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Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens

Medizinethiker Mark Schweda an neuer DFG-Forschungsgruppe beteiligt.

Medizinethiker Mark Schweda an neuer DFG-Forschungsgruppe beteiligt

Neue medizinische Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten können gewohnte Zeitstrukturen des menschlichen Lebens in Frage stellen. Sie können zum Beispiel die langfristigen Lebensaussichten chronisch kranker junger Erwachsener verbessern, die zeitlichen Spielräume der Fortpflanzung im mittleren Lebensalter erweitern und hergebrachte Maßstäbe von Gesundheit, Wohlergehen und Leistungsfähigkeit im höheren Alter verschieben. Was diese Entwicklungen für ein gutes, gelingendes Leben bedeuten, wird im Rahmen einer neu eingerichteten Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Thema „Medizin und die Zeitstruktur guten Lebens“ untersucht. Die Leitung hat die Göttinger Medizinethikerin Prof. Dr. Claudia Wiesemann. Die Universität Oldenburg ist mit dem Medizinethiker Prof. Dr. Mark Schweda vom Department für Versorgungsforschung beteiligt.

Vorstellungen über ein „gutes Leben“ geben lebenspraktische Orientierung, auch im Kontext der Medizin. Welche Rolle Vorstellungen von Zeitlichkeit bzw. Zeitstrukturen dabei spielen, ist jedoch kaum erforscht. Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit gut drei Millionen Euro für zunächst vier Jahre geförderte und von der Medizinethikerin Prof. Dr. Claudia Wiesemann am Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universitätsmedizin Göttingen koordinierte Forschungsgruppe widmet sich dieser vielschichtigen Fragestellung aus interdisziplinärer Perspektive. Dazu wird die Expertise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Philosophie, Medizinethik, Medizin, neueren Literatur- und Medienwissenschaft sowie Soziologie und Sozialpsychologie im Rahmen von acht Teilprojekten gebündelt. Der Oldenburger Medizinethiker Prof. Dr. Mark Schweda leitet gemeinsam mit Claudia Wiesemann das Zentral- und Integrationsprojekt der Forschungsgruppe sowie ein eigenes Teilprojekt zur Ethik der Altersmedizin. Beteiligt sind daneben auch die Georg-August-Universität Göttingen, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Goethe-Universität Frankfurt.

Die Forschungsgruppe geht exemplarisch von drei medizinischen Anwendungsfeldern in verschiedenen Lebensphasen und Altersstufen aus: der Behandlung von chronisch herzkranken Personen im jungen und mittleren Erwachsenenalter, der Fortpflanzungsmedizin im mittleren Lebensalter sowie der Gesundheitsversorgung älterer und hochaltriger Menschen. Sie untersucht, wie normative Vorstellungen von Endlichkeit und Irreversibilität, von angemessenen Stadien und Übergängen sowie von individueller Lebensgeschichte Einfluss auf die Nutzung medizinischer Technologien haben – und umgekehrt. Dazu wird auch die Rezeption dieser Themen in popkulturellen Narrativen in Film und Fernsehen einbezogen.

Ziel ist eine lebenszeitübergreifende Perspektive auf in der Medizin bisher fachlich gesondert behandelte Lebensphasen und Altersstufen. Damit soll eine interdisziplinäre Lebensverlaufsforschung in Medizin und Gesundheitswesen begründet werden. Dies verspricht wertvolle Impulse für die medizinische und pflegerische Praxis.

Beteiligte Projektleiter und Projektleiterinnen:

Prof. Dr. Mark Schweda (Ethik in der Medizin, Universität Oldenburg); Prof. Dr. Claudia Wiesemann (Medizinethik, Universitätsmedizin Göttingen); Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen (Psychosomatik, Universitätsmedizin Göttingen); Prof. Dr. Eva Hummers, Dr. Evelyn Kleinert (Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Göttingen); Prof. Dr. Holmer Steinfath (Philosophie, Georg-August-Universität Göttingen); Prof. Dr. Vera King (Soziologie/Sozialpsychologie, Universität Frankfurt); Prof. Dr. Claudia Stockinger,
Dr. Christian Hißnauer (Literatur- und Medienwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin).

Kontakt:

Prof. Dr. Mark Schweda

+49 (0)441 798-4483

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(Stand: 23.02.2021)