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"Saubere Spiele wären ein Novum"

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind noch jung, doch es gab schon den ersten Dopingfall. Warum Proben und Repressionen allein den Sport nicht sauberer machen - darüber sprechen die Sportwissenschaftler Prof. Dr. Dirk Büsch und Dr. Katharina Pöppel im Interview.

Staatsdoping in Russland, manipulierte Proben-Fläschchen - das waren die Skandale unmittelbar vor den Olympischen Winterspielen. In Pyeongchang wurde bereits ein japanischer Shorttrack-Läufer wegen Dopings suspendiert. Foto: istockphoto.de/sportpoint

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind noch jung, doch es gab schon den ersten Dopingfall. Warum Proben und Repressionen allein den Sport nicht sauberer machen - darüber sprechen die Sportwissenschaftler Prof. Dr. Dirk Büsch und Dr. Katharina Pöppel im Interview.

FRAGE: Dopingdiskussionen vor den Spielen, nun der erste konkrete Fall: Werden diese Winterspiele besonders schmutzig?

PÖPPEL: Zunächst einmal ist es wichtig, auch die mediale Berichterstattung über Doping kritisch zu hinterfragen. Nach den ersten deutschen Medaillen gleich zu Beginn der Spiele ist das Thema schnell wieder abgekühlt – da zählt dann doch vor allem der Medaillenspiegel. Ansonsten ist der Einsatz von Mitteln zur Leistungssteigerung leider so alt wie die Olympischen Spiele selbst. Nur, dass Athleten heute unter Generalverdacht stehen – „in dubio pro reo“ greift nicht mehr. Das ist bedauerlich für die sauberen Athleten.

BÜSCH: Im Übrigen können wir auch bei diesen Spielen davon ausgehen, dass die meisten Dopingfälle erst im Nachhinein aufgedeckt werden – dank dann verbesserter Dopinganalysemethoden. Die Ergebnislisten sind daher oftmals über viele Jahre hinweg nur vorläufig, was den sportlichen Charakter der Olympischen Spiele desavouiert und die Begeisterung für den Wettkampf gravierend schmälert.

PÖPPEL: Paradox ist übrigens, dass die Anzahl entnommener Dopingproben bei Olympischen Spielen stetig ansteigt; dennoch gewinnt man den Eindruck, dass dies das Dopingausmaß nicht einschränkt. Wenn man Doping verhindern möchte, muss man anders vorgehen…

FRAGE: Was sollten die Verantwortlichen denn Ihrer Meinung nach tun?

PÖPPEL: Wichtig für eine erfolgreiche Dopingbekämpfung sind zum einen international vergleichbare Standards. Dann können sich auch die überführten Athleten nicht mehr relativierend aus der Affäre ziehen. Zum anderen müssen mehr finanzielle Mittel für die Prävention zur Verfügung gestellt werden: Dopingproben und Repression sind sicher nötig, aber sie verbessern den Sport nicht. Zumal man mit dem Verbot von leistungssteigernden Substanzen immer einen Schritt hinter den aktuellen Entwicklungen hinterherhinkt.

FRAGE: Sie bereiten derzeit ein Antragsprojekt zur Dopingprävention im Nachwuchsleistungssport vor. Worum geht es?

PÖPPEL: Bei der Dopingprävention geht es vor allem um den Schutz junger Athleten, noch bevor sich Dopingverhalten manifestiert hat. Denn gerade für Heranwachsende kann die Einnahme von Dopingsubstanzen oder auch Nahrungsergänzungsmitteln besonders weitreichende, mitunter gesundheitsschädigende Folgen haben. Zumal diese Risiken aus der jugendlichen Perspektive heraus in der Regel nicht ausreichend reflektiert werden.

BÜSCH: Mit unserem Projektvorhaben, das wir beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft beantragen wollen, möchten wir dazu beitragen, im deutschen Nachwuchsleistungssport ein entsprechendes Qualitätsmanagement zu etablieren.

FRAGE: Gibt es Zahlen darüber, wie weit Doping unter Heranwachsenden verbreitet ist?

BÜSCH: Für den deutschen Nachwuchsleistungssport gibt es derzeit weder aktuelle noch zuverlässige Zahlen zur Dopingprävalenz. Auch für den internationalen Nachwuchsleistungssport ist die Datenlage als indifferent einzuschätzen. Eine systematische Datenerfassung wäre jedoch für den nationalen wie internationalen Nachwuchsleistungssport sicherlich hilfreich.

FRAGE: Unter welchen Bedingungen kann Dopingprävention bei jungen Athleten gelingen?

PÖPPEL: Wir sehen Prävention vor allem als pädagogischen Lernprozess an, der nur funktioniert, wenn der Athlet einbezogen und selbst aktiv wird und einen positiven Sinn in seinem Engagement sieht. Außerdem sollte das Umfeld des Athleten viel stärker als bisher berücksichtigt werden. Damit meine ich vor allem Trainer und Eltern. Schließlich sind sie es, die einen Nachwuchssportler in seinen jungen Jahren am stärksten beeinflussen – hier erfolgt eine Erstsozialisation, die auch die Einnahme von Schmerzmitteln, Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln beinhalten kann.

BÜSCH: Neben dem pädagogischen Lernprozess wird es auch darauf ankommen, das Training und das Wettkampfsystem unserer Nachwuchsathletinnen und -athleten stärker als bisher perspektivisch, das heißt auf langfristige und nicht kurzfristige Erfolge auszurichten, um ihre eigenverantwortliche sportliche Entwicklung erfolgreich zu fördern.

FRAGE: Wie ist die Dopingprävention in Deutschland geregelt? Wie steht die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) dazu?

PÖPPEL: In Vorgesprächen zum Projektantrag wurde ersichtlich, dass Prävention in Deutschland von der NADA und der Deutsche Sportjugend (dsj) im Olympischen Sportbund zwar mit gleichermaßen viel Engagement, aber sehr unterschiedlichen Ressourcen betrieben wird. Wobei bisher immer noch ein Großteil des Budgets in Dopingkontrollen und Analytik fließt, respektive fließen muss. NADA und dsj sind aber darum bemüht, ihre Präventionsangebote an aktuelle Entwicklungen anzupassen.

FRAGE: Bleiben „saubere“ Spiele ein Märchen oder wird es sie irgendwann doch geben?

BÜSCH: Ehrlich gesagt: Saubere Spiele wären ein Novum – wir sollten die Latte auf eine realistische Höhe legen. Zumal auch unwissentliches Doping, beispielsweise durch verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel, immer passieren kann.

PÖPPEL: Letztendlich ist jeder einzelne Athlet, der sich gegen den Einsatz von Doping entscheidet, ein Erfolg für den Sport und die Olympischen Werte.

Presse & Kommunikation (Stand: 22.10.2018)