Bethlehem-Projekt

Religiöse Bildung in Deutschland und Palästina

Kooperationsprojekt der Institute für Theologie / Religious Education der Universitäten Oldenburg und Bethlehem sowie des Dar Al Kalima College Bethlehem

Erläuterung der Hintergründe und Ziele

Am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg werden in BA- und MA-Studiengängen künftige Religionslehrerinnen und –lehrer ausgebildet. Dass es für dieses Studium sinnvoll ist, einschlägige Kenntnisse und ökumenische Begegnungen mit Vertretern von Religionen im aktuellen Palästina zu erhalten, liegt auf der Hand. Dieses Projekt geht jedoch über diese allgemein-theologischen inhaltlichen Dimensionen hinaus, indem es in besonderer Weise die Religionslehrer/innenausbildung dieser beiden Kontexte miteinander in Kontakt bringt: Denn in Bethlehem werden sozusagen in komplementärer Struktur die künftigen Religions­lehrer/innen an öffentlichen palästinensischen Schulen aus- und weiter­ge­bildet, und somit bilden Universität und College dort die idealen Partner­institutionen für das Oldenburger Universitätsinstitut für Religionslehrer/-innenausbildung.

Mit dem Projekt wird eine in zwei Planungsphasen vorbereitete Kooperation dreier Hochschulinstitute unter dem Thema „Religiöse Erziehung interkulturell“ begonnen: Der Universität Bethlehem, dem Dar Al Kalima College in Bethlehem sowie dem Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Oldenburg. Im vergangenen Jahr führte eine „Fact Finding Mission“ drei ProfessorInnen des Oldenburger Instituts nach Bethlehem, um erste Planungsgespräche zu führen (vgl. Antrag zum 2.-4.April 2009). Im Juni 2009 kam es zu einem Gegenbesuch palästinensischer Professoren und Studierender in Oldenburg (vgl. vom DAAD geförderter Workshop 29.6.-2.7. 2009). Im Juli 2009 war ein Mitarbeiter des Institutes an einer Konferenz beteiligt, um die Kontakte zu intensivieren und erste Vorplanung vor Ort anzubahnen. Hier wurde die Einrichtung einer ständigen gemeinsamen Sommerakademie ins Auge gefasst, die 2010 und 2011 in zwei gemeinsamen Blockseminaren zum ersten Mal realisiert werden soll.

Das erste dieser Blockseminare wurde im Juli 2010 bereits realisiert, s. dazu unten. Oldenburger und palästinensische Studierende absolvierten in Bethlehem ein gemeinsames Blockseminar zum Thema „Orientalisches Christentum in Israel und Palästina: Geschichte, Leben und Theologie“. In diese Thematik eingeschlossen war der Aspekt des interreligiösen Dialogs und Trialogs zwischen Juden, Christen und Muslimen im heutigen Palästina. Ein weiteres gemeinsames Blockseminar ist im Sommer 2011 in Oldenburg geplant.

Für die Deutschen soll damit erreicht werden, dass Kenntnisse über den historischen Ursprungsort der jüdisch-christlichen Religion Israel durch einschlägige Kenntnisse über die gegenwärtige Situation der Christen in Palästina vertieft und aktualisiert werden. Die Universität Bethlehem wird außerdem als eine Möglichkeit eines Auslandsstudiums für Studierende im Oldenburger Fachmaster-Studiengang „Religion und Ökumene“ zur Verfügung stehen.

Die Kooperationspartner

Am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg werden in BA- und MA-Studiengängen künftige Religionslehrerinnen und –lehrer ausgebildet. Ökumenische Begegnungen während des Studiums sind für künftige LehrerInnen notwendig, um die lebensweltliche Verankerung von Religion erfahren und vermitteln zu können. Das gilt in besonderem Maße für Erfahrungen in Israel und Palästina. Aber dieses Projekt geht über diese allgemein religionspädagogischen Dimensionen hinaus. In der heutigen Situation verdichtet sich in Bethlehem das Zusammenspiel von Politik und Religion in Geschichte und Gegenwart in besonderer Weise. Die daraus erwachsenden Schwierigkeiten stehen im Zentrum dieses Projektes. Sie werden fokussiert wahrgenommen durch eine Analyse der Situation des Religionsunterrichts in Palästina. Dabei werden auf schon bestehende Kontakte zum einen zum Dar Al-Kalima College und zum anderen zur Bethlehem University zurück gegriffen.

Das Dar Al-Kalima College (www.daralkalima.edu.ps) geht auf eine Initiative des lutherischen Theologen Dr. Mitri Raheb zurück, welcher sich der zivilgesellschaftlichen Relevanz von Bildungs- und Ausbildungsangeboten verschrieben hat. Das College ist Teil eines umfassenden Bildungszentrums in Bethlehem, das eine maßgebliche Institution der Arbeit gegen Verarmung und Perspektivlosigkeit der Menschen in Bethlehem ungeachtet der religiösen und ethnischen Herkunft darstellt Es leistet einen wichtigen Beitrag vor Ort, der heutigen und nächsten Generation durch Aus- und Fortbildung Zukunftsperspektiven zu erschließen und neue Möglichkeitshorizonte zu öffnen, geleitet vom Bild einer Kultur der Demokratie und des kritischen Denkens gegen innere und äußere Grenzen. Mit der College-Leiterin Dr. Nuha Khoury und dem Leiter des Al-Kalima-Bildungszentrums Dr. Mitri Raheb hat die Sommerakademiel zwei kompetente Ansprechpartner gefunden, die durch ihre Fähigkeiten und Ihr Engagement wichtige Impulse für die entwicklungspolitische Arbeit geleistet haben und deren Arbeit wir im Vollzug kennenlernen können.

Die Bethlehem University (www.bethlehem.edu) ist eine im Jahr 1973 gegründete koedukative katholische Hochschule, die allen Glaubensrichtungen offen steht und deren Wurzeln bis ins Jahr 1893 zurückreichen. Sie ist somit die älteste Universität in der Westbank. Ihre Zielsetzung von ihrer Gründung bis heute ist es, eine vielseitige und anwendbare akademische Bildung in Geistes- und Naturwissenschaften unter Berücksichtigung der spezifischen Erfordernisse und Bedürfnisse der palästinensischen Gesellschaft zu schaffen. Die Fakultäten für Geistes-, Natur-, Pflegewissenschaften und Betriebswirtschaftslehre entstanden als Antwort auf die wachsenden Bedürfnisse der Gesellschaft. Im Prozess der Institutionalisierung von Bildungsangeboten spielte dabei die Bethlehem University eine wichtige Rolle: Sie war 1978 eines der Gründungsmitglieder des Palästinensischen Rates für Akademische Bildung, arbeitet heute mit dem Ministerium für Bildung und Hochschulen der palästinensischen Autonomiebehörde zusammen und ist zunehmend bestrebt, angesichts der alltäglichen Widrigkeiten und Konflikte auch internationalen Gästen eine anregende und produktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen sowie über die Lagen, Möglichkeiten und Chancen zu informieren. Das Oldenburger Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik pflegt zu dieser Universität nicht nur institutionelle Kontakte, sondern hat bereits auf der persönlichen Ebene bei gegenseitigen Besuchen in Bethlehem und Oldenburg erste freundschaftliche Verbundenheiten und vor allem Arbeitskontakte hergestellt. So besteht reger Austausch zwischen dem Leiter des Departments of Religious Studies (http://www.bethlehem.edu/academics/arts/religious) Dr. Jamal Khader und dem Oldenburger Kollegium.


(Stand: 21.08.2020)