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Bewerbungen bitte per E-Mail an die Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften:

 Dr. Beena Punnamoottil

 

Bisher ausgezeichnete Publikationen

Mit einer wissenschaftlichen Publikation, auch Paper genannt, veröffentlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schriftlich ihr selbst erforschtes Themengebiet in Fachmedien, um so das erarbeitete Thema offen und nachprüfbar mit anderen Kolleginnen und Kollegen zu teilen. Mit dem „Hermine Heusler-Edenhuizen Preis" zeichnet die Medizinische Fakultät eine hervorragende Arbeit ihrer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders aus. Die Bewerberinnen und Bewerber bereiten dafür die neu gewonnenen Erkenntnisse prägnant und verständlich in einem Antrag auf und reichen diese unter ein. Ein Gremium der Medizinischen Fakultät wählt unter allen eingereichten Papern die Gewinnerin/den Gewinner aus. Der Preis wird gestiftet von den Freunden und Förderern der Universitätsmedizin Nordwest e.V.

Hermine Heusler-Edenhuizen Preis - SoSe 2018:
Dr. Stephanie Rosemann

Titel der Publikation: "Audio-visual speech in age-related hearing loss: Stronger integration and increased frontal lobe recruitment"
Autoren: Dr. Stephanie Rosemann und Prof. Dr. Christiane M. Thiel
Abteilung, Department oder Universitätsklinik: Biologische Psychologie, Department für Psychologie
Journal: NeuroImage, 2018, 175, Seite 425-437

Zusammenfassung zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:
Eine natürliche Folge des Alterns sind Beeinträchtigungen im Hörvermögen, die überwiegend die hohen Frequenzen betreffen. Durch diesen Hörverlust wird die Wahrnehmung von Sprache beeinträchtigt, besonders unter schwierigen Bedingungen, zum Beispiel durch Hintergrundgeräusche. Im Alltag haben wir jedoch zusätzliche visuelle Informationen, die die Sprachwahrnehmung verbessern können, zum Beispiel durch Lippenlesen. Vorherige Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Hörbeeinträchtigungen im Alter zu Veränderungen der auditorischen Wahrnehmung und sogar zu neuronalen Veränderungen des auditorischen Kortex führen. Inwiefern der Hörverlust die Verarbeitung von audio-visueller Sprache beeinflusst, ist bisher nicht bekannt. Deswegen untersuchten wir in dieser Studie den Einfluss von altersbedingter unbehandelter Hörbeeinträchtigung auf audio-visuelle Sprachwahrnehmung mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT). Hierbei handelt es sich um die erste fMRT Studie, die audio-visuelle Sprachwahrnehmung bei milder bis moderater Hörbeeinträchtigung im Alter untersucht. Wir konnten zeigen, dass hörbeeinträchtigte Probanden eine stärkere audio-visuelle Integration aufweisen und dass sie für die Verarbeitung von schwierigen Sprachstimuli zusätzliche Aktivierung des frontalen Kortex zeigen. Diese hängt vermutlich mit der erhöhten Anstrengung zusammen, die diese Probanden aufwenden, um die Aufgabe zu lösen. Interessant hierbei ist außerdem, dass diese Veränderungen signifikant mit der Schwere des Hörverlustes einhergehen, d.h. ein stärkerer Hörverlust führt zu einer stärkeren Integration und höheren Aktivierung des frontalen Kortex. Somit zeigen wir zum ersten Mal, dass schon leichter bis moderater Hörverlust zu Veränderungen der Wahrnehmung und der neuronalen Verarbeitung von audio-visueller Sprache führen und dass diese Veränderungen in Zusammenhang mit der Schwere des Hörverlusts stehen. Aus klinischer Sicht sind diese Ergebnisse höchst relevant, da diese Veränderungen die Anpassung eines Hörgerätes beeinflussen können. Hinzu kommt, dass Hörverlust in unserer alternden Gesellschaft eine große Rolle spielt – über 40% der Erwachsenen über 65 Jahre sind von Hörbeeinträchtigungen betroffen (von Gablenz & Holube, 2015).

Zur Preisträgerin: In ihrer Promotion an der Universität Bremen befasste sie sich mit auditorischen und visuellen Störungen, die nach einem Schlaganfall auftreten. Seit 2016 ist Stephanie Rosemann PostDoc in der Abteilung für Biologische Psychologie an der Universität Oldenburg. Hier konzentriert sie sich in ihrer Forschung auf neuronale Veränderungen bei Hörbeeinträchtigungen im Alter.

Hermine Heusler-Edenhuizen Preis - WiSe 2018/2019:
Christian Lins

Titel der Publikation: „Cardiopulmonary resuscitation quality parameters from motion capture data using Differential Evolution fitting of sinusoids"
Autoren: Christian Lins, Daniel Eckhoff, Andreas Klausen, Sandra Hellmers, Andreas Hein und Sebastian Fudickar
Abteilung, Department oder Universitätsklinik: Abteilung Assistenzsysteme und Medizintechnik, Department für Versorgungsforschung
Journal: Applied Soft Computing, Juni 2019, Seite 300 bis 309

Zusammenfassung zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) ist eine wichtige Gegenmaßnahme, wenn Menschen einen plötzlichen Herzinfarkt/-stillstand erleiden. Erste Hilfe leisten meist zunächst medizinische Laien, daher ist eine breite Kenntnis der CPR in der Bevölkerung entscheidend. Qualitativ hochwertige CPR gelingt dabei nur bei regelmäßigem Training, für das auch technische Hilfsmittel genutzt werden. Diese Arbeit beschreibt einen robusten und neuen Ansatz für neuartige Trainingsgeräte für die Herz-Lungen-Wiederbelebung vor. Während bisherige Trainingsgeräte meist stationäre und physikalisch schwere Trainingspuppen sind, verwendet der in dieser Arbeit beschriebene Ansatz eine mobile RGB-D-Kamera (wie etwa die Microsoft Kinect), mit der die Erfassung der kompletten Szenerie möglich ist. Externe Messungen wie in unserem Ansatz, können die Szene und das Verhalten der Akteure bewerten, insbesondere für das Training von professionellen Rettern. Aber auch für das Training von Laien können externe Systeme zusätzliche Beobachtungen in die Qualitätsbewertungen einbeziehen, wie z.B. die Haltung des Oberkörpers und der Arme des Trainierenden in der CPR, was einen erheblichen Einfluss auf die Ausdauer und Müdigkeit des Trainierenden hat.
Unsere Methode passt dabei kontinuierlich die Bewegungsdaten an ein Sinus-Modell an, das damit Herzdruckfrequenz und Eindrucktiefe ableiten kann. In einem ersten Schritt haben wir die Erkennung dieser wichtigsten Qualitätsfaktoren der Herzdruckmassage auf Basis von Bewegungsdaten des Kinect-Sensors evaluiert. Wir konnten dabei zeigen, dass der Ansatz praktikabel ist und die beobachtete Kompressionsfrequenz nur minimal vom Goldstandard abweicht. Mit diesen Ergebnissen lassen sich nun kostengünstige CPR-Trainingsgeräte für den Einsatz in der Breite entwickeln. Vor allem Regionen ohne geeignete Trainingseinrichtungen könnten von praktikablen, kostengünstigen Trainingstechnologien profitieren. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Hardware in Smartphones ist auch eine Integration unserer Methode in zukünftige Smartphones als App möglich. Das Smartphone wird so zum persönlichen Wiederbelebungstrainingsgerät. Auch die Integration in Defibrillatoren ist denkbar, eine integrierte Kamera könnte die CPR beobachten und akustische Hinweise geben. Damit wäre auch die Unterstützung eines Retters im Realeinsatz möglich.

Zum Preisträger: Christian Lins studierte Medieninformatik und Informatik an der Hochschule Osnabrück (Abschlüsse 2009 Dipl.-Inf. (FH), 2012 M.Sc.) und ist seit 2013 Doktorand am OFFIS-Institut und der Abteilung Assistenzsysteme und Medizintechnik. Er befasst sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit evolutionärer Optimierung von Klassifikationsmodellen. Zudem engagiert er sich in der Promovierendenvertretung der Universität.

Hermine Heusler-Edenhuizen Preis - SoSe 2019:
Saskia Breuel

Titel der Publikation: "Combining Engineered U1 snRNA and Antisense Oligonucleotides to Improve the Treatment of a BBS1 Splice Site Mutation"
Autoren: Saskia Breuel, Mariann Vorm, Anja U. Bräuer, Marta Owczarek-Lipska und John Neidhardt
Abteilung, Department oder Universitätsklinik: Abteilung für Humangenetik, Department für Humanmedizin
Journal: Molecular Therapy Nucleic Acids, 2019, Volumen 18, S. 123-130

Zusammenfassung zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:
Retinale Degenerationen (RD) sind seltene Erbkrankheiten, die durch den progressiven Verlust der Sehzellen häufig zu Blindheit führen und dadurch die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigen. Weltweit sind in etwa 1 von 3000 Individuen von RD und den damit verbundenen enormen sozioökonomischen Problemen betroffen. Therapeutische Behandlungsmöglichkeiten sind durch die genetische Heterogenität selten verfügbar oder zeigen nur geringfügig eine effiziente Wirkung. Deshalb ist die Entwicklung neuer therapeutischer Vorgehensweisen dringend notwendig.
So untersuchten sie eine Familie, in der ein Mitglied von der zur Gruppe der retinalen Degenerationen gehörenden Erkrankung Retinitis Pigmentosa betroffen war. Auf molekularer Ebene wird die Erkrankung durch eine Mutation verursacht, die zu einem veränderten Spleißmuster des Gentranskriptes führt. Dadurch ist die Menge des normalen Genproduktes für den Erhalt und die Funktion der Sehzellen nicht ausreichend und diese sterben mit der Zeit ab.
In ihrem Paper „Combining engineered U1 snRNA and antisense oligonucleotides to improve the treatment of a BBS1 splice site mutation“ entwickelten sie unter Verwendung Patienten-abgeleiteter Fibroblasten einen neuen, erstmals erfolgreichen Therapieansatz zur Bewältigung der schädlichen Auswirkungen der Mutation. Sie kombinierten zwei Techniken, die beide die Menge an korrekt-gespleißtem Transkript erhöhten und den Therapieeffekt dadurch synergistisch verbessern konnten. Diese Kombinationstherapie ist signifikant effizienter, als eine zuvor von der Human Genetics Division of the School of Medicine and Health Science at the University of Oldenburg publizierte Technik. Sie konnten mit ihren Ergebnissen außerdem zeigen, dass dieser neue therapeutische Ansatz keinen Anstieg des Zelltods der behandelten Patientenzellen hervorruft und somit eine hohe Sicherheit aufweist.

Zur Preisträgerin: Saskia Breuel ist Biologiestudentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und hat in der Abteilung für Humangenetik an der Fakultät VI ihre Masterarbeit zum Thema „Gentherapeutische Korrektur von mutations-induzierten BBS1 Spleißdefekten mittels AONs und mutations-adaptierter U1 snRNA“ mit einer 1,0 abgeschlossen. Sie absolvierte ihre Bachelorarbeit in der Abteilung Neurogenetik.

Hermine Heusler-Edenhuizen Preis - WiSe 2019/2020:
Dr. Florian Kasten

Titel der Publikation: "Integrating electric field modeling and neuroimaging to explain inter-individual variability of tACS effects"
Autoren: Kasten Florian, H; Duecker, Katharina; Maack, Marike C; Meiser Arnd; Herrmann, Christoph S.
Abteilung, Department oder Universitätsklinik: Abteilung für Allgemeine Psychologie, Department für Psychologie
Journal: Nature Communications, 2019, 10, 1–11

Zusammenfassung zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation: Die nicht-invasive transkranielle Hirnstimulation mittels Direkt- oder Wechselstromstimulation (engl. transcranial direct/alternating current stimulation, tDCS/tACS) bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für die zukünftige Therapie von neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, sowie für die neurowissenschaftliche Grundlagenforschung. So lassen sich beispielsweise durch tACS Hirnoszillationen in ihrer Frequenz und Amplitude beeinflussen. Jedoch stellten sich die Effekte in Vergangenheit als relativ schwach und variabel heraus. Einige Kritiker stellen die Wirksamkeit des Verfahrens generell in Frage und vermuten peripher-physiologische Mechanismen hinter den Stimulationseffekten (z.B. Stimulation retinaler oder kutaner Nervenzellen).In dem hier vorgestellten Paper wurde untersucht inwieweit sich die Stärke von tACS-Effekten durch Unterschiede in der Hirnanatomie und daraus resultierende Unterschiede der im Gehirn  induzierten elektrischen Felder vorhersagen lassen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein beträchtlicher Anteil der Variabilität des Stimulationseffekts durch diese inter-individuellen Unterschiede erklärt werden kann und liefern wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Anwendung des Verfahrens. So ist das Vorhandensein einer Dosis-Wirkrelation zwischen dem elektrischen Feld im Gehirn und dem Stimulationseffekt als Evidenz dafür zu werten, dass die Wirkmechanismen des Verfahrens im Gehirn zu verorten sind und nicht durch peripher-physiologische Mechanismen zustande kommen. Darüber hinaus deuten die Resultate darauf hin, dass die Effektivität der Stimulation durch individualisierte Stimulationsprotokolle deutlich gesteigert werden kann, wovon insbesondere die therapeutische Anwendung profitieren würde. Schließlich präsentiert das Paper einen neuen Ansatz zur Auswertung von Effekten der elektrischen Hirnstimulation. Oft werden diese mit einfachen Mittelwertsvergleichen untersucht. Derartige statistischen Modelle unterliegen jedoch der impliziten Annahme, dass die Stimulation relativ konsistente Effekte über alle Probanden erzeugt. Ein Test auf das Vorhandensein von Dosis-Wirkrelationen bezieht hingegen explizit mit ein, dass einige Individuen schwächere oder keine Effekte zeigen, wenn das gewählte Stimulationsprotokoll ungeeignet ist. Das Model bildet hierdurch die zugrunde liegenden Wirk-mechanismen genauer ab.  Zudem sind solche Wirkrelationen schwieriger mit Alternativerklärungen wie Placebo-Effekten in Einklang zu bringen, wodurch das Model für solche Konfundierungen besser kontrolliert. 

Zum Preisträger: Dr. Florian H. Kasten studierte den internationalen Masterstudiengang „Neurocognitive Psychology“ an der Universität Oldenburg und promovierte dort zu physiologischen und Verhaltenseffekten der transkraniellen Wechselstromstimulation zum Dr. rer. nat. in Psychologie. Er arbeitet zurzeit als Post-Doc in der Abteilung für Allgemeine Psychologie.

Hermine Heusler Edenhuizen Preis - SoSe 2020:
Anne Gläser

Titel der Publikation: "Identification of Brain-Specific Treatment Effects in NPC1 Disease by Focusing on Cellular and Molecular Changes of Sphingosine-1-Phosphate Metabolism"
Autoren: Anne Gläser, Franziska Hammerl, Markus H. Gräler, Sina M. Coldeway, Christin Völker, uvm.

Abteilung, Department oder Universitätsklinik: Abteilung für Anatomie, Department für Humanmedizin
Journal: International Journal of Molecular Sciences, Jahr: 2020, Volume: 21

Zusammenfassung zu Hintergrund, Fragestellung und Bedeutung der Publikation:
Niemann-Pick type C1 (NPC1) is a lysosomal storage disorder, inherited as an autosomal-recessive trait. Mutations in the Npc1 gene result in malfunction of the NPC1 protein, leading to an accumulation of unesterified cholesterol and glycosphingolipids. Beside visceral symptoms like hepatosplenomegaly, severe neurological symptoms such as ataxia occur. Here, we analysed the sphingosine-1-phosphate (S1P)/S1P receptor (S1PR) axis in different brain regions of Npc1-/- mice and evaluated specific effects of treatment with 2-hydroxypropyl-β-cyclodextrin (HPβCD) together with the iminosugar miglustat. Using high-performance thin-layer chromatography (HPTLC), mass spectrometry, quantitative real-time PCR (qRT-PCR) and western blot analyses, we studied lipid metabolism in an NPC1 mouse model and human skin fibroblasts. Lipid analyses showed disrupted S1P metabolism in Npc1-/- mice in all brain regions, together with distinct changes in S1pr3/S1PR3 and S1pr5/S1PR5 expression. Brains of Npc1-/- mice showed only weak treatment effects. However, side effects of the treatment were observed in Npc1+/+ mice. The S1P/S1PR axis seems to be involved in NPC1 pathology, showing only weak treatment effects in mouse brain. S1pr expression appears to be affected in human fibroblasts, induced pluripotent stem cells (iPSCs)-derived neural progenitor, and neuronal differentiated cells. Nevertheless, treatment-induced side effects make examination of further treatment strategies indispensable.

Zur Preisträgerin: Anne Gläser ist Promotionsstudentin an der Universität Oldenburg in der Abteilung Anatomie. Sie beschäftigt sich mit der Analyse gewebespezifischer Behandlungseffekte bei der lysosomalen Lipidspeichererkrankung Morbus Niemann-Pick Typ C1. Zurzeit beschäftigt sie sich mit der Fertigstellung ihrer Promotionsschrift und möchte auch weiterhin im Bereich der Forschung tätig bleiben.

(Stand: 09.06.2021)