Versorgungsforschung / Health Service Research

#13 Niederschwellige Notfälle - (nicht) unser Problem?

Hauptautor*innen: Dr. Insa Seeger

Co-Autor*innen: Kadriye Gülöz, Frank Leenderts, Stefan Thate

Abstract:
In den Leitstellen nehmen Hilfeersuchen, die nicht unmittelbar der Notfallrettung zuzuordnen sind, seit Jahren stetig zu. In der Großleitstelle Oldenburger Land (GOL), zuständig für sechs Kommunen, wird seit dem 16.03.2021 eine standardisierte und strukturierte Notrufabfrage mit ca. 1.700 Einsatzcodes durchgeführt. In drei Kommunen der GOL wird die Ressource Gemeinde-Notfallsanitäter (GNFS) bei niederschwelligen Notfällen alarmiert.
Ziel dieser Arbeit ist die Betrachtung der von der GOL alarmierten Rettungsmittel und dokumentierten Einsatzcodes bei niederschwelligen Notfällen. Diese retrospektive Datenanalyse betrachtet den Beobachtungszeitraum 01.10.2021 – 31.03.2022.
Von den 74.988 eingegangenen Anrufe (112) wurden 34.417 (45,9%) als „Notfall“ deklariert. Die verbleibenden 40.571 (54,1%) Anrufe beinhalteten „sonstige Hilfeersuchen“, davon waren 5.559 (13,7%) sog. low-code-Fälle, die sich auf die Einsatzantworten „GNFS“ (41,4%) und „Weiterleitung AND (Ärztlicher Notdienst)“ (58,6%) verteilten. 57% der AND-Fälle wurden mit einem Rettungsmittel bedient. In GNFS-Kommunen wurden 74,5% bzw. 65,4% der niederschwelligen Notfälle durch GNFS versorgt, 19,6% bzw. 25,5% der Patienten wurden ins Krankenhaus transportiert. In Kommunen ohne GNFS wurden 84,7% bzw. 91,1% der niederschwelligen Notfälle durch Rettungswagen und (Notfall-)Krankentransportwagen versorgt, ein Krankenhaustransport erfolgte bei 55,8% bzw. 58,5% der Patienten.
Die Ressource GNFS ist eine Option für die Leitstellen zur Versorgung niederschwelliger Notfälle. Gleichzeitig übernimmt der Rettungsdienst Aufgaben, die eigentlich dem Ärztlichen Notdienstes zuzuschreiben sind.

#22 Abteilung Big Data in der Medizin

Hauptautor*innen: Pascal Biermann

Co-Autor*innen: Prof. Dr. Antje Wulff, Dr. Andreas Klausen

Abstract:
Es wird die im März 2022 neu gegründete Abteilung Big Data in der Medizin vorgestellt, welche sich der Nutzbarmachung medizinischer Datenbestände widmet.  Im Fokus steht dabei eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den medizinischen Entscheidungsträger*innen und Einrichtungen und der gemeinsamen Entwicklung von Anwendungsfällen rund um die Medizinische Informatik.​ Des Weiteren wird ein Überblick über die Lehre, Forschungsthemen und die Kooperationspartner der Abteilung gegeben.

 

#36 Funktionsfähigkeit und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei Patientinnen und Patienten mit Knie-Totalendoprothese - die FInGK Studie

Hauptautor*innen: Hannes Jacobs

Co-Autor*innen: Prof. Falk Hoffmann, Prof. Djordje Lazovic, Prof. Uwe Maus, Dr. Gesine Seeber

Abstract:

Hintergrund: Ein beträchtlicher Anteil der Patient:innen erfährt im Anschluss an die Implantation einer Knie-Totalendoprothese (TEP) chronische Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Prä- sowie postoperative Physiotherapie kann eine wirksame Behandlung sein, um ungünstigen Ergebnisse vorzubeugen. Daten zur physiotherapeutischen Versorgung von Personen vor und nach Knie-TEP sind jedoch rar.

Methoden: Zunächst wurde ein systematischer Review erstellt, bei dem die international vorhandene Literatur zur Inanspruchnahme von Physiotherapie in der frühen ambulanten Phase nach Knie-TEP zusammengefasst wurde. Außerdem wurde eine prospektive Kohortenstudie konsekutiver Patient:innen mit Implantation einer Knie-TEP in der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie durchgeführt (geplante Fallzahl n=240). Die Baselineerhebung (t0) fand am Tag der stationären Aufnahme statt. Follow-Up-Erhebungen erfolgten 2 Monate (t1) sowie 12 Monate postoperativ (t2).

Ergebnisse:  283 Personen erfüllten die Einschlusskriterien und 241 nahmen final an der Studie teil (Response: 85%). Zu t1 konnten 236 und zu t2 231 Patient:innen nachverfolgt werden. Im Jahr vor der Knie-TEP erhielten insgesamt 41 % Physiotherapie. Zudem waren ein Alter von über 75 Jahren, ein niedriger Bildungsstand und mittelschwere bis schwere depressive Symptome mit einer geringeren Inanspruchnahme von Physiotherapie assoziiert.

Schlussfolgerung: Wir konnten eine potenzielle physiotherapeutische Unterversorgung vor Knie-TEP beobachten, die in einigen Subgruppen noch ausgeprägter war und auf Ungleichheiten hindeutet. Sowohl Verordner:innen als auch Patient:innen…

#37 Gesundheitliche Versorgung Pflegebedürftiger – Ein Schwerpunkt der Abteilung für ambulante Versorgung und Pharmakoepidemiologie am Department für Versorgungsforschung

Hauptautor*innen: Dr. Katharina Allers

Co-Autor*innen: Prof. Dr. Falk Hoffmann

Abstract:

Ein Schwerpunkt des Departments für Versorgungsforschung liegt im Bereich der gesundheitlichen Versorgung älterer Menschen. Die Abteilung ambulante Versorgung und Pharmakoepidemiologie beschäftigt sich dabei insbesondere mit der Gesundheit sowie der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen älterer pflegebedürftiger Personen sowie damit, wie entsprechende Versorgungsdefizite behoben werden können. Die gesundheitliche Versorgung Pflegebedürftiger gewinnt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung. Im Rahmen des Posters möchten wir unsere aktuelle Forschung aus diesem Bereich vorstellen und somit einen Überblick der wichtigsten methodischen Grundlagen sowie aktuelle Forschungsergebnisse der Abteilung aufzeigen. Hierzu werden unterschiedliche Studien zu den Bereichen Mundgesundheit pflegebedürftiger Personen, Schmerzen und der Einsatz von Gabapentinoiden bei Pflegeheimbewohner:innen, Advance Care Planning bei pflegebedürftigen und in der eigenen häuslichen Umgebung lebenden älteren Menschen sowie der Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten von Pflegeheimbewohner:innen am Lebensende und der Sichtweise von Hausärzt:innen und dem Pflegepersonal auf diese Krankenhausaufenthalte dargestellt. Methodisch werden hierbei unterschiedliche Designs über einen Mixed-Method Ansatz, (cluster-)randomisiert kontrollierte Studien, eine Routinedatenauswertung basierend auf GKV-Daten, Primärstudien basierend auf Befragungsdaten sowie eine systematische Übersichtsarbeit vorgestellt. Wichtige Implikationen für Praxis und Politik werden basierend auf den Forschungsergebnissen im Rahmen des Posters zusammengefasst.

#38 Projektkomplex Triade: Versorgungsarrangements bei Demenz in der Häuslichkeit mit einer Live-in Hilfe

Hauptautor*innen: Merle Weßel

Co-Autor*innen: Mark Schweda, Amelie Pawel, Lena Ansmann, Milena von Kutzleben

Abstract:

In Deutschland leben zurzeit etwa 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Jedes Jahr steigt diese Zahl um ca. 300.000 Fälle an. Die meisten Menschen mit Demenz werden von ihren Angehörigen zu Hause versorgt. Durch den steigenden Versorgungsbedarf bei einer fortschreitenden Demenz, der ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr von den Angehörigen alleine bewältigt werden kann, greifen zahlreiche Familien auf sogenannte 24h-Hilfen, oder auch Live-ins, zurück. Dies sind meist Frauen aus osteuropäischen Ländern, wie Polen, Bulgarien, Rumänien oder den Baltische Ländern, die für mehrere Wochen mit im Haushalt leben und die Person mit Demenz versorgen. Die Integration einer Live-in in ein Versorgungsarrangement bedeutet eine Neuaushandlung von Sorgeverantwortlichkeiten, die zu verschiedenen moralischen Konflikten führen kann.
Der interdisziplinäre Projektkomplex Triade setzt an diesem Punkt an und fragt wie sich die Aushandlung von moralischen Verantwortlichkeiten und Perspektiven in diesen Triaden aus Person mit Demenz, Live-in und Angehörigen gestalten werden und wie das Konzept der live-in Versorgung in die informellen Versorgungskonzepte der Angehörigen passt. Hierzu werden Methoden der qualitativen Sozialforschung und der empirisch-informierten Ethik genutzt um Verantwortlichkeiten und Konflikte, wie auch informelle Versorgungskonzepte zu analysieren und Empfehlungen für eine Verbesserung der Live-in Versorgung im Mikro-Setting Häuslichkeit zu formulieren.

#39 Perspektiven von Medizinstudierenden auf Rassismus in der Medizin in Deutschland: Eine qualitative Exploration

Hauptautor*innen: Simon Gerhards

Co-Autor*innen: Merle Weßel, Mark Schweda

Abstract:

Auch in Deutschland findet das Thema Rassismus in Medizin und Gesundheitswesen zunehmend Aufmerksamkeit. So sieht der NKLM 2.0 die Sensibilisierung für rassistische Diskriminierung als Lernziel für das Medizinstudium vor. Während die Thematik insbesondere in den USA längst intensiv erforscht wird, stellt eine entsprechende wissenschaftliche Auseinandersetzung im deutschen Kontext jedoch ein Desiderat dar. Unsere qualitativ-explorative Studie geht der Frage nach, wie Rassismus in der medizinischen Ausbildung und Praxis von Medizinstudierenden in Deutschland wahrgenommen wird. Dazu wurden sechs Online-Gruppendiskussionen mit insgesamt 32 Medizinstudierenden von 13 medizinischen Fakultäten in Deutschland durchgeführt und im Zuge einer qualitativen Inhaltsanalyse zentrale Aspekte der Erfahrungen und des Problembewusstseins der Teilnehmenden herausgearbeitet. Es zeigt sich, dass Rassismus überall in Medizin und Gesundheitsversorgung erlebt wird, unabhängig von Standort oder Fachrichtung. Dabei sind nicht nur Patientinnen und Patienten betroffen, sondern auch Studierende sowie Ärztinnen und Ärzte. Allerdings wird das Problem unterschiedlich verstanden und bewertet. Während Rassismus vor allem in der interindividuellen Interaktion problematisiert wird, werden strukturelle Aspekte eher relativiert. Neben Unklarheiten darüber, wie rassistische Stereotype von medizinisch gerechtfertigten Kategorisierungen abzugrenzen sind, äußern die Studierenden Unsicherheiten im Umgang mit Rassismus, bemängeln fehlende Anlaufstellen und fordern eine Thematisierung im Studium. Diese Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für die weitere Forschung und Curriculumsentwicklung.

#40 Der Wert der Privatheit im Kontext technischer Assistenz für Menschen mit Demenz: Eine empirisch informierte ethische Analyse

Hauptautor*innen: Eike Buhr

Co-Autor*innen: Mark Schweda

Abstract:

Bei der Versorgung von Menschen mit Demenz kommen zunehmend Maßnahmen der technischen Überwachung des alltäglichen Lebens zum Einsatz. In der allgemeinen pflege- und technikethischen Debatte werden solche Monitoringansätze vor allem unter dem Gesichtspunkt der Privatheit erörtert. Dabei wird Privatheit meist im Sinne individueller Autonomie verstanden als eine aktive, bewusst ausgeübte Kontrolle über Fragen der eigenen Lebensführung. Sie umfasst etwa die Mitsprache anderer bei persönlichen Entscheidungen (dezisionale Privatheit), den Zugang zu persönlichen Informationen (informationelle Privatheit) oder einen räumlich abgegrenzten Bereich persönlichen Lebens. Dieses Privatheitsverständnis scheint allerdings bei Menschen mit Demenz an gewisse Grenzen zu stoßen. Mit dem Fortschreiten der kognitiven Beeinträchtigungen im Verlauf demenzieller Erkrankungen geht auch die Fähigkeit zur aktiven und bewussten Kontrolle über die eigenen Belange zunehmend verloren. Vor diesem Hintergrund wird der Wert des Privaten im Kontext technischer Assistenz für Menschen mit Demenz aus einer empirisch informierten ethischen Perspektive expliziert. Dazu untersuchen wir im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse halbstrukturierter Interviews mit Betroffenen (n=28), welche moralischen Bedeutungen Privatheit im Zusammenhang technischer Assistenz zugeschrieben werden. Anhand der dabei herausgearbeiteten Privatheitsverständnisse erörtern wir, wie die Privatheit von Menschen mit Demenz im Kontext technischer Assistenzsysteme begrifflich angemessen zu fassen und ethisch zur Geltung zu bringen ist.

#41 Die Abteilung Geriatrie – Forschungsschwerpunkte und Ziele

Hauptautor*innen: Jessica Koschate

Co-Autor*innen: Prof. Dr. Tania Zieschang, Dr. Tim Stuckenschneider

Abstract:

Die Abteilung Geriatrie, mit den Standorten am Klinikum und Rehazentrum, sowie an der Uni Oldenburg mit einem Ganglabor, wurde 2019 unter der Leitung von Frau Prof. Dr. med. Tania Zieschang gegründet. Die Forschungsschwerpunkte der Abteilung liegen in der Erfassung von Sturzrisikofaktoren, der Sturzprävention bei Personen mit und ohne kognitive Beeinträchtigungen, sowie im Bereich der Delirprävention und der speziellen Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen im stationären Setting.
Ein großes BMBF-gefördertes Projekt untersucht den funktionellen Langzeit-Verlauf von älteren Personen, die aufgrund eines Sturzes in einer Notaufnahme in Oldenburg vorstellig werden (SeFallED). Weiterhin werden Gangparameter von älteren Personen mit und ohne Gangunsicherheiten, sowie Rollatornutzer:innen verglichen (RollGa) und die Ausdauerleistungsfähigkeit als potentieller Sturzrisikofaktor untersucht (CareFall). Als hochrelevanter, bisher unzureichend untersuchter Risikofaktor wird in mehreren Studien die reaktive dynamische Balance erfasst. Dafür steht im Ganglabor und am Rehazentrum jeweils ein Perturbationslaufband zur Verfügung. Im Klinikum Oldenburg werden die Auswirkungen der speziellen Betreuung von Patient:innen mit Demenz und/oder Delir auf deren stationären Aufenthalt untersucht (Bezugspflege). Weiterhin wird die Auswirkung eines Rehabilitationsprogramms auf die individuelle Sturzangst der Patient:innen und deren Angehörigen untersucht (Strahil). Das übergeordnete Ziel der Abteilung Geriatrie besteht darin, die Versorgung älterer Patient:innen im häuslichen und stationären Setting zu erfassen und langfristig zu verbessern.

#42 CareFall – Is there a relationship between cardiorespiratory fitness, gait stability, and fall risk in older adults?

Hauptautor*innen: Arber Gashi

Co-Autor*innen: Frau Dr. Jessica Koschate, Frau Prof. Dr. Tania Zieschang

Abstract:

Background: Impairment of balance is an important risk factor for falls in older people. In 2019, there have been ~12000 registered fatalities in Germany with costs estimated to be around 1 Billion €. Therefore, early detection of risk factors for falls is of high importance in preventing falls-related injuries. Studies suggest a relationship between static balance and cardiorespiratory fitness (CRF). Linking CRF with dynamic reactive balance (DRB) and gait-adaptability in response to gait perturbations, requires further studies. In the CareFall Study, we explore the linkage between CRF as well as acute metabolic demands on gait stability and fall risk.
Methods: Older volunteers (>60 years, 50 with a fall history, 50 without a fall history) receive a thorough examination in three gait lab visits. CRF is measured by means of cardiorespiratory exercise testing . DRB is evaluated using a perturbation treadmill which is able to disturb gait in three directions via pitch, sway, acceleration, and deceleration of the treadmill belt, and will be tested with and without prior bouts of metabolic stress.
Results: The connection between DRB and CRF and the effects of acute bouts of exercise on DRB will be evaluated and compared between the subgroups.

#43 Partizipativ angelegte Implementierung eines Kommunikationskonzepts zur Verbesserung der professionellen Gesundheitskompetenz - die PIKoG-Studie

Hauptautor*innen: Johanna Sophie Lubasch

Co-Autor*innen: Rudy Leon De Wilde, Christina Derksen, Frank Griesinger, Djordje Lazovic, Julia Roeper, Verena Nicole Uslar, Gesine Seeber, Luz Angela Torres-de la Roche, Helge Schnack, Dirk Weyhe, Sonia Lippke, Lena Ansmann, Anna Levke Brütt

Abstract:

Hintergrund
Während eines Krankenhausaufenthalts müssen Patient*innen Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden – also gesundheitskompetent agieren. Gesundheitskompetente Versorgungsorganisationen können ein Umfeld schaffen, das die Gesundheitskompetenz von Gesundheitsfachkräften und Patient*innen fördert. Ein solches Umfeld setzt voraus, dass die Fachkräfte über gute Kommunikationsfähigkeiten verfügen, um angemessen auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen zu können.
Zielsetzung
Im PIKoG-Projekt sollen Schulungen sowie flankierende Maßnahmen partizipativ entwickelt und auf vier Kliniken eines Krankenhauses zugeschnitten, umgesetzt und evaluiert werden.
Methode
In einer partizipativen Entwicklungsphase wurden Bedürfnisse, Barrieren und Unterstützungsfaktoren für eine gesundheitskompetenzsensitive Kommunikation im Krankenhausalltag erhoben und inhaltsanalytisch ausgewertet. Darauf basierend wurden in drei Workshops gemeinsam mit Mitarbeitenden aus Ärzteschaft, Pflege, Physiotherapie, Sozialdiensten, Qualitäts- und Bildungsmanagement Schulungsinhalte ausgewählt, Abläufe bestimmt sowie flankierende Maßnahmen entwickelt und die Intervention anschließend 12 Monate lang implementiert. Zur Bekanntmachung von PIKoG unter allen Mitarbeitenden wurden Projekttage durchgeführt und Multiplikatoren in den Kliniken etabliert.
Zur summativen Evaluation werden Längsschnitt-Befragungsdaten von Patient*innen, sowie Querschnitt-Befragungsdaten von Mitarbeitenden vor und nach der Implementierung verglichen. Zur formativen Evaluation werden die Mitarbeitenden in Fokusgruppen befragt, welche inhaltsanalytisch ausgewertet werden.
Dissemination
Wenn sich die Intervention als erfolgreich erweist, ist es das Ziel, die Schulungen und eine Auswahl flankierender Maßnahmen anderen Krankenhäusern zur Verfügung zu stellen.

#44 The influence of patient and health system characteristics on expectations and outcome in total hip arthroplasty patients in the Dutch-German border region (Hip Across): a study protocol

Hauptautor*innen: Yvet Mooiweer

Co-Autor*innen: Martin Stevens, Djordje Lazovic, Anna Levke Brütt, Lena Ansmann, Gesine H. Seeber

Abstract: Introduction:
Total hip arthroplasty (THA) is the treatment of choice for people suffering from end-stage hip osteoarthritis. The organization of THA differs between Germany and the Netherlands. It is hypothesised that this will influence expectations and self-efficacy of people undergoing THA. Using Chen’s program evaluation theory, this study aims to explore (1) how organization of THA management influences patients’ expectations and self-efficacy, and (2) how patients’ expectations and self-efficacy influence perceived THA outcomes and satisfaction.
Methods:
A mixed-methods study including patients scheduled for THA from two German and two Dutch hospitals near the border. Patients, 150 from each country, will fill in questionnaires about their expectations, self-efficacy, and function at three timepoints: before surgery, three and six months after surgery. Data analyses will include multiple regression analysis and structural equation modelling. Besides, interviews will be conducted with 20 patients and 20 healthcare providers to gain understanding of their expectations and experiences regarding THA. Patients will be interviewed twice, pre- and three months postoperatively, health care professionals once. In addition, the health care providers’ perspective will be explored during a focus group. Interview evaluation will be performed using structured qualitative content analysis.
Discussion:
This study’s outcomes will provide better insight into...

#45 Unterstützte Kommunikation – zu wenig unterstützt? Ergebnisse einer Evaluationsstudie zur Hilfsmittelversorgung in der Unterstützten Kommunikation (MUK)

Hauptautor*innen: Sarah Uthoff

Co-Autor*innen: Anna Zinkevich

Abstract:

Hintergrund: Menschen, die über keine Lautsprache verfügen, sind oft auf Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation (UK) angewiesen. Die UK-Versorgung ist in Deutschland nicht eindeutig geregelt, wodurch Versorgungsdefizite resultieren. Im Rahmen eines vom Innovationsfonds geförderten Projekts wurde eine neue Versorgungsform (nVF) im Vergleich zu einem bestehenden Selektivvertrag (SV) evaluiert.

Fragestellungen: Haben UK-Nutzer*innen in der nVF bessere Outcomes (pragmatische Kommunikationsfähigkeit, gesundheitsbezogene Lebensqualität, Teilhabe, Zufriedenheit mit der Kommunikationshilfe) als UK-Nutzer*innen in der Vergleichsgruppe? Wie bewerten UK-Nutzer*innen und deren Bezugspersonen die nVF?

Methodik: Im Rahmen einer quasi-experimentellen längsschnittlichen Studie mit 3 Befragungszeitpunkten wurden Bezugspersonen von UK-Nutzer*innen in der Interventions- und Vergleichsgruppe befragt. Zudem wurden 7 Fokusgruppeninterviews sowie 8 Einzelinterviews mit UK-Nutzer*innen geführt.

Ergebnisse: Die quantitativen Auswertungen zeigen einen statistisch signifikanten Effekt der Intervention auf die Zufriedenheit der Bezugspersonen mit der Kommunikationshilfe. Bei den weiteren Outcomes sind Tendenzen einer positiven Entwicklung in der Interventionsgruppe erkennbar. Die qualitativen Erhebungen zeigen, dass die Intervention überwiegend als wirksam wahrgenommen wurde.

Diskussion: Die formative Evaluation zeigt, dass die Intervention insgesamt umsetzbar ist. Die summative Evaluation ergab eine hohe subjektive Wirksamkeit der Intervention aus Sicht der Bezugspersonen. Diese Wirksamkeit konnte nicht gänzlich statistisch nachgewiesen werden, was u. a. an Einflussfaktoren wie z. B. der Heterogenität der Stichprobe und/oder der COVID-19-Pandemie liegt.

#46 Comparison of healthcare structures, processes, and outcomes in the Northern German and Dutch cross-border region (CHARE-GD)

Hauptautor*innen: Cecile Ronckers

Co-Autor*innen: Adriana Pérez-Fortis, Axel Hamprecht, Falk Hoffmann, Lena Ansmann

Abstract: The Ems-Dollart-region, the northern border region between the Netherlands and Germany, is characterized by a number of similar societal characteristics, including an aging population, a comparatively low average socio-economic status, low urbanization rates, and a growing shortage of qualified nurses and physicians. In line with EU policy, a joint approach to address these challenges may be conducive to improving (access to) health care for citizens.
As a first step, MWK-funded research consortia of the Universities of Oldenburg and Groningen, in collaboration with the Cross-border Institute for Healthcare Systems and Prevention (CBI), address health care structures, processes, and outcomes in the border region. Currently, ten ongoing Chare-GD sub-projects, some of which are directly connected to clinical care, aim to a) deliver a data infrastructure for reliable scientific comparisons of health and healthcare data; b) identify and explain cross-border differences in healthcare structures, processes, and outcomes in various healthcare sectors; and c) build the basis for longitudinal prospective comparisons of patient-relevant outcomes. Ultimately, these interdisciplinary research efforts will identify successful local approaches to address challenges in health care, which will serve as basis for intervention research, to explore the potential to implement similar solutions on the respective other side of the border.

#85 Abteilung KI in der Gesundheit/AI4Health

Hauptautor*innen: Nils Strodthoff

Co-Autor*innen: Juan Miguel Alcaraz

Abstract:

Auf diesem Poster soll die im Dezember 2021 neu gegründete Abteilung "KI in der Gesundheit/AI4Health" inhaltlich vorgestellt werden, um so Anknüpfungspunkte für mögliche Kooperationen mit anderen Abteilungen aufzuzeigen. Der Fokus der Abteilung umfasst zum einen medizinische Anwendungsthemen und zum anderen methodische Grundlagenthemen im Bereich des maschinellen Lernens.
Die Anwendungsthemen decken ein relativ breites Spektrum angefangen von klinischen Zeitreihen, insbesondere EKG, EIT bis hin zu medizinischer Bildgebung mit Anwendungen in der diabetische Retinopathie, Thoraxröntgen sowie der Histopathologie ab. Auf der methodischen Seite liegen die Schwerpunkte im Bereich Zeitreihen, insbesondere der Verarbeitung langer Zeitreihen und dem Auffinden von Strukturen in solchen, Verfahren zur Steigerung der Label-Effizienz, insbesondere (selbst-überwachtem) Lernen von Repräsentationen, sowie vertraunswürdiger KI mit besonderem Augenmerk auf der Erklärbarkeit von neuronalen Netzwerken.

#84 Entwicklung einer Tablet-basierten App zur nachhaltigen Verbesserung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens für ältere Patient*innen in Rehabilitationseinrichtungen- „Nutrition and mobility e-coach"

Hauptautor*innen: Lisa Happe

Co-Autor*innen: Marie Sgraja, Andreas Hein, Rebecca Diekmann

Abstract:

Hintergrund: Damit technologiegestützte Interventionsprogramme für geriatrische Rehabilitationspatient*innen (≥70 Jahre) nutzbar sind, muss die Entwicklung unter Einbezug der Zielgruppe geschehen. Ziel dieses Projektes war es, einen Ernährungs- und Bewegungs- e-coach in Form einer App zu entwickeln, der in Kombination mit Ernährungs- und Physiotherapeut*innen Patient*innen nach dem Reha-Aufenthalt nachhaltig unterstützt.
Methodik: User-centered Design Prozess: (1) Bedarfsanalyse durch Fokusgruppen mit Nutzer*innen und Therapeut*innen. (2) Usability Testung (Bewertung mit System Usability Scale (SUS)) und iterative Optimierung der App. (3) Anwendbarkeitsprüfung mit Patient*innen, betreut durch Ernährungs- und Physiotherapeutin, während und nach Rehabilitationsaufenthalt (insgesamt 9 Wochen).
Ergebnisse: (1) Es wurden drei Fokusgruppen mit Nutzer*innen (n=17, 70–99 Jahren) und eine Fokusgruppe mit Therapeut*innen durchgeführt und ein Prototyp sowie relevante Inhalte programmiert. Zur Usability Testung (2) wurden drei iterative Testphasen mit 49 Teilnehmer*innen (78 ± 6 Jahre) durchgeführt. Die SUS stieg im Verlauf von 69,6 auf 78,1.
Vollständige Datensätze der Anwendungstestung (3) liegen bisher von 13 Teilnehmer*innen (80 ± 6 Jahre) vor. Nach 9 Wochen erreichten 69% (T0: 23%) die Ernährungs- und 62% (T0: 38%) die Bewegungsempfehlungen.
Diskussion: Die Usability Testung zeigte eine gute Eignung der App für die Zielgruppe (Note B (Skala A-F)). Erste Ergebnisse zur Anwendbarkeit im Alltag erscheinen positiv, Aussagen sind nach Abschluss der

(Stand: 10.06.2022)