QiS-Transfer

 

Prof. Dr. Jan Erhorn

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Testskalen

Videovignettenbasierte Testskalen

Kurz erklärt: Die drei videovignettenbasierten Testskalen erfassen situationsspezifische Wahrnehmungs- und Deutungsfähigkeiten in Bezug auf Anerkennung, individuelle Förderung und Teilhabe. Offene Antworten auf videobasierte Analyseimpulse werden anhand fachlich begründeter Kriterien codiert und in Skalenwerte überführt. Die Instrumente machen Lernentwicklungen sichtbar, bilden aber nicht die gesamte professionelle Handlungskompetenz einer Lehrkraft ab.

Im QiS-Projekt wurden drei konstruktspezifische, videovignettenbasierte Testinstrumente entwickelt und validiert: 

  • ViProQiS_A zu Anerkennungsprozessen (Langer et al., 2022), 
  • ViProQiS_IF zur individuellen Förderung (Langer et al., 2023) und 
  • ViProQiS_P zur Teilhabe im inklusiven Sportunterricht (Langer et al., 2024). 

 

Die Instrumente erfassen, inwieweit angehende beziehungsweise praktizierende Sportlehrkräfte relevante Ereignisse in komplexen Unterrichtssituationen selektiv wahrnehmen und unter Rückgriff auf fachliches Wissen deuten können. Damit operationalisieren sie insbesondere die situationsspezifische Kompetenzfacette des Noticing beziehungsweise der professionellen Unterrichtswahrnehmung (van Es & Sherin, 2002; Blömeke, Gustafsson & Shavelson, 2015).

 

 

Grafik mit Kennwerten videovignettenbasierter Testskalen. Dargestellt werden drei validierte Langfassungen: ViProQiS_A zu Anerkennungsprozessen, ViProQiS_IF zur individuellen Förderung und ViProQiS_P zur Teilhabe. Die Instrumente arbeiten mit offenen Antworten, die dreistufig mit 0 bis 2 Punkten codiert werden.  ViProQiS_A umfasst eine validierte Basis von 7 aus 8 entwickelten Items bei einer Stichprobe von N = 234. Die Interrater-Übereinstimmung beträgt κ = ,87. Die Rasch-Reliabilität liegt bei WLE = ,642 und EAP = ,676; der Infit liegt zwischen ,75 und 1,33.  ViProQiS_IF umfasst 8 Items bei einer Stichprobe von N = 261. Die Interrater-Übereinstimmung beträgt κ = ,82. Die Rasch-Reliabilität liegt bei WLE = ,697 und EAP = ,775; der Infit liegt zwischen ,71 und 1,33.  ViProQiS_P umfasst 10 Items in drei Facetten. Für das Partial-Credit-Modell wird eine 6-Item-Subskala zur inhaltlichen Teilhabe verwendet. Die Stichprobe umfasst N = 261, die Interrater-Übereinstimmung beträgt κ = ,80. Für die sechs Items der Subskala liegen die Rasch-Reliabilitäten bei WLE = ,656 und EAP = ,729; der Infit liegt zwischen ,71 und 1,33.  Zusätzlich zeigt die Grafik die Fünf-Item-Kurzskalen aus der Wirksamkeitsstudie 2025. Die Kurzskala Anerkennung umfasst 5 Items und erreicht eine interne Konsistenz von Cronbachs α = ,62. Die Kurzskala Individuelle Förderung umfasst 5 Items mit α = ,81. Die Kurzskala Teilhabe umfasst ebenfalls 5 Items mit α = ,72.  Die WLE- und EAP-Kennwerte der Langfassungen und Cronbachs Alpha der Kurzskalen beruhen auf unterschiedlichen Auswertungsansätzen und sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar. Als Quellen werden Langer, Bruns und Erhorn (2022, 2023, 2024) sowie Erhorn et al. (2025) angegeben.

Die Konstruktion der Testskalen folgt einem messungstheoretischen Ansatz, bei dem zunächst das jeweilige Kompetenzkonstrukt definiert, anschließend in einer Construct Map abgestuft und schließlich in geeignete Testaufgaben und Auswertungskategorien überführt wird (Wilson, 2005). Jedes Item verbindet eine ein- bis zweiminütige, nicht geskriptete Videosequenz aus dem QiS-Unterrichtskorpus mit einem offenen Analyseimpuls. Je nach Skala beziehen sich die Antworten auf Anerkennungs- und Missachtungsprozesse, auf die Passung zwischen Lernaufgaben und individuellen motorischen, kognitiven oder motivational-affektiven Lernvoraussetzungen oder auf Bedingungen und Barrieren der Teilhabe (Langer et al., 2022, 2023, 2024). Die validierten Langfassungen umfassen acht beziehungsweise zehn Items; für die Wirksamkeitsprüfung der QiS-Lehrsequenz wurden fünf Items je Skala eingesetzt (Erhorn et al., 2025).

 

Die offenen Antworten werden mithilfe itemspezifischer Codiermanuale und Ankerbeispiele ausgewertet. Dabei wird unterschieden, ob relevante Prozesse nicht erkannt, eher unspezifisch benannt oder differenziert erfasst und wissensbasiert eingeordnet werden. Diese abgestuften Antwortqualitäten werden mithilfe eines Partial-Credit-Modells in Skalenwerte überführt (Wilson, 2005; Langer et al., 2022, 2023, 2024). Die Nachweise zur Testwertinterpretation stützen sich unter anderem auf theoretisch begründete Construct Maps, Expert:innenratings, Cognitive Labs, Überprüfungen der Auswertungsübereinstimmung sowie Analysen der internen Struktur und der Zusammenhänge mit verwandten Konstrukten.

 

In QiS-Transfer können die Skalen eingesetzt werden, um Veränderungen der situationsspezifischen Wahrnehmungs- und Deutungsfähigkeiten über mehrere Messzeitpunkte hinweg sichtbar zu machen und die Weiterentwicklung der adaptierten Lehr-Lern-Formate empirisch zu begleiten. Eine längsschnittliche Wirksamkeitsstudie zeigte, dass sich mit den Skalen unterschiedliche Entwicklungsverläufe während des universitären Seminars und des anschließenden Praktikums abbilden lassen (Erhorn et al., 2025). Vergleiche zwischen Transferkontexten setzen allerdings eine standardisierte Durchführung, eine einheitliche Codierung und eine hinreichende Vergleichbarkeit der Messungen voraus. Die Ergebnisse sind daher als Indikatoren für klar abgegrenzte situationsspezifische Fähigkeiten zu interpretieren – nicht als umfassende Beurteilung der professionellen Handlungskompetenz einzelner Lehrkräfte (Blömeke et al., 2015).

(Stand: 19.09.2026)  |  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p121225
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