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Technische Fertigkeiten in der Talentforschung im Sport

In den letzten Jahrzehnten ist die Anzahl nationaler Sportinstitutionen, kommerzieller Agenturen und professioneller Sportvereine mit Maßnahmen zur Talentidentifikation und -entwicklung (TIE) stark angestiegen. Sie eint das Ziel der möglichst frühen Erkennung talentierter junger Spieler*innen, um hiermit vermeintlich die Basis für ausgezeichnete langfristige Leistung zu legen. Es steht außer Frage, dass sich sowohl ‚Talent‘ als auch Höchstleistung in den meisten Sportarten aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt, wie z.B. Wahrnehmung, Kognition, Psychologie, Taktik und Technik. Hierbei steht den technischen Fertigkeiten eine zentrale Rolle zu, besonders in Anbetracht der bereits im Jugendalter in vielen Sportarten geforderten, höchst spezialisierten Fertigkeiten.

Im Rahmen des Projekts wird die Rolle der sportart-spezifischen, technischen Fertigkeiten im Kontext der Talentforschung in verschiedenen Sportarten tiefgehend beleuchtet. Hierbei steht die Erforschung der Bedeutung der sportart-spezifischen Technik bei der Talentidentifikation und -förderung im Vordergrund. Zudem wird das Potenzial der bisher zurückhaltend verwendeten biomechanischen Messmethoden ergründet und in diesem Kontext innovative und neue Erhebungs- und Analyseverfahren (z.B. Inertial Measurement Units (IMUs) oder markerlose Bewegungsanalyse) erprobt. Im Endeffekt sollen die Erkenntnisse sowohl die wissenschaftliche Talentforschung als auch die sportliche Praxis voranbringen und fördern.

Ansprechperson: Till Koopmann

Bedeutung von Kontextinformationen für die Antizipation im Sport

In Sportspielen gibt es häufig Situationen, in denen gegnerische Handlungsausgänge antizipiert werden müssen, um das eigene Handeln darauf auszurichten und dadurch einen Vorteil in der jeweiligen Situation zu erlangen. Diese Situationen entstehen häufig durch Zeitdruck, da bspw. die Distanzen zwischen den Akteuren in Bezug auf Bewegungsgeschwindigkeit bzw. die Geschwindigkeit eines fliegenden Balles sehr gering sind. Durch ein frühes Vorhersehen von Gegnerhandlungen kann die eigene Abwehrbewegung frühzeitig initiiert und präziser ausgeführt werden. Damit können sich die Chancen auf eine erfolgreiche Abwehr erhöhen. Zur Antizipation werden unterschiedliche Informationsquellen herangezogen, um eine genaue Abschätzung treffen zu können. Dabei stand bislang vor allem der Einfluss kinematischer Informationen der Gegenspieler*innen im Fokus der Wissenschaft. Dieses Projekt widmet sich nun der Frage nach dem Einfluss von kontextuellen Informationen auf die Antizipation. Unter Kontextinformationen werden Wahrscheinlichkeiten für unterschiedliche gegnerische Handlungsausgänge verstanden, die bspw. mit der gegnerischen Spielfeldposition, Mustern in vorausgegangenen Spielsituationen, individuellen Handlungsvorlieben oder dem Spielstand verknüpft sein können. Konkret soll in diesem Projekt untersucht werden, welchen Einfluss von außen vermittelte Handlungspräferenzen, wie sie bspw. in Auszeiten eines Volleyball-, Handball-, oder Basketballspiels gegeben werden, auf die Antizipation haben. Des Weiteren soll überprüft werden, ob und wie bedeutsam diese Informationen unter der Verfügbarkeit weiterer Kontextinformationen sind. Dieses Projekt soll einen wissenschaftlichen Beitrag dazu leisten, den Einfluss von kontextuellen Informationen auf die Antizipation besser zu verstehen. Für die Sportpraxis könnten vorläufige Empfehlungen zur optimalen Vermittlung bzw. zum Nutzen von Handlungspräferenzinformationen abgeleitet werden.

Ansprechperson: Tim Lüders

Webm3f6onaster (bjoerwvhn.w/staas@uzc76ol.de) (Stand: 26.03.2020)