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Danielle Roster

Kurzvita

Danielle Roster studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Salzburg. 1991 Magisterarbeit „Grenzen und Chancen einer Musikerin im Zeitalter des Sonnenkönigs“. Seit 1993 Kultur- und Musikbeauftragte des Frauendokumentationszentrums Thers Bodé in Luxemburg, gründete und betreut dort u.a. das Frauenmusikförderprojekt 'EUTERPE - Fraëmusekforum am CID'sowie die Komponistinnen-Archive Helen Buchholtz und Lou Koster. Seit Sommer 2012: Doktorandin (binationale Promotion Universität Oldenburg bei Prof. Dr. Melanie Unseld & Universität Luxemburg bei Ass. Prof. Dr. Sonja Kmec).

Dissertationsprojekt

Das Forschungsvorhaben besteht darin, die Lebensgeschichte der Komponistin Lou Koster (1889-1973) zu untersuchen: Ihr Schaffen soll vor dem Hintergrund der luxemburgischen Musik- und Kulturgeschichte beleuchtet und unter Genderaspekten analysiert werden. Dabei wird gleich in dreifacher Hinsicht Neuland betreten: Zu Koster liegt bisher keine umfassende wissenschaftliche Arbeit vor. Durch die Gründung des Archiv Lou Koster im Cid-femmes, für die die Antragstellerin verantwortlich zeichnet, steht allerdings eine reichhaltige Quellensammlung für eine Auswertung bereit. Auch die Musikgeschichte Luxemburgs sowie Genderfragen in Bezug auf die luxemburgische Geschichte und Kulturgeschichte wurden bisher nur sehr rudimentär erforscht.

Im Musikschaffen in Luxemburg spielt bis zum Zweiten Weltkrieg Traditionsnähe, Referenz auf Historisches und Distanzierung zur Avantgarde eine besondere Rolle. Diese Asynchronität wurde bisher pauschal mit Rückständigkeit und Modernitätsverweigerung gleichgesetzt, ohne Musik und Kontext zu analysieren. Mein Ziel ist es, am Beispiel Kosters, die ‚Ungleichzeitigkeit‘ der luxemburgischen Musikgeschichte aus neuer Perspektive zu betrachten. Wurde sie nicht im Zuge des Konstruktionsprozesses nationaler kultureller Identität als Eigenheit gefördert? Ich möchte die Hypothese einer „Demokratisierung von Musik mittels einer Ästhetik der Einfachheit“, für die sich im Schrifttum zur Musik Spuren finden, formulieren und überprüfen und Kosters Ästhetik der Klarheit unter diesem Blickpunkt untersuchen.

Weiterer zentraler Aspekt ist es, geleitet von den Theorien zum Performativen, den Konstruktionen von Geschlechtsidentität / Identität in Biographie wie Werk nachzuspüren. Wie äußert sich Kosters ‚Doing Gender‘ im musikbezogenen Handeln? Welche intertextuellen Lektüren lassen sich aus ihrer Vokalmusik herauslesen, wie geht sie mit den ‚preferred readings‘ des Dichters um (Stuart Mill), welche ‚negociated readings‘ bietet sie an, mit welchen textlich-musikalischen Mitteln transformiert sie Bedeutungen? Inwiefern beteiligt sich Koster am Konstruktionsprozess nationaler kultureller Identität? Einflüssen aus dem Ausland, der ‚Referenz auf das Fremde‘ als zentrifugaler Kraft, soll ebenso nachgespürt werden. Auch den Blick auf Koster, die aktive Aneignung, Interpretation und Auslegung des Werks durch die Rezipienten, soll am Beispiel der Medien (Presse, Radio Luxemburg) untersucht werden.

Veröffentlichungen

Bücher

Roster, Danielle: Allein mit meiner Musik. Komponistinnen in der Musikgeschichte. Editions PHI, Echternach 1995. Frz. Übersetzung: Les Femmes et la création musicale. Paris: Editions l'Harmattan, 1998. / Taschenbuchausgabe: Die großen Komponistinnen. Frankfurt/Main: Insel Verlag 1998.

Roster, Danielle: Clara Schumann-Wieck. '...diese Stunden des Selbstvergessens, wo man nur noch in Tönen atmet.` Luxemburg, Echternach: Editions Phi 1993.

Herausgabe

Roster, Danielle; Wagener, Renée, Hg.: Not the girl you’re looking for: Melusina rediscovered: Objekt + Subjekt Frau in der Kultur Luxemburgs. Luxemburg : Cid-femmes & Schortgen, 2010.

Aufsätze/ Beiträge

„Julie Candeille“; „Chances et limites d’une compositrice au siècle des Lumières“. In : Krief, Huguette ; André, Valérie, Hg.: Dictionnaire des Femmes des Lumières. Paris : Ed. Honoré Champion (in Vorbereitung).

„Wilhelmine von Bayreuth“; „Ethel Smyth“; „Helen Buchholtz“; „Lou Koster“ ; „Germaine Tailleferre“. In: Didier, Béatrice ; Calle-Gruber, Mireille ; Fouque, Antoinette: Le Dictionnaire des Femmes Créatrices. Paris: Ed. Des Femmes (in Vorbereitung).

„Natur und Emotionen in der Musik. Lou Kosters Hochsommer - Zwei Lieder von Anise Koltz“. In : Conter; Claude D.; Sahl, Nicole, Hg.: Aufbrüche und Vermittlungen: Beiträge zur Luxemburger und europäischen Literatur- und Kulturgeschichte. Bielefeld: Aisthesis Verlag, 2010: 513-532.

„Helen Buchholtz“; „Lou Koster“. In: Kreutziger-Herr, Annette; Unseld, Melanie Hg.: Lexikon Musik und Gender. Kassel u. Stuttgart: Bärenreiter-Verlag, Verlag J.B. Metzler, 2010: 160f., 213f.

„Lou Koster“; „Helen Buchholtz“. In: Borchard, Beatrix, Hg.: Musikvermittlung und Genderforschung. Musikerinnen-Lexikon und multimediale Präsentationen. Hamburg: Hochschule für Musik und Theater, 2003ff., hier 2008, aktualisiert 2012. mugi.hfmt-hamburg.de

„Francesca Caccini“. In : Henneau, Marie-Elisabeth ; James-Raoul, Danièle ; Wilson-Chevalier, Kathleen; Grande, Nathalie, Hg.: Dictionnaire des femmes de l'Ancienne France. Paris: SIEFAR - Société Internationale pour l'Etude des Femmes de l'Ancien Régime, 2002ff., hier : 2005. www.siefar.org/dictionnaire/fr/Accueil

„Limites et chances d'une musicienne à l'époque du Roi-Soleil“. In: Sextant. Revue du groupe interdisciplinaire d'Etudes sur les Femmes (ULB – Université Libre de Bruxelles). 11 (1999): 115-134.

„La compositrice Lou Koster (1889-1973) “. In: Sextant. Revue du groupe interdisciplinaire d'Etudes sur les Femmes (ULB – Université Libre de Bruxelles). 12 (1999): 87-116.

„Francesca Caccini (1587-1645?): ‚Bevor ich den Wunsch zu studieren aufgäbe, verlöre ich eher mein Leben...‘ “ In: Mayer, Clara, Hg. Annäherung IX an sieben Komponistinnen: Mit Berichten, Interviews und Selbstdarstellungen. Kassel: Furore 1998. S. 6-24.

„Die Komponistin Lou Koster.“ In: Goetzinger, Germaine; Lorang, Antoinette; Wagener, Renée Hg.: ‘Wenn nun wir Frauen auch das Wort ergreifen...‘: Frauen in Luxemburg: 1880-1950. Luxemburg: Publication Nationale, 1997. S. 289-307.

„Elisabeth-Claude Jacquet de La Guerre: ‚Mit großen Musikern habe ich um den Preis gekämpft.‘ “ in: Mayer, Clara, Hg. Annäherung VI an sieben Komponistinnen: Mit Berichten, Interviews und Selbstdarstellungen. Kassel: Furore 1995.S. 69-79.

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