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“... auf durchlauchtigstes Begehren...“

 

Adlige BesucherInnen und WidmungsträgerInnen

der Hamburger Oper am Gänsemarkt (1678-1738)

Ein Forschungsseminar mit Dr. phil Birgit Kiupel

 

Das Klischee von der Hamburger „Bürgeroper“ sitzt fest - trotz aller neuen Forschungsergebnisse.Dabei wurden mindestens 50 von den rund 320 dort aufgeführten Werken MonarchInnen und FürstInnen aus ganz Europa gewidmet, also rund 1/6 des Repertoires, wie Dorothea Schröder ermittelte. Und einer der maßgeblichen Mitbegründer und Besucher war Christian Albrecht von Holstein-Gottorf, verwandt mit dem Haus Oldenburg.

FürstInnen und Adlige aus Norddeutschland, Skandinavien und Russland

saßen in diesem Fachwerkbau an der Binnenalster. Doch gibt es noch viele Fragen, etwa im Hinblick auf die Rezeption. Was gefiel, was missfiel? Gab es möglicherweise Äusserungen in Briefen und Tagebüchern? Wie wurde so ein Opernbesuch geplant und protokolliert? Und was für Erkenntnisse lassen sich gewinnen, wenn Libretti als historische Quellen gelesen werden? Sind Anspielungen auf individuelle Persönlichkeiten und Konflikte nachweisbar? Welche Ideale werden gespiegelt und ggf. problematisiert? Welche Themen blieben ausgespart? Welche Diskussionen gab es etwa über die Herrschaft von Frauen? So rät 1718 der General Marzianus dem Kaiser Theodosius in der Oper

„Theodosius“, doch auf den Rat seiner Schwester Pulcheria zu hören: :

"Es ist dem Reiche nützlich und heilsam / daß Du zuweilen über die schweren zweifelhaften Reichs=Geschäffte mit der Pulcherien sonderbahren Verstand Dich berathfragest." ( I, 12)


Geplant sind:

 

Yvonne Kölling wird über ihre Studie einer verhinderten Eheschließung (1649-1657) in Rastede berichten: zwischen der Hofjungfer Anna Catharina von und zu Fränking und dem Militär Alexander Andreas von der Osten, zur Regierungszeit von Graf Anton Günter (1583-1667) und Gräfin Sophia Katharina von Schleswig-Holstein (1617-1696). Zwar fand dieses reale Liebes-Drama vor der Gründung der Gänsemarkt-Oper statt, doch sind hier Mentalitäten und Verhaltensweisen nachweisbar, wie sie später auch auf und vor der Hamburger Bühne wirksam waren.

Außerdem wird ein Besuch im Niedersächsischen Landesarchiv methodische Fragen klären. Dr. Henninger hat eine Liste der interessanteren vorzeigbaren Archivalien zusammengestellt (komplette für das 17. Jh.). Aufgrund des dynastischen Bruchs nach 1667, ist aus der Zeit vor 1800 recht wenig überliefert, wenngleich es sich teilweise um Widmungsexemplare handelt. Die Musikgeschichte beginnt für das eigentliche Herzogtum Oldenburg, für das das NLA zuständig ist, erst wieder mit dem Wiederaufstieg zur Residenzstadt Ende des 18. Jahrhunderts bzw. dann mit der Gründung des Staatsorchesters 1832.

Aber unsere Untersuchungen sollen ja auch die Hinterlassenschaften anderer Adelshäuser in den Focus nehmen. (Holstein-Gottorf; Königsmarck, die dänischen und schwedischen KönigInnen etc.)

 

Literatur:

 

Kiupel, Birgit: Zwischen Liebe, Krieg und Ehe.

Studien zur Konstruktion von Geschlecht und Liebe in den

Libretti der Hamburger Gänsemarkt-Oper (1678-1738).

Freiburg/Breisgau 2010.

 

Koelling, Yvonne: «... kann ich mein Hertz nicht zwingen». Die Verweigerung einer

Eheschließung in Oldenburg. Oldenburg 2004. Oldenburger Studien, Bd. 53.


Marx, Hans Joachim; Schröder, Dorothea: Die Hamburger Gänsemarkt-Oper.

Katalog der Textbücher (1678–1748). Laaber 1995.


Meyer, Reinhart: Die Hamburger Oper. 4 Bde, München 1980. Bd. 4: Einführung

und Kommentar. New York 1984.


Schröder, Dorothea: Zeitgeschichte auf der Opernbühne. Barockes Musiktheater

in Hamburg im Dienst von Politik und Diplomatie (1690–1745). Göttingen 1998.


Steinwascher, Gerd: Die Oldenburger. Die Geschichte einer europäischen Dynastie.. Stuttgart 2011.


Wendt, Joachim; (Henninger, Wolfgang): Der Auricher Hofkomponist Mathias Christoph Wiedeburg (1690-1745). In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands 77, 1997, S. 68-94.

Wiedeburg war vor 1724 unter Reinhard Keiser an der Gänsemarktoper tätig und ging 1728 nach Aurich. Er ist der Vater des Organisten Wiedeburg in Norden/Ostfriesland.

Muusssik-yoWebmasnjuzrter (musik@uol.p8decmzcc) (Stand: 07.11.2019)