eiligst mehr Medizinstudienplätze, um die medizinische Versorgung langfristig sichern zu können und dem bereits existierenden Mangel an Ärztinnen und Ärzten entgegenzuwirken“, betont der Erste Vorsitzende Hans Martin Wollenberg. „Dazu gehört auch, dass das dringend benötigte Forschungs- und Lehrgebäude in Oldenburg gebaut und finanziert wird.“ Eine vernünftige Finanzierung und gute Lehrbedingungen seien „unabdingbar“. „Wer hier spart, spart an der falschen Stelle“, so Wollenberg.
PM Marburger Bund

Der niedersächsische Hartmannbund sieht die Landesregierung in der Verantwortung nicht zuletzt für die bereits eingeschriebenen Medizinstudierenden. „Im Verlauf des Studiums die Finanzierung in Frage zu stellen, ist absolut inakzeptabel“, so die Landesvorsitzende Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat . In Oldenburger fehlten weiterhin Forschungsflächen, die Professorinnen und Professoren zur Berufung versprochen wurden, ergänzt Johannes Stalter, stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss Medizinstudierende im Hartmannbund, der selbst im Oldenburger Modellstudiengang Humanmedizin eingeschrieben ist. Andere Professuren ließen sich aufgrund mangelnder struktureller und finanzieller Ausstattung nicht besetzen. All dies laufe der Empfehlung des Wissenschaftsrats zuwider, so Stalter. „Das nicht bewilligte Geld hat massive Auswirkungen nicht nur auf den anstehenden Studienplatzaufwuchs, sondern ganz aktuell auf die bereits in Oldenburg studierenden angehenden Ärztinnen und Ärzte und die lehrenden Medizinerinnen und Mediziner.“
Stellungnahme Hartmannbund

Für den Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist die Zukunft der Oldenburger Universitätsmedizin unmittelbar mit der wirtschaftlichen Perspektive des gesamten Nordwestens verknüpft: „Eine gute medizinische Versorgung und ein dazu begleitender wissenschaftlicher Aufbau sind für die Aufrechterhaltung und vor allem die Entwicklung der Wirtschaft in dieser Region unabdingbar“, betont Präsident Helmut Gels und appelliert an die Landesregierung, die Finanzmittel für das Lehr- und Forschungsgebäude doch noch wie geplant in den Haushalt 2021 aufzunehmen. Die von der Universitätsmedizin nachhaltig und auch in der Qualität gesicherte medizinische Versorgung der Region sei für Unternehmen ein wesentlicher Standortfaktor, berichtete Gels, der bis 2019 Bürgermeister von Vechta war. Zudem habe die Corona-Krise gezeigt, dass Niedersachsen auch unimedizinisch breit aufgestellt sein sollte, um bei zukünftigen, vergleichbaren Anforderungen „sachgerecht und regional angemessen“ zu reagieren.
Offener Brief DRK

Internetkoordinator (Stand: 11.09.2020)