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Vom Piloten zum Studenten

Martin Reck studiert Engineering Physics nach einer erfolgreichen Berufskarriere

Seit 2003 studiert Martin Reck Engineering Physics. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist dagegen sein biographischer Hintergrund: Bereits mit 41 Jahren wurde er von seinem Arbeitgeber, der Bundeswehr, in Rente geschickt. Dort war Martin Reck 20 Jahre lang unter anderem als Tornado Pilot und Ausbilder tätig. Die Bundeswehr ermöglichte ihm eine dreijährige finanzielle Unterstützung für ein Studium. So war der ehemalige Pilot auf der Suche nach einem international ausgerichteten Studium und einem besonderen Interesse an Mechanik, auf den Studiengang Engineering Physics an der Universität Oldenburg gestoßen.

Motivation

„Die internationale Ausrichtung war für mich wichtig, weil ich sehr lange im Ausland gearbeitet habe. In England und Amerika habe ich mit Ausländern zusammengearbeitet, war selber Ausländer, und wollte diese Erfahrung über das Studium hinaus fortsetzen“, sagt Martin Reck rückblickend. „Mein Ziel war zunächst das Studium als Übergang von der Marine zur zivilen Fliegerei zu nutzen, doch dann hat es mir soviel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin. Ich habe mich auf Meeresphysik und regenerative Energien spezialisiert.“ Inzwischen will der ehemalige Marine- Offizier nicht nur seinen Bachelor machen, sondern auch einen Master-Abschluss anschließen.

Das Interesse an der Physik hatte er schon immer: Bereits in der Schule wählte Martin Reck Mathe und Physik als Leistungskurse, weil ihn Technik und Mechanik sehr faszinierten. Deshalb hatte er sich nach dem Abitur, bei der Marine, für eine technische Ausbildung entschieden. „An Engineering Physics hat mich insbesondere der technische, ingenieurissenschaftliche Teil gereizt:  Da mir Physik allgemein als zu theoretisch erschien, wollte ich eher in Richtung Maschinenbau gehen. Beim Studiengang Engineering Physics hat man mehr mit der Hand was zu tun“, erklärt Reck mit Begeisterung. Sein besonderes Interesse gilt der Meeresphysik, weil er in seinem früheren Beruf als Marine Offizier viel zur See gefahren ist und so noch immer gerne etwas mit Meerwasser zu tun hat. Und wieso regenerative Energien? „Die passen hier im Norden besonders gut, denn es gibt viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel im Bereich Offshore, was zu machen.“

Aller Anfang ist schwer

Der Einstieg ins Studium war nicht gerade leicht: Am Anfang musste Martin Reck sehr viel nachholen, weil sein Abitur-Wissen nach so langer Zeit nicht mehr vorhanden war. „Die ersten beiden Semester waren sehr anstrengend. Da ich die ganze Zeit über bei der Bundeswehr gelernt oder gelehrt hatte, war ich noch in diesem Fluss drin, aber es waren viele Sachen verschüttet. Durch die große Unterstützung meiner Mitstudenten bin ich dann wieder rein gekommen“, erinnert sich Reck.

Nützlich waren dabei die Lerngruppen- hier wurde mit fünf, sechs Leuten zusammen gearbeitet: „Das waren sehr gute Schüler. Sie wussten nicht nur eine Menge, sondern konnten ihr Wissen auch sehr gut rüberbringen. Dadurch konnten sie Schwächere, wie mich, wieder ins Boot reinholen. Doch unterm Strich haben wir viel voneinander gelernt“, sagt der Physikstudent voller Überzeugung. Sein Studium hat er gemeinsam mit 27 weiteren Studierenden begonnen und fast alle sind dabeigeblieben.

Zielstrebigkeit- kein Fremdwort:

„Der überwiegende Teil meiner deutschen Kommilitonen wusste bereits in der ersten Woche, was sie später machen wollen, den ausländischen Studierenden war dagegen nicht ganz klar, wo sie später hin wollten, sie mussten sich erst mal in Deutschland orientieren. Aber auch sie fanden innerhalb des ersten Jahres heraus, was sie mit dem Studium erreichen wollten und gehen zielstrebig voran“, fasst Reck seine Erfahrungen zusammen.
Diese Zielstrebigkeit führt bei mancher Studentin oder manchem Studenten dazu, dass sie in vier oder fünf Semestern ihren Bachelor-Abschluss in Engineering Physics schaffen. Die Durchschnittsdauer des Studiums liegt allerdings bei acht Semestern.

Gute Bedingungen bietet auch die Betreuungssituation, findet Martin Reck. „Da wir sehr wenige sind, kann jeder jeden Professor ansprechen. Und dieser nimmt sich meist direkt Zeit für einen. Es wird versucht, in allen Bereichen zu unterstützen oder zumindest einen Weg aufzuzeigen, wer weiterhelfen kann. Ich glaube eine bessere Betreuung ist kaum möglich.“

Studierende aus aller Welt

Nahezu dreiviertel der Studierenden des Studiengangs Engineering Physics kommen aus dem Ausland. Der Grund: der Studiengang wurde vom DAAD in vielen Ländern im Sinne einer Entwicklungshilfe sehr beworben. Hinzu kommt, dass es auch mit Studiengebühren in Deutschland vergleichsweise günstig ist, zu studieren und zu leben. „Und da die Veranstaltungen im Studiengang Engineering Physics gerade am Anfang auf Englisch stattfinden, scheint für viele deutsche Studierende noch sehr ungewöhnlich zu sein. Dabei sind die englischsprachigen Bücher leichter zu verstehen, denn die Begrifflichkeiten sind im Englischen zum Teil einfacher“, meint der Student.

Ab dem dritten Semester gibt es dann Kurse sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Ab diesem Zeitpunkt können sich die Studentinnen und Studenten auch in bestimmten Bereichen spezialisieren.  Im Bachelor- Studiengang wird aber insgesamt eher ein Grundstock gelegt.Der Master ist wesentlich spezifischer, ingenieurwissenschaftlicher ausgerichtet, um sich auf sein späteres spezielles Berufsfeld vorbereiten zu können. Dabei spielen Auslandserfahrungen eine wichtige Rolle: um diese zu ermöglichen, gibt es  verschiedene Kooperationen mit Unis vor allem im europäischen Ausland, aber auch in anderen Teilen der Welt.

Voraussetzungen für das Studium: Interesse an Naturwissenschaft, Grundverständnis für Mathematik und englische Sprachkenntnisse, da die ersten beiden Semester komplett auf Englisch sind.

Bachelor-Arbeit - viel Raum für Praxis: 

Mit seiner Bachlor- Arbeit ist Martin Reck an einem EU- Projekt beteiligt, das sich mit der Untersuchung des Wattenmeeres beschäftigt. Hier wird versucht, noch mehr über den Lebensraum Wattenmeer herauszufinden, um es langfristig zu schützen. „Meine Aufgabe ist es, ein kleines Mosaiksteinchen in das große Ganze hinzuzufügen, indem ich  Methan-Ausdünstungen des Wattenmeeres untersuche. Darüber gibt es bisher keine Erkenntnisse und das ist auch ziemlich schwierig, da ich ganz genau messen muss, doch ist das Wattenmeer keine freundliche Umgebung für technische Geräte. So ist es meine Aufgabe, ein Gerät zu entwickeln, das den Bedingungen standhält und genaue Ergebnisse liefert. Dabei  kooperieren wir mit dem ICBM- denn letztendlich soll das Gerät auf deren Plattform vor Spiekeroog integriert werden“, beschreibt Reck seine Arbeit.

 Nach dem Studium stehen viele Türen offen

 „Ich kann mir vorstellen, nach dem Master an der Uni zu arbeiten oder in einem Institut, das sich mit Meeresphysik beschäftigt. Insgesamt gehe ich davon aus, da derzeit ein Mangel an Physikern herrscht, dass ich mir am Ende aussuchen kann, wohin ich gehen will“, sagt Reck optimistisch. Und diese Einschätzung ist ein Erfahrungswert: Denn auch die ersten Absolventen des Studiengangs hatten die Wahl: Einer ist zum Beispiel nach Hamburg zu SkySails gegangen, viele Medizinphysiker arbeiten inzwischen in großen Unternehmen und Kliniken – egal ob im In- oder Ausland. Und einige promovieren nach dem Master-Abschluss.

Verantwortlich für diese Seite: Melanie Pust

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