TP 1

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Teilprojekt 1: Zugang und Zertifizierung von Vorleistungen

Auszug aus dem Projektantrag

Beschreibung:

Dieses Teilprojekt besteht aus zwei komplementären Teilbereichen: Zum einen sollen die Zugangsmöglichkeiten zum Hochschulstudium für Personen, die nicht über eine klassische Hochschulzugangsberechtigung verfügen, überprüft und neu gestaltet werden. Dabei geht es insbesondere um die zielgruppenspezifische Ausgestaltung der sog. Z-Prüfungsverfahren, in die berufliche Erfah-rungen und außerhalb von Hochschulen erbrachte Lernleistungen einzubeziehen sind. Hierzu zählt auch die Entwicklung von Verfahrensvorschlägen für die Übertragung der sog. „Meisterregelung“ (§ 18, Abs. 1 Nr. 3 NHG) auf andere Berufsgruppen sowie die Einführung eines sog. „Probestudiums“. Zum anderen sollen Verfahren des Nachweises von beruflich oder in einem Studium anderer Fachrichtung erbrachten Vorleistungen im Sinne sog. “credits for prior learning and experience” für Weiterbildungsstudiengänge entwickelt werden. In diesem Bereich knüpft das Teilprojekt 1 an die Ergebnisse des Teilprojekts 4 an. In beiden Bereichen sollen die Potentiale und Einsatzmöglichkeiten der vor allem in den USA bereits verbreiteten sog. Portfolios überprüft werden. Geplant ist die Erstellung von Prototypen für Portfolios, die einen Hochschulzugang ermöglichen bzw. die Anrechnung von Vorleistungen unterstützen.

Hintergrund:

Bislang sehen die Z-Prüfungsverfahren eine enge Kopplung von Lernprozessen (in Form langwieriger und zeitlich aufwendiger Vorbereitungsseminare) und sich daran anschließender Prüfungsleistungen vor. Diese Organisationsform erscheint im Zuge der zunehmenden Verbreitung selbstgesteuerten Lernens und der Forderung nach entkoppelten Lern- und Prüfungsverfahren wenig zeitgemäß. Zudem wird sie den Anforderungen der zeitlich und örtlich wenig flexiblen Berufstätigen nicht gerecht. Auch erlaubt sie keine Berücksichtigung ihrer vorhandenen Kompetenzen Bei einer Individualisierung der Z-Prüfungen mit dem Ziel der Entkopplung von Lern- und Prüfungsleistungen erhalten aber Fragen des Nachweises der vorhandenen Kompetenzen ein größeres Gewicht. Hierzu sollen die Einsatzmöglichkeiten der Portfolioverfahren ausgelotet werden.

Zielsetzungen:

Ziel dieses Teilprojekts ist es, Vorleistungen für den Hochschulzugang bzw. im Sinne von “credits for prior learning and experience” individuell und zugleich im Abgleich mit definierten Standards zu dokumentieren. Ergebnis der Erstellung des Portfolios ist ein Kompetenzprofil, das Auskunft gibt, welche Vorleistungen eines Studieninteressierten Anforderungen des Hoch-schulzugangs bzw. des Curriculums eines Studienfachs bereits erfüllen und wo vom Studieninteressierten noch weitere Leistungen zu erbringen sind, um die definierten Standards zu erfüllen. Im Falle des Hochschulzugangs ist dies Voraussetzung für eine Individualisierung der sog. Z-Prüfungsvorbereitung. In Weiterbildungsstudiengängen stellt ein solches Portfolio die Basis für eine weitreichende Einbeziehung beruflicher und anderer fachrelevanter Vorleistungen dar. In beiden Fäl-len wird die Öffnung der Hochschulen für neue Zielgruppen im Sinne der Bologna-Erklärung unterstützt.

Ergebnisse:

Eine Befragung von Hochschulen, die weiterbildende Studiengänge anbieten ergab, dass Anrechnungsverfahren weitgehend auf Basis von aufwendigen Einzelfallprüfungen durchgeführt werden und insbesondere die Anerkennung von im Rahmen der beruflichen Bildung erworbenen Qualifikationen nur sehr zögerlich erfolgt. Erste Beispiele (z.B. Anrechnung medizinnaher Berufsausbildungen im Rahmen eines Pharmaziestudiums) zeigen, dass die deutschen Hochschulen prinzipiell offen für eine Anrechnung sind. Derzeit besteht aber noch großer Bedarf in der Entwicklung geeigneter Systeme, die nicht nur eine inhaltlichen, sondern auch einen Abgleich von Vorleistungen und Studienleistungen auf Ebene von Lernniveaus ermöglichen. In diesen Fragen von Systemen der Anrechnung von (außerhochschulischen) Vorleistungen auf eine wissenschaftliche Weiterbildung kann auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz im europäischen Raum zurückgegriffen werden, hier sind u.a. Aktivitäten im Rahmen der Erstellung von nationalen Qualifikationsrahmen, auf APEL-Verfahren (accreditation of prior learning and experience) sowie die im englischsprachigen Raum gebräuchlichen National Vocational Qualifications (NVQ) zu nennen. Diese Verfahren wurden im Rahmen des Projektes hinsichtlich ihrer Eignung für eine Übertragung in die deutsche Bildungslandschaft überprüft.

Material 

Wolfgang Müskens
Accreditation of Prior and Experiential Learning (APEL) im Hochschulbereich
[24s/deu/pdf]

University of East London
Assessment and Accreditation of Prior Certificated and Experiental Learning (APEL)
[5s/eng/pdf]

Scholten/Teuwsen (2001)
Accreditation of Prior Learning (APriL)
[78s/eng/pdf]

University of Sioux Falls
APriL @ University of Sioux Falls
[1s/eng/pdf]

Fachkongress 21./22. Januar 2003 in Saarbrücken
Bildungspässe - Machbarkeit und Gestaltungsmöglichkeiten
[102s/deu/pdf]

Bretschneider/Preißer (DIE, 2003)
Sichtbarmachung und Anerkennung von informellem Lernen im Rahmen
der individuellen Erstellung von Weiterbildungspässen
[15s/deu/pdf]

Joint Statement on the Transfer and Award of Credit
[4s/eng/pdf]

European Conference, 5./6. Juni 1998
Assessment of Prior Experiental Learning as a key to lifelong learning
[176s/eng/pdf]

Teichler/Wolter (2004)
Studierchancen und Studienangebote für Studierende außerhalb des Mainstreams in Deutschland
[24s/deu/pdf]

Kaepplinger (DIE, 2002)
Anerkennung von Kompetenzen: Definitionen, Kontexte und Praxiserfahrungen in Europa
[27s/deu/pdf]

Saskatchewan Labour Force Development Board
Prior Learning Assessment & Recognition (PLAR) Services Project (2002)
[45s/eng/pdf]

(Stand: 21.08.2020)