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Stellungnahme Rotkehlchen

Stellungnahme der Universität Oldenburg zur Forschung an Rotkehlchen

Stellungnahme anlässlich der Pressemitteilung des „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ vom 6. August 2018

Betrifft: Forschung an der Universität zur Orientierungsfähigkeit von Zugvögeln und der Frage, wie diese über tausende Kilometer hinweg ihren Weg finden.

Die Forschung von Prof. Dr. Henrik Mouritsen, einem international renommierten Biologen, trägt dazu bei, das Verständnis von biologischen Sinnessystemen deutlich zu verbessern. Seine Ergebnisse leisten einen wichtigen Beitrag zum Vogelschutz. Rotkehlchen, an denen hier geforscht wird, gehören zu den zehn häufigsten Vogelarten in Deutschland. Die Erkenntnisse können helfen, bedrohte und seltene Zugvogelarten zu schützen. Drei Beispiele:

Beispiel 1: Weltweit gab und gibt es Versuche, Zugvögel umzusiedeln, deren Brut-, Aufenthalts- oder Wintergebiete bedroht sind – in der Regel durch menschliche Einflüsse. Dazu gehört beispielsweise das Einschleppen von Ratten per Schiff auf eine Insel, wo die Nagetiere dann in Brutgebiete eindringen. Solche Umsiedlungen sind in der Regel äußerst schwierig, da die Zugvögel wieder in die gewohnten Gebiete zurückkehren. Nur wenn vollständig verstanden ist, wie Zugvögel sich orientieren, können ihre Navigationssysteme „ausgetrickst“ werden und solche Projekte zum Erfolg führen. Unsere Forschung leistet hierzu einen wichtigen Beitrag. 

Beispiel 2: Im Jahr 2014 konnte nachgewiesen werden, dass Elektrosmog einen negativen Einfluss auf Zugvögel hat, indem er diese bei der Orientierung stört. Ein wichtiges Ergebnis, das erheblich zum Vogelschutz beitragen kann. Mehr Infos unter: https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2014/173.html

Beispiel 3: Die Forschungsergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Aufzucht von verletzten Tieren und die spätere Auswilderung. Mehr Infos unter https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2015/358.html

Weitere Fakten

1. Jeder Versuch mit einem gefangenen Vogel oder dessen Tötung ist durch die zuständigen Behörden ausdrücklich genehmigt und entspricht in jeder Hinsicht den gesetzlichen Bestimmungen. Dasselbe gilt für den Fang und den Besitz von wildlebenden Vögeln. Die Universität verfügt über alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sowie des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).

2. Die Untersuchungen an den Rotkehlchen umfassen in erster Linie Verhaltensbeobachtungen. Zu den wissenschaftlichen und ethischen Grundsätzen unserer Wissenschaftler gehört es, dass aus Forschungsgründen so wenige Vögel wie möglich getötet werden.

3. Für die Untersuchungen sind die Wissenschaftler auf Wildfänge angewiesen, da Verhaltensbeobachtungen nur an Tieren möglich sind, die natürliche Zugerfahrungen haben.

4. Im Jahr 2017 sind insgesamt 16 Rotkehlchen fachgerecht und tierschutzkonform getötet worden. Betrachtet man die vergangenen fünf Jahre, lag die durchschnittliche Zahl bei 28 Tieren pro Jahr.

5. Nur wenn statistisch belegbare Ergebnisse mit kleinen Stichproben zu erwarten sind, werden Versuchsserien durchgeführt. Es wurde bewusst auf wissenschaftlich vielversprechende Versuche verzichtet, weil die dazu erforderliche Tierzahl zu hoch erschien.

6. Die Wissenschaftler haben viel Zeit und Mühe investiert, um neue Wege zu gehen, die die Anzahl der Tierversuche reduzieren. So wurden zum Beispiel Zellkulturen entwickelt, die magnetosensorische Moleküle produzieren, die in Vögeln vorkommen.

7. Das Rotkehlchen gehört zu den zehn häufigsten Vogelarten in Deutschland. Sie sind so häufig, dass bei dem Fang eines Tieres ein anderes sofort sein Revier übernimmt und erst dadurch einen Lebensraum hat. Der Fang weniger Rotkehlchen zu Forschungszwecken hat keinen negativen Einfluss auf die natürliche Population.

Presse & Kommunikation (Stand: 10.09.2018)