Termine

15. März 2012 "NS-Medizin und die "Stunde Null" - der Blick auf die Opfer, Täter und Einrichtungen nach 1945."

Obwohl viele der im Nationalsozialismus verübten medizinischen Verbrechen im Nürnberger Ärzteprozess 1946 und späteren Verfahren verurteilt worden sind, blieben die meisten ungeahndet. Während den Opfern der Zwangssterilisierung und "Euthanasie" wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, konnten die ärztlichen Täter ihre Karrieren meistens fortsetzen. Auch die beteiligten Kliniken, Anstalten und Heime blieben als Tatorte lange Zeit unhinterfragt. Wie es dazu kam, und welche Folgen dieses für das medizinische Selbstverständnis in der Bundesrepublik hatte, weiß kaum jemand besser als Klaus Dörner. Professor Dr. Dr. Klaus Dörner war langjähriger Leiter einer großen deutschen Psychiatrie, forscht zu den Verbrechen der Nazi-Medizin und ist Autor zahlreicher historischer, medizinischer und medizin-ethischer Bücher.

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner

Donnerstag, 15.03.2012, Kulturzentrum PFL, 20.00 uhr

Der Vortrag findet im Rahmen der Tagung "Psychiatrie und Patientenmord im Nationalsozialismus. Geschichte und Erinnerungskultur" statt, die vom 15.-17.3.2012 in der Karl-Jaspers-Klinik von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, dem Gedenkkreis Wehnen e.V. (Gedenkstätte „Alte Pathologie“, Bad Zwischenahn und dem Psychosozialen Verein Lüneburg e.V. (Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“) veranstaltet wird.

Eintritt frei

Termine

Hier finden sie zusätzliche Termine und Veranstaltungen, die durch die Forschungstelle und ihre Mitglieder veranstaltet und mitbegleitet werden:

24. Oktober 2012 Nach dem Krankenmord - die Oldenburgische Medizin in den NachkriegsjahrenÖffentlicher Vortrag im PFL, Peterstr. 3, 19.00 Uhr

Wie haben die Besatzungsbehörden auf die Krankenmorde (NS-Euthanasie) reagiert?
Wie wurde darüber in der Öffentlichkeit und unter den Ärzten gesprochen?
Was haben die Justizbehörden zur Strafverfolgung unternommen?
Was hat die Verwaltung des Gertrudenheims, Kloster Blankenburgs und der Anstalt Wehnen zur Aufklärung der Angehörigen beigetragen?
In einer bundesweiten Studie wird untersucht, welche Folgen der nationalsozialistische Krankenmord hatte. Dabei wird nach den vier Besatzungszonen unterschieden. Forschungsstandort für die britische Zone ist Oldenburg, der Forschungsauftrag ging an den Oldenburger Medizinhistoriker Ingo Harms. Koordiniert wird das Projekt vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg.
Ingo Harms arbeitet seit mehr als 20 Jahren zur Medizingeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Als Mitbegründer und Leiter der Forschungsstelle Geschichte der Gesundheit- und Sozialpolitik (GGS) am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg hat er zahlreiche Forschungsergebnisse publiziert.
Sein Referat am 24.10.2012 ist Auftakt zu einer Vortragsreihe über Geschichte und Ethik der Medizin.
Planung und Durchführung erfolgen in Kooperation mit dem Behindertenbeirat der Stadt Oldenburg.

Die weiteren Themen und Referenten der Vortragsreihe:

Tuberkulose und Krankenmord in Oldenburg, Dr. Alfred Fleßner, Oldenburg, Historiker

Psychiatrie und Krieg. Sozialdarwinismus, Rassenhygiene und Psychiatrie im Ersten Weltkrieg, Dr. Maria Hermes, Kulturwissenschaftlerin, Bremen

Rassenhygienische Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus: Das Beispiel Friesland, Dr. Martin Finschow, Historiker, Westerstede

Die Gesundheitsämter im Nationalsozialismus, Dr. Norbert Boese, Oberstadtdirektor a.D., Delmenhorst

Volkskörper und Frauenbauch - "Spätabtreibungen" als Dilemma im Diskurs über Selbst-Bestimmung. Ein Erfahrungsbericht, Dr. Magdalene Heuvelmann, Historikerin, Münster.

Am 21. Februar 2013, 19.00 Uhr, hält Dr. Michael Wunder ein kritisches Referat über Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik (Michael Wunder, Hamburg, ist Psychologe und Psychotherapeut und Mitglied im Deutschen Ethikrat).

22. März 2012 "Nazi-Medizin im Land Oldenburg"Wie Wilhelmshaven in den Sog der "Euthanasie" geriet

Der nationalsozialistische Mord an Menschen mit Behinderungen und Geisteskrankheiten ist ein Kapitel der deutschen Medizin, das auch nach Jahrzehnten der Forschung immer noch fassungslos macht. Ganz normale Ärzte, durchschnittliches Pflegepersonal, selbst konfessionelle Krankenschwestern haben sich in den Dienst dieser Tötungsmaschinerie gestellt.
Erschien der Nationalsozialismus oft als ein Sammelsurium radikaler Ideologien, so ging es ihm im Kern um die Einteilung der Gesellschaft in Menschen unterschiedlichen Wertes. Dabei bedienten sich die Machthaber biologistischer Ideen wie Eugenik und Rassenhygiene. Diese auf den Sozialdarwinismus zurückgehenden Theorien galten zu Anfang des 20. Jahrhunderts als seriöse Wissenschaften und gehörten zum Pflichtprogramm des Medizinstudiums. Schon die Weimarer Zeit brachte konkrete Pläne für die Zwangssterilisierung von angeblich "Erbkranken" und die Tötung von angeblich "lebensunwertem Leben" hervor. Zu Beginn des Nationalsozialismus waren Medizin und Pflege von einer immensen Bereitschaft zu Gewaltmaßnahmen gegen ihre Patienten geprägt.
Besonders deutlich werden diese Zusammenhänge am Beispiel des damaligen Freistaates Oldenburg, der als kleine, überschaubare Verwaltungseinheit ein Abbild der Entwicklung im gesamten Deutschland bietet. Vom Kaiserreich bis zum Ende der Nazidiktatur kann man verfolgen, wie sich Ärzte, Kliniken und die Medizinalbürokratie zwischen Wangerooge und Dümmer, zwischen Weser und dem Emsland mehr und mehr radikalisierten. Schließlich machten sie ihre Patienten und Anstaltsbewohner zu Opfern ihrer biologistischen Überzeugungen. Chirurgen sterilisierten, Psychiater töteten, Medizinalbeamte schufen Voraussetzungen, Richter garantierten Straffreiheit - und die Kirchen schauten zu.

Der Oldenburger Historiker Ingo Harms hat mit seiner Habilitationsschrift die Verbindung zwischen den geistesgeschichtlichen Entwicklungen, den Geschehnissen auf nationaler Ebene und den konkreten Handlungen im Land Oldenburg hergestellt. Anhand von Täterbiographien legt er in seinem Buch "Biologismus" die allmähliche Verstrickung des Gesundheitswesens in den Krankenmord eindringlich dar.

Dr. habil. Ingo Harms

Donnerstag, 22.03.2012, 19.00 - 21.15 Uhr

Volkshochschule Wilhelmshaven, Hans Beutz Haus, Virchowstraße 29

Kostenbeitrag: 4 Euro bei Anmeldung, 5 Euro ohne Anmeldung

28. Februar 2012 "Rassenhygiene und Oldenburger Kirche in der NS-Zeit"

Welche Haltung nahmen die beiden großen christlichen Kirchen zur nationalsozialistischen Gewaltmedizin in Oldenburg ein? Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sie über die Verbrechen informiert waren. Was haben sie dagegen unternommen? Wie haben Seelsorger reagiert, die Augenzeugen des Krankenmordes in der Anstalt Wehnen wurden? Warum starben so viele Kinder im Gertrudenheim unter diakonischer Leitung? Was unternahmen die Kirchen um die Angehörigen der Opfer nach dem Krieg aufzuklären und ihnen Trost zuzusprechen? Die Untersuchung dieser Fragen verlief nicht ozhne Widerstand und ergab überraschende Antworten.

Dr. habil. Ingo Harms

1-mal (3 Unterrichtsstunden); Dienstag, 28.02.2012, 19.00 Uhr

VHS, Karlstraße 25, Raum 3.04

(Stand: 21.08.2020)