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Nils Marscheider

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  • Apfelzucht im Botanischen Garten: Im Projekt EGON untersuchen Stefanie Sievers-Glotzbach und ihre Kollegen die Entwicklung von ökologisch gezüchteten Obstsorten in gemeingutbasierten Initiativen. Eines der Ziele: Alte und besonderen Sorten, die sich vor allem durch ihre Robustheit gegen verschiedene Pilzerkrankungen auszeichnen, weiterzuentwickeln.

Saatgut für die Zukunft

Stefanie Sievers-Glotzbach erforscht, wie gemeingüterbasierte Rechte an Saatgut und Sorten den Pflanzenbau sozial und ökologisch nachhaltig verändern können – und damit zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft beitragen.

Stefanie Sievers-Glotzbach erforscht, wie gemeingüterbasierte Rechte an Saatgut und Sorten den Pflanzenbau sozial und ökologisch nachhaltig verändern können – und damit zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft beitragen.

Schon zu Schulzeiten interessierte sich Stefanie Sievers-Glotzbach für naturwissenschaftliche und gesellschaftliche Themen. Als Studentin engagierte sie sich in einer Lebensmittelkooperative und anderen ehrenamtlichen Gruppen. Aus dem privaten Interesse wurde bald ein wissenschaftliches: Nach ihrem umweltwissenschaftlichen Studium in Lüneburg promovierte sie dort zu der Frage, wie man natürliche Ressourcen so nutzen kann, dass es global und für zukünftige Generationen gerechter zugeht. Doch der Forschungsansatz war ihr auf Dauer zu theoretisch, die junge Wissenschaftlerin wollte raus aus dem stillen Kämmerlein. 2012, noch während der Promotion, bot sich ihr dann eine spannende Perspektive in der Oldenburger Arbeitsgruppe Ökologische Ökonomie: Hier war sie in Kontakt mit den Naturwissenschaften, koordinierte einen Masterstudiengang im Bereich Nachhaltigkeit und betreute viele Lehrveranstaltungen.

Wenige Jahre später reichte sie bei einer Ausschreibung des Bundesforschungsministeriums ein Projekt ein, das ihrem Anspruch, mit Forschung auch gesellschaftlich etwas zu bewegen, gerecht wurde – mit Erfolg. Seit Ende 2016 geht die 35-Jährige nun mit ihrer Nachwuchsgruppe „Right-Seeds“ der Frage nach, inwieweit ge meingüterbasierte Rechte an Saatgut und Sorten einen ökologischen und sozialen Wandel im Pflanzenbau anstoßen können. Ihre Juniorprofessur „Ökonomie der Gemeingüter“, die sie seitdem innehat, ist einzigartig in Deutschland. „Die Gemeingüterforschung berührt viele Disziplinen, von der Umweltökologie bis zu den Politikwissenschaften. Das versuchen wir zusammenzubringen“, sagt Prof. Dr. Stefanie Sievers-Glotzbach.

Die Wiederentdeckung der Gemeingüter

Darüber, was Gemeingüter sind und wie man sie definieren kann, wird viel diskutiert. Im Ursprung bezieht sich der Begriff auf knappe natürliche Ressourcen wie Weideland oder Fischbestände, für deren Nutzung die Menschen gemeinsam Regeln aufstellen. „Auch Saatgut wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Landwirten als Gemeingut erhalten, getauscht und auf den Feldern weiterentwickelt“, erklärt Sievers-Glotzbach. Heute sei die Pflanzenzüchtung in großen Teilen ein kommerzielles System, das auf biotechnologische Methoden, nicht nachbaufähiges Saat-gut und Patentierung setze. Die Folge: Weltweit geht die Vielfalt kultivierter Nutzpflanzen zurück, die Bauern sind von den Herstellern abhängig und es gibt wenig angepasste Sorten für Standorte mit ungünstigen Anbaubedingungen und für den Ökolandbau.

„Als Reaktion auf diese Entwicklung entstehen seit einigen Jahren vermehrt Initiativen, die sich auf den Gemeingutansatz zurückbesinnen“, erzählt Sievers-Glotzbach. Was sie auszeichnet: Die Beteiligten teilen ihr Wissen miteinander, stellen gemeinsam Regeln für die Nutzung des Saatguts auf und verzichten auf den Schutz ihrer Sorten. Die Akteure sind in Vereinen und Netzwerken organisiert, es gibt Lebensmittelhändler, die sich für das Thema interessieren, und natürlich NGOs und Interessenverbände. Daran knüpfen die Wissenschaftlerinnen von RightSeeds an: Sie verbinden ökologische, politische, wirtschaftliche und ethische Analysen und arbeiten mit Praxispartnern zusammen – darunter ein Netzwerk auf den Philippinen. Den internationalen Austausch – auch mit Kollegen aus der Forschung – schätzt Sievers-Glotzbach sehr.

Widerstandsfähigkeit  von Agrarsystemen  verbessern

Sie selbst ist im Projekt vor allem für den konzeptionellen Rahmen verantwortlich. Dafür untersucht sie die sogenannte Resilienz von Agrarsystemen – die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen wie dem Klimawandel, Krankheiten oder Preisänderungen. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass gemeingutbasierte Züchtung hier einen Vorteil gegenüber privatwirtschaftlichen Unternehmen hat: „Züchter und Saatgutproduzenten arbeiten enger zusammen und beziehen auch die Bauern mit ein. Die Sorten werden vornehmlich in ihrer natürlichen Umgebung gezüchtet.“ Das Ergebnis: Die Akteure sind flexibler und unabhängiger; die Pflanzen sind besser angepasst und dadurch widerstandsfähiger. Da die Landwirte weniger Pestizide und Düngemittel verwenden müssen, sei dieser Ansatz vor allem für den Ökoanbau attraktiv.

Die zweite Frage, der Sievers-Glotzbach im Projekt auf den Grund geht: Welchen Beitrag können die Initiativen zu einer gesamtgesellschaftlichen Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit leisten? „Ich möchte einerseits herausfinden, ob sie einen transformativen Charakter haben“, erklärt sie. Das sei dann der Fall, wenn die Akteure gesellschaftliche Paradigmen hinterfragen, indem sie beispielsweise nicht der Maxime des ökonomischen Wachstums folgen oder neue Sorten auf dem Feld statt im Labor entwickeln. „Wir untersu-chen auch die konkrete transformative Wirkung. Dafür schauen wir uns an, wie die Initiativen Einfluss auf politische Prozesse nehmen“, sagt die Expertin. So setzten sich einige NGOs für eine Änderung der EU-Saatgutverordnung ein, um die Zulassung ökologisch gezüchteter Sorten zu erleichtern.

Im Projekt EGON, gefördert aus dem Niedersächsischen Vorab der VolkswagenStiftung, arbeitet Sievers-Glotzbach an ähnlichen Fragestellungen: Gemeinsam mit Kollegen mehrerer Arbeitsgruppen erforscht sie hier die Entwicklung ökologisch gezüchteter Obstsorten in gemeingutbasierten Initiativen. Wenn die Zeit es zulässt, unterstützt die Wissenschaftlerin aktiv Projekte wie Büchertausch-Schränke oder Foodsharing. In Oldenburg könne man außerdem gut nachhaltig einkau-fen: „Wir bekommen zum Beispiel eine Gemüsekiste vom Bioladen“, erzählt sie. Man dürfe bei dem Thema aber auch nicht zu streng mit sich selber sein. „Auch ich bin nicht immer konsequent“, gibt sie schmunzelnd zu.

 

Pressrsise &hbjur Kommjdmunimaekatiq45hkonjr9x6 (presse@uo3dvyl.dw2egh) (Stand: 15.03.2019)