Navigation

Skiplinks

Kontakt

Büro
A03 - 1 - 114a-117

Email
zfg(at)uni-ol.de

Sekretariat
Karola Gebauer
karola.gebauer(at)uni-oldenburg.de
Tel.: ++49 (0)441/798 4316

Postadresse
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
ZFG Zentrum für interdisziplinäre
Frauen- und Geschlechterforschung
Ammerländer Heerstraße 114 -118
D-26129 Oldenburg

Wanderungen. Migrationen & Transformationen aus geschlechterwissenschaftlichen Perspektiven

Zweite Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft Geschlechterstudien/Gender Studies Association (Gender e. V.) am Zentrum für interdisiplinäre Frauen- und Geschlechterstudien der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (ZFG)

3./4. Februar 2012

Tagungsbericht: Wanderungen. Migrationen & Transformationen aus geschlechterwissenschaftlichen Perspektiven

Im Zentrum der 2. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft Geschlechterstudien standen die politischen Konsequenzen der vielfältigen Formen von Migration aus geschlechterwissenschaftlichen Perspektiven. Die Beiträge aus einem breiten fachlichen Spektrum von Kunstwissenschaft über prähistorische Archäologie bis hin zu Informatik wurden von den über 100 Teilnehmenden aus dem deutschsprachigen Raum angeregt diskutiert.

Unter dem bewusst breit gehaltenen Thema 'Wanderungen' wurde die Migration nicht nur von Menschen, sondern auch von kulturellen Artefakten sowie Ideen und Konzepten zwischen Disziplinen und Kulturen in den Blick genommen, disziplinübergreifend diskutiert und auf Möglichkeiten und Perspektiven feministischer Intervention hin befragt.

Dass nicht nur Menschen und Dinge, sondern auch Beats auf Wanderschaft gehen können, zeigte Johannes Ismaiel-Wendt auf unkonventionelle Art in seiner Soundlecture "tracks'n'treks. Beweg-Gründe Genre und Gender", in deren Zentrum die Dekonstruktion von Beat und Geschlecht stand.

In den vielseitigen Beiträgen geriet vor allem die Ambivalenz der Wanderungsbewegungen in den Blick, die Hierarchisierungen und Normen sowohl aufweichen, als auch verfestigen können. Des Weiteren wurde deutlich wie Migrationsprozesse die (westliche, dominant weiße) Geschlechterforschung und ihre zentralen Begriffe herausfordern und eine beständige Neubefragung feministischer Theorie und Praxis erforderlich machen. So konnten etwa die Beiträge von Miriam Trzeciak oder Sabine Hess nachdrücklich zeigen, dass sich emanzipatorische Interventionen leicht in ihr Gegenteil verkehren können, wenn sie ihre Kategorien nicht reflektieren. Beide befassten sich mit den Viktimisierungstendenzen gegenüber Migrant_innen, wie sie sich im genderpolitischen Kontext etabliert haben und verdeutlichten die Notwendigkeit, Konzepte wie Opferstatus und Empowerment zu überdenken und zu differenzieren.

Dass auch der Begriff Migration neu befragt werden muss, um Viktimisierungs- und Grenzziehungstendenzen zu vermeiden, wurde in dem Beitrag von Nanna Heidenreich besonders deutlich. Unter Bezug auf feministische Repräsentationskritik forderte sie ein "Konzept von Repräsentation, welches Unsichtbarkeit konstitutiv mitdenkt".

Auch Anja Michaelsen verwies auf die erschwerten Bedingungen feministischer Kritik, wenn etwa im Kontext transkultureller Adoption die Entprivilegierung biologischer Mutterschaft/Verwandschaftsbeziehungen nicht mehr eindeutig als Ziel beschrieben werden kann. Dieses Beispiel betrachtet sie als exemplarisch für die Schwierigkeit, angesicht der Veruneindeutigung sozialer Beziehungen im Kontext von Migration und Globalisierung eindeutige geschlechterpolitische Forderungen zu formulieren.

Die inter- und transdisziplinäre Befragung der vielschichtigen Phänomene ist fester Bestandteil der Gender Studies, stellt diese aber auch immer wieder vor neue Herausforderungen. Beispielsweise konnte die Archäologin Julia Koch zeigen, wie Ansätze der Geschlechterforschung die prähistorische Mobilitätsforschung transformiert haben. Gleichzeitig machte ihr Vortrag aber auch deutlich, wo die Methodik der prähistorischen Archäologie - wie etwa die Knochenanalyse, die biologische Zweigeschlechtlichkeit voraussetzt - mit dem aktuellen Verständnis von Gender kollidiert.

Angesichts dieser Herausforderungen stellte die Frage nach der grundlegenden Diskussion des Gender Begriffs sowie die Frage nach einheitlichen Qualitätsstandards für die Gender Studies auch ein zentrales Thema der Selbstverständnisdiskussion der Fachgesellschaft dar. Bei allen Differenzen war man sich doch einig, dass solche Standards wünschenswert seien. Ebenso wurden politische Interventionen innerhalb und außerhalb des Wissenschaftsbetriebs begrüßt. Auf der nächsten Tagung, die das Frankfurter Cornelia Goethe Centrum ausrichten wird, soll die Diskussion fortgesetzt werden.

Die Tagung schloss mit der Mitgliederversammlung und der Wahl des neuen Vorstands der Fachgesellschaft (siehe: http://www.fg-gender.de/wordpress/?page_id=121).

Sara Stadler

Webmaster (Stand: 10.09.2018)