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| 25.08.2026 16:00 SE Colloquium A2 2-219 / https://uol.de/se?vc-oberseminar | |
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Paula Wegerich:
Citizen Science meets Guerilla Sensing
Hochwasserereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 oder das Weihnachtshochwasser 2023/2024 in Oldenburg zeigen, wie wichtig eine flächendeckende Überwachung von Flusspegeln, insbesondere an kleinen, oft vernachlässigten Nebenflüssen, für die frühzeitige Erkennung kritischer Wasserstände und die Einleitung wirksamer Gegenmaßnahmen ist. Professionelle Messstationen sind aufgrund hoher Anschaffungs- und Betriebskosten für eine solche flächendeckende Überwachung in der Praxis nicht realisierbar. Das an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg entwickelte Umweltinformations- und Steuerungssystem Guerilla Sensing bietet hierfür grundsätzlich eine kostengünstige und flexible technische Alternative, richtet sich jedoch bislang primär an IT-affine Nutzer:innen: Aufbau, Konfiguration und Betrieb erfordern Kenntnisse, die bei lokalen Akteuren wie Feuerwehren, Umweltorganisationen oder interessierten Bürger:innen nicht vorausgesetzt werden können. Dadurch bleibt das Potenzial des Systems als niedrigschwelliges Citizen-Science-Werkzeug für den dezentralen Hochwasserschutz bislang ungenutzt. Zentrales Konzept der Arbeit ist die Einführung sogenannter „Well-known GBoxen": kuratierter, praxiserprobter Referenzbauformen, die alle für den eigenständigen Aufbau von Messstationen nötigen Informationen und Werkzeuge zu einem durchgängigen Paket bündeln. Statt Hardware, Sensorik, Verkabelung und Software einzeln recherchieren und zusammenstellen zu müssen, wählen Nutzer:innen einen bekannten, bereits im Feld erprobten Gerätetyp , etwa die im Rahmen dieser Arbeit entwickelte GPegelBox zur Pegelmessung , aus einem Katalog aus und erhalten dadurch beispielsweise Zugriff auf eine vollständige Teileliste, eine Standortsuche zur Auswahl eines geeigneten Aufstellungsortes, eine Bau- sowie Montageanleitung für den mechanischen und elektrischen Aufbau vor Ort, und eine automatisch vorbelegte Software-Konfiguration mit passender Sensorik, Verkabelung und Netzwerkparametern. Ergänzend wurde für das bereits bestehende Backend-System „GPlatform"im Rahmen dieser Arbeit eine Möglichkeit entwickelt, das die eigenständige Installation und rudimentäre Wartung ohne Server-Administrationskenntnisse erlaubt. Dadurch können lokale Akteure nicht nur die Messstationen selbst, sondern auch die zugehörige Datenverarbeitungs- und Alarmierungsinfrastruktur eigenständig in Betrieb nehmen. Diese Konzepte bilden gemeinsam die Grundlage für ein durchgängiges, webbasiertes System, das Nutzer:innen ohne IT- oder Elektronik-Vorkenntnisse durch den gesamten Prozess führt , von der Standort- und Gerätetypwahl über die geführte Konfiguration und den bild- bzw. video-gestützten Aufbau bis hin zu Checklisten und Werkzeugen für den laufenden Betrieb und die Wartung sowohl der Messstationen als auch der zentralen Datenplattform. Die Praxistauglichkeit des entwickelten Gesamtsystems wurde in Zusammenarbeit mit der Jugendfeuerwehr Hude evaluiert. Diese hat eigenständig eine GPlatform-Instanz aufgesetzt und in zwei Gruppen zwei funktionsfähige Pegelmessstationen basierend auf der GPegelBox gebaut, konfiguriert, montiert in Betrieb genommen; die Stationen wurden im Feldeinsatz entlang des Huder Baches getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass die entwickelten Vereinfachungen es ehrenamtlichen Strukturen wie der Jugendfeuerwehr ermöglichen, ohne externe Unterstützung eigene Pegelmessstationen aufzubauen und zu betreiben. Damit liefert die Arbeit einen konkreten Beleg dafür, dass Guerilla Sensing über den Forschungskontext hinaus praxistauglich in lokalen Ehrenamtsstrukturen eingesetzt werden kann. |