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Botanischer Garten

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Andrea Lübben
Tel: 0441-798/6900
bot.garten(at)uni-oldenburg.de 

Von Flohpulver, Alraunen und Hobbithöhlen

Der botanische Garten der Universität steckt voller verborgener Schätze. Um viele Pflanzen ranken sich interessante Geschichten – etwa um die hübsche Akelei, den dornigen Ilex oder den exotischen Neuseeländer Flachs. Auf einer Führung für Universitätsmitarbeiter zeigt Klaus Bernhard von Hagen die schönsten Ecken.

Der Blütenstaub männlicher Kiefernblüten hat eine explosive Wirkung. Fotos: Ute Kehse/ Universität Oldenburg

Schnecken mögen die Blätter der Alraune, für Menschen sind sie giftig.

Wie fünf Tauben sind die bizarren Blütenblätter der Akelei angeordnet.

Ende Mai oder Anfang Juni steht die Akelei in voller Blüte.

Küsten-Mammutbäume (Sequoia sempervirens) können 110 Meter hoch werden. Die Oldenburger Exemplare sind erst 60 Jahre alt.

Nachwachsende Rohstoffe eignen sich als Fasern für Kleidung, Farbstoffe oder Energielieferanten.

Der botanische Garten der Universität steckt voller verborgener Schätze. Um viele Pflanzen ranken sich interessante Geschichten – etwa um die hübsche Akelei, den dornigen Ilex oder den exotischen Neuseeländer Flachs. Auf einer Führung für Universitätsmitarbeiter zeigt Klaus Bernhard von Hagen die schönsten Ecken.

Was hat Harry Potter mit der immergrünen Stechpalme zu tun? Fans wissen: Harrys Zauberstab besteht aus dem Holz des Busches, der auch unter seinem wissenschaftlichen Namen Ilex bekannt ist. Warum Joanne K. Rowling gerade dieses Gewächs für den Held ihrer Geschichte auswählte, erläutert Dr. Klaus Bernhard von Hagen: „Der Ilex ist hierzulande eine der wenigen immergrünen Pflanzen und gilt als Symbol des Lebens.“ Kein Wunder also, dass Harry Potter, „der Junge, der überlebte“, einen Zauberstab aus Ilexholz hat.

Auch andere Pflanzen im öffentlich zugänglichen Teil des botanischen Gartens am Philosophenweg haben einen magischen Bezug. Von Hagen führt vor, dass zum Beispiel der Blütenstaub gewöhnlicher Kiefern und die Sporen von Farnen ähnlich explosiv sind wie Flohpulver. In Rowlings Romanen werfen Zauberer diese Substanz ins Feuer, um über ein Netzwerk von Kaminen durch die Gegend zu reisen. Die Sporen von Farnen transportieren zwar niemanden an einen anderen Ort, lassen sich aber effektvoll in Feuer-Shows einsetzen. Sie sind ähnlich explosiv wie Mehlstaub, berichtet von Hagen. Um das zu demonstrieren, zündet er eine Gartenfackel an, nimmt eine Handvoll Sporen und wirft das Pulver Richtung Flamme. Für wenige Sekunden leuchtet ein Feuerball von der Größe eines Fußballs auf – der schnell wieder verschwindet, ohne Schaden anzurichten.

Das Geheimnis der Alraune

Weiter geht es zum Arzneigarten, wo eine Alraune wächst. „Die Zauberpflanze schlechthin“, sagt von Hagen. Mit ihren durch Schneckenfraß löchrigen, rosettenförmig angeordneten Blättern lässt dieses Gewächs auf den ersten Blick keine magischen Kräfte erahnen. Doch alle Teile der Pflanze sind stark giftig, der Genuss verursacht Rauschzustände und kann sogar zum Tod führen. Zur Mythenbildung hat wahrscheinlich vor allem die skurrile Form der langen Wurzeln beigetragen. „Sie sehen häufig aus wie ein Mensch ohne Kopf“, berichtet der Botaniker.

Wundersame Geschichten sind auch mit einigen Beet-Nachbarn der Alraune verbunden – etwa Lungenkraut, Frauenmantel und Schachtelhalm. Diese Pflanzen stehen beisammen, weil sie eine ähnliche Geschichte haben. Es sind sogenannte Signaturenpflanzen, denen – meist im Mittelalter – aufgrund ihrer Form, ihres Geruchs oder ihrer Farbe eine heilende Wirkung zugeschrieben wurde: Das Lungenkraut, dessen gefleckte Blätter einer Lunge ähneln, soll beispielsweise gegen Atemwegserkrankungen helfen. Die runden Blätter des Frauenmantels erinnern an einen Umhang in mittelalterlichen Mariendarstellungen, weshalb vermutet wurde, die Pflanze könne Frauenleiden lindern. „Die Signaturenlehre ist in esoterischen Kreisen nach wie vor verbreitet, entbehrt aber jeder wissenschaftlichen Grundlage. Die allermeisten dieser Pflanzen sind nicht heilkräftig“, berichtet von Hagen.

Symbole im Blütenblatt

Die Akelei, „eine schöne, aber im Garten manchmal lästige Pflanze“, wie von Hagen findet, vereint gleich mehrere christliche Symbole auf sich. Mit ihren dreigeteilten Blättern stand die Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse im Mittelalter für den dreifaltigen Gott. Die Blütenblätter der Akelei erinnern dagegen an Tauben – das Symbol für den Heiligen Geist. Die Spitzen der fünf Blütenblätter lassen sich außerdem zu einem Pentagramm verbinden, auch Drudenfuß genannt, ein Symbol, das in vielen Zusammenhängen auftaucht und unter anderem für die fünf Wunden Christi steht. Die Akelei galt daher lange als heilbringendes Gewächs und ist auf vielen mittelalterlichen Gemälden und Heiligenbildern zu finden.

Im Botanischen Garten kommen nicht nur Harry-Potter-Fans und Freunde der Symbologie auf ihre Kosten. Auf der 3,7 Hektar großen Fläche ist für jeden etwas dabei. Studierende können sich den Stammbaum der Pflanzen und die wichtigsten Merkmale der verschiedenen Pflanzengruppen am lebenden Objekt einprägen, Kinder freuen sich über die Hobbithöhle im Neuseeland-Teil und das Aquarium mit dem Axolotl – einem aus Mexiko stammenden Molch mit der einzigartigen Fähigkeit, verlorene Gliedmaßen wieder nachwachsen zu lassen. Liebhaber des Mittelmeers können im mediterranen Garten ein südliches Flair genießen, Schulklassen in der Grünen Schule experimentieren.

Vitaminbombe Brennnessel

Unter den über 4.000 Pflanzenarten im Botanischen Garten sind nicht nur Rekordhalter wie der gewaltige Riesen-Mammutbaum oder der Neuseeländer Flachs zu finden, dessen schwertförmige Blätter erstaunliche Zugkräfte aushalten. Auch Allerweltsgewächse offenbaren am Philosophenweg ungeahnte Qualitäten. Etwa die Brennnessel: Ihre stabilen Fasern gelten neuerdings als textiles Material der Zukunft, erfahren die erstaunten Besucher. Vegetarier haben das Unkraut außerdem als Vitaminbombe entdeckt. Von Hagen demonstriert, wie man die Blätter am Ansatz anfassen muss, um nicht mit den gefürchteten Brennhaaren in Kontakt zu kommen. Er nimmt ein Blatt vorsichtig zwischen die Finger und bewegt diese dann Richtung Blattspitze, um die Brennhaare unschädlich zu machen. Er faltet das Blatt noch ein paarmal – und steckt es in den Mund. „Schmeckt nach Spinat“, sagt er, und verteilt weitere Probierhäppchen.

Besucher sollten selbstverständlich weder Feuer entfachen noch Blätter von den Pflanzen des Botanischen Gartens abreißen oder irgendwelche Pflanzenteile verspeisen. Nicht wenige sind schließlich giftig. Doch ein Besuch im grünen Außenposten der Universität lohnt sich allemal – zum Beispiel am Schautag. Er findet in diesem Jahr am Sonntag, 17. Juni statt und dreht sich um pharmazeutisch wirksame Pflanzen. Außerdem findet ein abwechslungsreiches Kinder-Mitmach-Programm statt, es gibt Catering und vieles mehr.

Presse & Kommunikation (Stand: 19.10.2018)