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Auftakt 19/20

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Auftakt 19/20

22. Oktober 2019

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Bereits zum dritten Mal konnten der Präsident der Universität, Prof. Dr. Dr. Piper, und der Vorstandsvorsitzende der Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V. (UGO), Hon. Prof. Dr. Brinker, rund 800 Gäste im ausgebuchten Audi-Max auf dem Campus Haarentor der Universität begrüßen. Ehrengast und gleichzeitig Festrednerin dieser Veranstaltung am Beginn des Akademischen Jahres war Frau Professor Dr. Antje Boetius. Die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin ist Meeresbiologin und Professorin der Universität Bremen und leitet seit November 2017 zusätzlich das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Frau Prof. Boetius schmückte mit ihrer Zusage für die Festrede eine Reihe herausragender Festredner, die mit Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder (2017) und Prof. Dr. Hans-Werner Sinn (2018) ihren Anfang genommen hatte.

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Nach einem aufmunternden Sektempfang wurden die Gäste von einem wahren Trommelfeuer der Musik empfangen. Das „Schlagwerk Nordwest“ riss das Publikum in seinen Bann. Ein optischer und musikalischer Hochgenuss. Studentinnen und Studenten aus dem Fachbereich Musik begeisterten die Mitglieder und Freunde der Universität mit einer charmanten und witzigen Choreografie nach dem Motto „Bei mir bist du scheyn“ und umrahmten mit ihren gekonnten Darbietungen den festlichen Abend, an dem u. a. die UGO-Preise für „Herausragende Promotion“ und „Exzellente Forschung“ vergeben wurden.

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Der Präsident unserer Universität, Prof. Dr. Dr. Piper, eröffnete das Akademische Jahr 19/20 mit einer Rede, die die dynamische Entwicklung der Universität in den letzten 30 Jahren nachzeichnete. Heute ist die Universität und nicht mehr die Bundeswehr einer der größten Arbeitgeber in der Stadt. Die Universität hat sich inzwischen als Segen für den Nordwesten erwiesen. Dazu tragen neben 16.000 Studierenden an der Universität auch 2.000 Studierende an der Jade Hochschule bei. Diese jungen Menschen halten nach seiner Meinung die Stadt Oldenburg „jung und kulturell auf Trab“.

In den letzten 30 Jahren hat sich die Universität in ihrem Umfang verdoppelt und beherbergt heute eine vitale Start-up-Szene mit Schwerpunkt im Bereich digitaler Technologien. Was die Ausgründungen anbetrifft, ist sie laut dem Stifterverband Oldenburg die Nummer 1 unter den mittelgroßen Universitäten in Deutschland. Herr Piper bedankte sich in diesem Zusammenhang für die Unterstützung durch Wirtschaftsunternehmen und -verbände aus dem Nordwesten. Die Universität Oldenburg ist nicht nur die größte Schmiede von Lehrkräften im Nordwesten, sondern auch Produzent von Nachwuchskräften im Bereich der Informatik und der Gesundheitsvorsorge. Der Präsident verkündete mit einem gewissen Stolz, dass das Ziel von 80 Studienanfängern im Bereich Medizin erreicht werden konnte. Nichtsdestotrotz ist die größte gemeinsame Aufgabe der nächsten Jahre der Ausbau der Universitätsmedizin. Hier baut der Präsident auf die Unterstützung der gesamten Region.

 

Neben den Erfolgen im Bereich der Biodiversität des Meeres verwies Herr Piper auch auf den Weltkongress für studentische Forscher mit Teilnehmern aus 35 Ländern, auf vier Mio. Euro Fördergelder für Innovationen in der Lehrerbildung sowie auf zehn neue Professuren in den Schwerpunkten Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Diversität.

 

Ausdrücklich lobte er das große Engagement und die tatkräftige Unterstützung durch die UGO.

 

Prof. Brinker nahm wie in jedem Jahr die Übergabe der Preise für „Herausragende Promotion“ und „Exzellente Forschung“ vor. In der Kategorie Promotion konnte sich die Jury nicht auf eine Preisträgerin bzw. auf einen Preisträger einigen. Zwei Arbeiten waren nach Auffassung der Jury so bedeutend, dass beide Arbeiten mit je einem Preis in Höhe von 2.000 € ausgezeichnet wurden.

 

Die erste Preisträgerin ist

Frau Dr. Stefanie Kerbstadt mit ihrer Dissertation:

„Coherent control of the symmetry properties of photoelectron wave packets by bichromatic white light polarization pulse shaping“

 

Der zweite Preisträger ist

Herr Dr. Jan Vogelsang mit seiner Dissertation:

„Ultrafast point-projection electron microscopy“

 

Beide Arbeiten sind an der Fakultät V, Mathematik und Naturwissenschaften, entstanden.

 

Die Preisträgerin für „Exzellente Forschung“ ist

Frau Dr. Annika Raapke mit ihrer Publikation:

„Dieses verfluchte Land – Europäische Körper in Brieferzählungen aus der Karibik, 1744–1826“

 

Diese Forschungsarbeiten wurden an der Fakultät IV, Institut für Geschichte, durchgeführt.

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In seiner anschließenden Rede ging Prof. Brinker auf klimabedingte und von Menschen verursachte Phänomene im Pazifik und Atlantik ein. Im Pazifik der „Blob“-Effekt, eine riesige Blase anormal warmen Wassers; im Atlantik eine gigantische Blüte von Sargassum-Blaualgen, ausgelöst u. a. durch die Abholzung der Regenwälder in Amazonien und anschließende Überdüngung der neu gewonnenen landwirtschaftlichen Flächen.

 

Darüber hinaus machte Prof. Brinker anhand des aktuellen Energieverbrauchs und der aktuellen Form der Energiebereitstellung deutlich, dass die Ziele aus dem Klima-Abkommen vom Dezember 2015 in Paris ohne den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und ohne umgehende deutliche Energieeinsparungen in den Sektoren Industrie, Verkehr sowie Gewerbe und Haushalt nicht erreicht werden können. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel liegen seiner Meinung nach im Bereich von einigen Billionen Euro für die nächsten 30 Jahre.

Mit diesen deutlichen Anmahnungen übergab Prof. Piper das Wort an Frau Professorin Dr. Antje Boetius, die alle Gäste mit ihrem Bericht über die dramatischen Klimaveränderungen in der Arktis in ihren Bann zog.

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In ihrer Festrede „Expedition ans Ende der Welt – Aufbruch in der Wissenschaft“ hob Frau Professorin Dr. Antje Boetius die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung zum besseren Verständnis des Zusammenwirkens menschlichen Verhaltens z. B. durch die Verbrennung fossiler Energieträger mit den massiven Veränderungen in der Arktis durch Abschmelzen des Eises und der damit verbundenen Veränderung für die Lebensweise der Tiere hervor. 93 Prozent der Arten auf der Erde leben in den Polarregionen. Frau Boetius wies darauf hin, dass ca. 1 Mio. Tier- und Pflanzenarten, d. h. jede achte Art, bereits durch den Klimawandel gefährdet sind. Dieser Klimawandel wird im Wesentlichen durch die seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts massiv zunehmende Verbrennung fossiler Energieträger verursacht. Das dabei freigesetzte Kohlendioxid wird zwar vom Ozean und vom Land aufgenommen, aber diese Aufnahmekapazitäten sind inzwischen erschöpft. Dadurch nimmt der CO2-Gehalt in der Atmosphäre immer stärker zu, was sich wiederum in einer deutlichen Zunahme der Temperatur in der Erdatmosphäre widerspiegelt. Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen zu wollen. Wir müssen aber festzuhalten, dass davon bereits 1,5°C verbraucht sind und sich die Durchschnittstemperatur in der Arktis bereits um mehr als 2,5°C gegenüber dem Referenzzeitpunkt erhöht hat.

Dadurch hat sich das Leben in der Arktis bereits deutlich verändert. Der Ozean wird in den Sommermonaten immer wärmer, wodurch er im Winter immer später zufriert und somit den Eisbären und Walrossen die Nahrungsgrundlage teilweise entzieht. Durch den Rückzug des Eises vom sibirischen Kontinentalschelf sind z. B. die Walrosse vom Aussterben bedroht. Bereits heute verlieren wir in einer Dekade 13 Prozent der Artenvielfalt auf der Erde. Mit dem weiteren Ausstoß von CO2 aus Verbrennungsprozessen wird die Eismasse in der Arktis umso weiter zurückgehen. Drei Tonnen CO2 verdrängen 1 m² Eis.

Um weitere Erkenntnisse zum Klimawandel und zu den sich dadurch ergebenden Veränderungen des Lebensraums in der Arktis zu bekommen, wurde von insgesamt 19 Nationen eine große Expedition gestartet. Das Forschungsschiff „Polarstern“ ist im September 2019 an einer großen Eisscholle festgemacht worden und driftet nun ein Jahr lang mit dem Eis auf dem Ozean, ein Experiment, das vor über einhundert Jahren bereits einmal vom norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen unter deutlich schwierigeren Umständen durchgeführt wurde.

Über diese neue Expedition wird die Öffentlichkeit regelmäßig informiert; sie kann unter der Adresse follow.mosaic-expedition.org verfolgt werden.

Mit einem Appell von Carl von Ossietzky schloss Frau Boetius ihre aufrüttelnde, mahnende und leidenschaftliche Rede, die mit großem Applaus bedacht wurde:

Wir können nicht an das Gewissen der Welt appellieren, wenn unser eigenes Gewissen schläft“

(Carl von Ossietzky 1889–1938)

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Wenpipbma7+vstermjc+ (intbcerneta29z@uo/5l.de/w+js) (Stand: 18.02.2020)