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"Mit der Uni auf Tuchfühlung" - Erlebnisse eines Frühstudenten

Ein Gespräch mit Jannes Precht, 18 Jahre, 13. Klasse eines Oldenburger Gymnasiums.

BildWas ist eigentlich ein Frühstudium?
Beim Frühstudium haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, den Uni- Alltag und die Herausforderungen eines Studiums kennen zu lernen und während der Schulzeit schon mal auszuprobieren.

Wie bist Du zum Frühstudium gekommen?
Einer meiner Lehrer hat mich gefragt, ob ich das nicht machen will. Vorausgesetzt wurden einigermaßen gute Noten, um auch mal  Unterricht verpassen zu können. Und natürlich Interesse, besonderes Fachwissen wurde dagegen nicht erwartet. Zur Auswahl standen Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Informatik.

Warum hast Du dich für Physik entschieden?
Naturwissenschaften finde ich an sich interessant, aber Physik begeistert mich am meisten. Da kennt meine Neugier keine Grenzen. Besonders spannend finde ich, wenn sich durch Modelle technische Geräte oder Vorgänge aus dem Alltag erklären lassen. Schon in der Grundschule wollte ich genau wissen, wie die Dinge funktionieren und habe den Lehrern Löcher in den Bauch gefragt. In der achten Klasse wuchs die Begeisterung für Physik, da habe ich mich mit Phänomenen beschäftigt, die im Unterricht nicht vorkamen.

Welche Vorlesungen hast Du besucht und wie viel Zeit hast Du investiert?
Im Wintersemester 2006/07 habe ich mit Experimental-Physik I angefangen, mit einer Mechanik-Vorlesung, zweimal in der Woche, mit jeweils eineinhalb Stunden. Dazu kam ein Tutorium mit einer weiteren Stunde pro Woche. Im Sommersemester habe ich dann Experimental-Physik II belegt - mit dem gleichen Zeitaufwand: das war Elektrodynamik und Optik. In diesem Semester besuche ich ein Philosophie-Seminar, da  ich wegen wichtiger Unterrichtsstunden nicht zu den Physik-Veranstaltungen gehen kann. Dazu kommt, dass es im dritten Semester von der Mathematik her wesentlich schwieriger wird, da hätten mir wahrscheinlich die Grundlagen gefehlt. Und Philosophie ist auch eine Sache, die mich schon länger fasziniert.

Welche Erfahrungen hast Du an der Uni gemacht?
Rückblickend kann ich sagen, dass ich mir das Frühstudium schwieriger vorgestellt habe - vom Stoff her. Eigentlich bin ich ganz gut mitgekommen. Positive Erfahrungen habe ich auch im Umgang mit den Studenten gemacht: Sie haben mich ernst genommen und fragen konnte ich sie auch immer.

Und wie war das mit den Klausuren?
Das erste Semester habe ich mit 1, 3 - das Zweite mit 1, 0 abgeschlossen, darüber war ich selbst überrascht. Denn ich hatte ja anfangs gar nicht das Gefühl, besonders viel verstanden zu haben. Bei der Vorbereitung auf die Klausur war ich wesentlich ehrgeiziger als in der Schule, hier ging`s ja auch um den Stoff eines gesamten Semesters.  Außerdem habe ich erfahren: In der Uni geht alles schneller und es ist mehr viel mehr Input als in der Schule. Deshalb ist es schwierig, alles auf Anhieb verstehen zu wollen. Aber ich habe gelernt, dass man im Laufe des Semesters, schrittweise einen Zugang zu komplexen Inhalten bekommt. Meine schulischen Leistungen haben nicht unter dem Frühstudium gelitten, allerdings habe ich auch kaum Unterricht versäumt.

Wie beurteilst Du selbst deine Leistung?
Mein Selbstbewusstsein ist durch die Teilnahme am Frühstudium deutlich gewachsen. Da ich viel früher mit der Vorbereitung der Klausur angefangen habe, konnte ich auch so gut bestehen. Nun habe ich einen Schein, der bestätigt, dass ich das Modul erfolgreich bestanden habe. Damit habe ich einen ersten Baustein eines Physik-Studiums geschafft.

Und war es gut für Dich, in der zwölften Klasse mit dem Frühstudium zu beginnen, es gibt ja auch jüngere FrühstudentInnen.
Für mich war der Zeitpunkt geradezu perfekt. Ein Jahr früher wäre nicht so gut gewesen, weil ich die mathematischen und die analytischen Grundlagen nicht gehabt hätte.

BildWas hat Dir das Frühstudium gebracht? 
Ich habe einen guten Einblick in das Physik Studium gekriegt. Das hat mich in meiner Entscheidung bestärkt, Physik studieren zu wollen. Ich habe herausgefunden, dass das Studium wirklich interessant ist und Spaß macht. Auch wenn einem einiges abverlangt wird und man zum Teil sehr ins Detail geht; es blieb für mich spannend. Außerdem habe ich jetzt eine Vorstellung davon, wie man sich komplexen Zusammenhängen nähert, um sie zu verstehen.

Welche Pläne hast Du für die Zeit nach dem Abitur?
Am liebsten möchte ich Physik als Hauptfach und Philosophie als Nebenfach studieren. Das wäre schon eine tolle Sache. Zurzeit überlege ich, vielleicht in München zu studieren. Auf jeden Fall in einer Großstadt - mal raus aus Oldenburg.

Webxqmasn6tuter (webszvmkcervi1icegpu.physihvk@uol.devyu6) (Stand: 07.11.2019)