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Dr. Jennifer Turner

Institut für Sozialwissenschaften  (» Postanschrift)

Forschung

Aktuelle Forschungsstränge

Die Gruppe arbeitet derzeit an diesen aktiven Projekten:

Institutionelle Infrastrukturen: Der Gefängnis-Militär-Komplex

Welches Verhältnis besteht zwischen Gefängnissen - Räumen der Kontrolle, des räumlichen Ausschlusses und der Einschließung - und Institutionen des Militärs? Dieses Projekt untersucht die komplexen Beziehungen zwischen Gefängnissen und der Art und Weise, wie sie in (post-)militärische Infrastrukturen eingebettet und durch (ehemaliges) Militärpersonal besetzt sind, in einer Zeit, in der Gefängnisse weltweit eine zunehmende Verbindung zu beiden (und Abhängigkeit von beiden) aufweisen. Diese kollaborative Forschung, basiert auf Langzeitbeobachtungen, Umfrageanalysen und Interviews und untersucht die vielfältigen Verbindungen zwischen diesen Institutionen in einer Vielzahl von globalen Kontexten. Sie vereint ein Forschungsteam, zu dem Prof. Dominique Moran (University of Birmingham, UK), Prof. Rose Ricciardelli (Memorial University of Newfoundland, Kanada) und Prof. Anna Eriksson (Monash University, Australien) gehören.

Aktuell geförderte Projekte:

2020-2022 Correctional Staff in Canada: Understanding the Armed Forces to Civilian Transition Within Prison Spaces in Canadian Provinces Gefördert durch einen Insight Development Grant, The Social Sciences and Humanities Research Council of Canada (CAN $74.230)

2021           Prisons, the Military and ‘Just’ Institutions: Former-Military Personnel as Prison Staff in Argentina, Brazil and Ukraine.  Gefördert durch IGI/IAS Global Challenges Funding, University of Birmingham, UK (GBP £5.650)

Assoziierte Publikationen:

Moran, D., Turner, J., & Arnold, H. (2019). Soldiering on? The prison‐military complex and ex‐military personnel as prison officers: transition, rehabilitation and prison reform. The Howard Journal of Crime and Justice, 58(2), 220-239 doi.org/10.1111/hojo.12316

Carceral Geographies and extended social control: Das Verständnis übergreifender sozialer Kontrolle anhand der Inhaftierung von Frauen

Carceral geography ist eine wichtige, wachsende Teildisziplin der "Humangeographie" - ein Fach, das sich auf das Verständnis der Beziehungen zwischen Menschen, Raum und Ort konzentriert. Geographen die sich mit geschlossenen Räumen beschäftigen, sind daran interessiert, die Beziehungen zwischen Räumen und Orten, die „karzeral“ sind – mit der besonderen Art von Kontrolle, Ausschluss und Eingeschlossenheit - und der Gesellschaft zu verstehen. Doch im Forschungsfeld der 'Carceral Geography' wurden bisher keine deutschen Daten untersucht. Deshalb stellt dieses Projekt eine wichtige Erweiterung der 'carceral geography' und der qualitativen Kriminologie im deutschsprachigen, interdisziplinären Bereich dar. Dies wird praktisch umgesetzt durch ein Projekt zum Verständnis von sozialer Kontrolle und der Inhaftierung von Frauen. Die Gefängnisforschung in Deutschland ist größtenteils quantitativer Natur und bezieht sich überwiegend auf männliche Gefangene, die die große Mehrheit der Inhaftierten ausmachen. Frauen sind in Studien zu zentralen Themen wie Kontrolle, Ausgrenzung und Hafterfahrungen weitgehend außen vor geblieben. Dabei sind weibliche Gefangene von besonderem von Interesse, weil viele Reformpläne an dieser relativ kleinen und scheinbar leichter zu handhabenden Gruppe erprobt werden. Über die Erfahrungen weiblicher Gefangener in Deutschland ist jedoch wenig bekannt, da es an qualitativer Forschung mangelt. Dieses Projekt füllt diese bestehende Lücke und entwickelt damit gleichzeitig das Projekt der deutschen 'carceral geographies'.

Aktuell geförderte Projekte:

2021-2025 Women’s Imprisonment, Social Control and the Carceral State (WISCA) finanziert durch ein Marie Skłodowska-Curie Individual Fellowship über die Europäische Kommission, das Dr. Anna Schliehe ab 1. September 2021 nach Oldenburg bringt (174.806 €). Dr. Jennifer Turner ist die gastgebende Betreuerin.

Assoziierte Publikationen:

Moran, D., Turner, J., & Schliehe, A. K. (2018). Conceptualizing the carceral in carceral geography. Progress in Human Geography, 42(5), 666-686. https://doi.org/10.1177/0309132517710352

Räume der Fürsorge und Kontrolle: Apparat und Formen der karzeralen Fürsorge

Während sich ein Großteil der Forschung zu Kriminalität und Einschließung auf die Politik des absichtlichen, nachteiligen räumlichen Ausschlusses und der Inhaftierung konzentriert, ist es notwendig, Räume der Kriminalität und Karzeralität auch als solche der Kontrolle und Fürsorge zu sehen. Durch die kritische Betrachtung der Rolle von 'Fürsorge', Sorge, Entwicklung und Rehabilitation - in Vergangenheit und Gegenwart - verlagern die Projekte dieses Strangs das Verständnis von Karzeralität auf neue empirische Schauplätze (wie das Arbeitshaus) und Problembereiche (Jugendjustiz). Die hier assoziierten Projekte untersuchen wie historische Arbeitshäuser im 18. Jahrhundert als Orte der Fürsorge funktionierten, bis hin zu zeitgenössischer Arbeit der Jugendjustiz im 21. Jahrhundert. Damit erweitern diese Projekte das Verständnis von Kriminalität und Karzeralität innerhalb von Theorien der institutionellen "Fürsorge" und "Sorge" und orientieren diese neu.

Aktuell geförderte Projekte:

2018-2023  Unlocking Carceral Geographies of Care: The Legacies of Wirral Workhouse-Hospitals.  Gefördert durch einen UK Research and Innovation (UKRI) Economic and Social Research Council (ESRC) North West Social Science Doctoral Training Partnership Award) (GBP £80.838) Ella Bytheway-Jackson ist die Doktorandin an der University of Liverpool, UK und Dr. Jennifer Turner ist die Betreuerin.

Assoziierte Publikationen:

Price, J., & Turner, J. (2021). (Custodial) spaces to grow? Adolescent development during custodial transitions. Journal of Youth Studies doi.org/10.1080/13676261.2020.1865525

Carceral Geography Beyond Boundaries: Carceral Meere

Die langjährige Arbeit von Turner (2014, 2016) hat die Rolle der "Grenze" als wesentlich für das Verständnis von Kriminalität und Karzeralität herausgearbeitet. Zum Beispiel werden Individuen, die für ein Verbrechen verurteilt werden, oft aus der Gesellschaft entfernt, indem sie innerhalb einer Abgrenzung, also hinter Gittern, platziert werden. Doch wie Turner zeigt, sind diese Grenzen viel durchlässiger als viele annehmen. Dieses Projekt baut auf dem Interesse an Grenzen auf, um die Abgrenzung dessen zu verschieben, was wir unter Räumen der Inhaftierung, der Begrenzung, der Einschließung und des Einsperrens verstehen. Auch andere Räume als das Gefängnis, das Arbeitshaus oder die Jugendstrafanstalt haben "karzerale" Qualitäten der Kontrolle, des Ausschlusses und der Eingrenzung. Indem wir andere Räume durch die konzeptionelle Linse der "Karzeralität" betrachten, können wir gelebte Erfahrungen, Formen des Regierens und die Politik der Kontrolle besser verstehen - historisch und gegenwärtig. Dieses Projekt erforscht Offshore-Räume als solche des Verbrechens und der Karzeralität. Die Arbeit betrachtet die Politik der Eingrenzung von Menschen auf See (auf dem Gefängnisschiff) sowie die grenzüberschreitenden Praktiken, die die moderne marine Governance charakterisieren (in Form von begrenzenden räumlichen Managementinstrumenten wie Meeresschutzgebieten).

Assoziierte Publikationen:

Peters, K., & Turner, J. (forthcoming). Carceral seas: An agenda for carceral geography beyond boundaries. Political Geography.

Turner, J., & Peters, K. (2017). Rethinking mobility in criminology: Beyond horizontal mobilities of prisoner transportation. Punishment & Society, 19(1), 96-114.

Peters, K., & Turner, J. (2015). Between crime and colony: Interrogating (im)mobilities aboard the convict ship. Social and Cultural Geography, 16(7), 844-862.

(Stand: 30.04.2021)