Das Trainer*innen-Auge (coach's eye) bei Talententscheidungen

Artikel zur Definition des Trainer*innen-Auges (coach’s eye) in der Fachzeitschrift Psychology of Sport and Exercise erschienen.

Im Leistungssport werden Talente anhand von verschiedenen Tests (z.B. motorische Tests, Anthropometrie), aber vor allem durch die Bewertung der Trainer*innen selektiert. Trainer*innen scheinen ihre Talententscheidung hauptsächlich auf der Grundlage ihres „Instinkts“ – auch bezeichnet als „Coach´s eye“ (Trainerauge) – zu fällen. Eine Definition dieses Trainerauges bleibt in der Literatur bislang aus.

In einem neuen Artikel von Franziska Lath und Kolleg*innen wurde der Begriff basierend auf einem Literatur-Reviewprozess eingegrenzt und definiert als Bewertungs- und Entscheidungsprozess von Trainer*innen über die Leistung von Athlet*innen im Bereich Talentidentifikation und -selektion. Nach dieser Eingrenzung des Begriffs wird in der Sichtung der aktuellen Forschungsbefunde deutlich, dass das Wissen über die zugrundeliegenden Mechanismen des Trainer*innen-Auges im Entscheidungsprozess limitiert bleibt. Des Weiteren mangelt es oftmals an einer theoretischen Anbindung z. B. aus dem Bereich „Urteilen und Entscheiden“. Lath und Kolleg*innen verweisen auf ein theoretisches Model (iCodes: integrated coherence-based decision and search), aus dem klare Hypothesen über den Informationssuchprozess von Menschen abgeleitet werden können. Dieses Model kann eine Grundlage für zukünftige Forschungen darstellen, um die zugrundeliegenden Mechanismen des Trainer*inne-Auges näher zu untersuchen.

 

Quelle:
Lath, F., Koopmann, T., Faber, I., Baker, J., & Schorer, J. (2021). Focusing on the coach's eye - Towards a working model of coach decision-making in talent selection. Psychology of Sport and Exercise, 56. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2021.102011

(Stand: 09.06.2021)