Das Kolleg CZS KID

Eine Millionenförderung der Carl-Zeiss-Stiftung (CZS) ermöglicht ein überregionales Promotionskolleg für Informatikdidaktik an sechs Hochschulstandorten in fünf Bundesländern. Ziel ist es, die Forschung, Qualifizierung und Vernetzung in dem Fach nachhaltigzu stärken - und somit den Lehrkräftemangel an Schulen langfristig zu beheben und den Informatikunterricht bundesweit zu stärken. Mit der Fördersumme von zwölf Millionen Euro für die kommenden sieben Jahre ist es die bislang größte private Initiative für Informatikdidaktik. Die Geschäftsleitung übernimmt die Gesellschaft für Informatik, die größte Fachgesellschaft für Informatik im deutschsprachigen Raum, die sich für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung einsetzt. 

Der erste Promovend an der Universität Oldenburg ist Nils Prior, seit 2025 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Didaktik der Informatik. Sein Thema: sprachsensibler Informatikunterricht.

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Kontakt

Department für Informatik / Abteilung für Informatikdidaktik

Prof. Dr. Ira Diethelm

Nils Prior

Das Lernlabor Informatik an der Universität Oldenburg

Als einer von elf Oldenburger Lehr-Lern-Räumen stellt es einen außerschulischen Lernort für informatische Inhalte und neue Methoden des Schulfachs Informatik dar - hier können sowohl (angehende) Lehrkräfte als auch Schüler*innen neue Technologien und Methoden kennenlernen. Das Ausprobieren, Erforschen und Selbermachen stehen dabei im Vordergrund. Lehrkräfte können unterschiedliche Workshops mit ihrer Klasse buchen, Materialien ausleihen oder sich beraten lassen. 

Lernlabor Informatik

Oldenburger Lehr-Lern-Räume / OLELA

 

„Nullen und Einsen und Ideen“

  • „Informatikunterricht ist die Grundlage für Mündigkeit in der digitalen Welt“: Informatikdidaktikerin Ira Diethelm (r.) gemeinsam mit der Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Universität Oldenburg, Andrea Strübind, beim offiziellen Start des Promotionskollegs in Berlin. David Ausserhofer

  • Forschung ganz dicht an der Schule: „In unserem Lernlabor probieren wir mit Schulklassen immer wieder Dinge aus“, sagt die Oldenburger Informatikdidaktikerin Ira Diethelm. Ira Diethelm / Universität Oldenburg

  • „Verstehen, dass der digitale Raum gestaltet werden kann“: eine Schulklasse zu Gast im Lernlabor Informatik an der Universität Oldenburg. Ira Diethelm / Universität Oldenburg

  • Die leitenden Forschenden des Promotionskollegs CZS KID (von links): Nadine Dittert (Universität Koblenz), Michael Rücker (Universität Jena), Carsten Schulte (Universität Paderborn), Sprecherin Claudia Hildebrandt (Pädagogische Hochschule und Universität Heidelberg), Jan Vahrenhold (Universität Münster) und Ira Diethelm. „Man weiß, wie die anderen ticken“, sagt sie über die Zusammenarbeit im Vorfeld. David Ausserhofer

„Nullen und Einsen und Ideen“

Deutschland braucht mehr Informatiklehrkräfte – und für deren Ausbildung mehr Informatikdidaktiker mit wissenschaftlicher Expertise. Da setzt ein neues Promotionskolleg mit Millionenförderung an. Mit dabei: Informatikdidaktikerin Ira Diethelm.

Deutschland braucht mehr Informatiklehrkräfte – und für deren Ausbildung mehr Informatikdidaktiker mit wissenschaftlicher Expertise. Da setzt das neue überregionale Promotionskolleg CZS KID an, das diese Woche gestartet ist. Die Oldenburger Informatikdidaktikerin Ira Diethelm, eine von sechs Leitenden Forschenden, im Interview über Berührungsängste mit Technik, Informatik als Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und Oldenburger Verbindungen im Kolleg.

Sie dringen seit Jahren auf eine Ausweitung des Informatikunterrichts an deutschen Schulen – wofür wiederum noch tausende Lehrkräfte fehlen. Bekommt die Informatikdidaktik nun nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Lehrkräftebildung den nötigen zusätzlichen Schwung? 

Ganz sicher. Für mehr guten Unterricht benötigen wir mehr Lehrkräfte, für deren gute Ausbildung benötigen wir mehr Hochschullehrende und Fortbildende, diese wiederum bekommt man nur mit mehr promovierten Personen in diesem Gebiet – und dazu gibt es nun unser Promotionskolleg. Wir bilden dafür das Fundament und stärken die bislang vorhandenen Strukturen. Dabei sind Forschung und Lehre voneinander abhängig: ohne Unterricht keine Unterrichtsforschung, und ohne Forschende weniger Lehrkräfte und Unterricht.  

Warum ist Informatik in der Schule überhaupt so wichtig? 

Genauso wie Naturwissenschaften die natürlichen Phänomene erklären, etwa warum es regnet oder wir überhaupt Jahreszeiten haben, genau so erklärt Informatik die digitalen Phänomene unserer Welt. Die sehen mit Social Media oder KI gefühlt jeden Tag anders aus, lassen sich aber – wie das Wetter – auf stabile Gesetzmäßigkeiten zurückführen. So funktioniert das Internet seit 50 Jahren nach denselben Regeln, die aber – im Gegensatz zu Naturgesetzen – menschengemacht sind. Dies zu verstehen und dass der digitale Raum gestaltet werden kann, ist eine wichtige Erkenntnis, die die Kinder im Informatikunterricht nachvollziehen können. 

Vielleicht auch, dass Künstliche Intelligenz nicht wirklich etwas weiß.  

Genau. Sie lernen zum Beispiel, dass ein generatives KI-System immer nur eine wahrscheinlich richtige Antwort berechnet. Sie lernen, wie leicht und zugleich schwer es ist, eine Maschine dazu zu bringen, das zu tun, was man ihr durch ein Programm sagt. Das relativiert viele Mythen und nimmt hier und da auch eine gewisse Berührungsangst: Es sind nur Nullen und Einsen und Ideen, mehr nicht. Dass das jedes Kind lernen muss, ist nicht nur meine persönliche Meinung, sondern auch diejenige der Kultusministerkonferenz oder der EU-Kommission. Zu wissen, dass das Internet nur aus einer Menge vernetzter Computer anderer Leute besteht, ist wichtig, damit man mitreden kann, wenn etwa über Vorratsdatenspeicherung oder Filtersysteme diskutiert und über die Regulierung von Zugängen entschieden wird. Oder zu verstehen, wie das eigene Social-Media-Verhalten, angezeigte Werbung und eine zunehmende Polarisierung zusammenhängen. 

Es geht also darum, über die Technik hinaus bestimmte Mechanismen zu begreifen?

Demokratie erfordert eine breite Bildung der breiten Gesellschaft – und Informatikunterricht ist die Grundlage für die Mündigkeit in der digitalen Welt. Dass Deutschland hier Nachholbedarf hat, zeigt die aktuelle PISA-Studie, wo erstmals auch informatische Kompetenzen getestet wurden unter dem Begriff „modellbasiertes Problemlösen“. Dort hat Deutschland noch schlechter abgeschnitten als in den anderen Kategorien. Dass dies nun getestet wurde, unterstreicht die Relevanz.

Zwölf Millionen Euro Förderung in den kommenden sieben Jahren: wie ist diese Förderung einzuordnen? 

Zunächst ist es die größte Fördersumme, die je dediziert für Forschungsprojekte der Informatikdidaktik ausgeschrieben war. Weltweit ist uns kein anderes Projekt oder keine andere private Förderaktivität bekannt, in der so eine Summe für genau dieses Forschungsgebiet bereitgestellt worden wäre. Besonders ist außerdem die vergleichsweise lange Laufzeit, die einen immensen Vertrauensbeweis darstellt – und zugleich natürlich auch gewisse Erwartungen widerspiegelt. 

Was sind die wichtigsten Ziele dieses breit aufgestellten Graduiertenkollegs? 

Die Forschung, die wir in dem Kolleg durchführen, ist ganz dicht an der Schule. Wir haben einerseits schlicht den Auftrag, die Basis für eine breitere und bessere Lehrkräftebildung zu legen, um quantitativ zu mehr Informatikunterricht zu kommen. Aber es gilt, den Informatikunterricht auch qualitativ deutlich zu beeinflussen, so dass dieser inhaltlich mehr Kinder erreicht. Die Ideen und Ergebnisse des Kollegs sollen in die Praxis wirken und für die Praxis nützlich sein, direkt für die Lehrkräfte hilfreich und sinnstiftend. Am Ende kommt besserer Unterricht den Kindern zugute. 

Auf welchen Feldern gilt es in der informatikdidaktischen Forschung insbesondere voranzukommen, und welchen Schwerpunkt setzen Sie da? 

Viele denken, dass es sich bei Informatikunterricht nur ums Programmieren dreht – leider auch etliche Lehrkräfte. Dabei gibt es vier Traditionen des Informatikunterrichts, die unser Kolleg mit seinem ganzheitlichen Ansatz alle beleuchtet: das algorithmische Problemlösen, die datengetriebene Erkenntnisgewinnung, die soziotechnische Verantwortung und die selbstbestimmte Technikgestaltung. Bei letzterer geht es beispielsweise darum, dass Kinder und Jugendliche in kleinen Maker-Projekten mit Microcontrollern etwas herstellen, dass nach ihren Ideen reagiert und etwa bei Erschütterung oder einer bestimmten Temperatur blinkt oder piept, analog zu einem Warnsystem für Naturkatastrophen. So erleben sie, dass Programme nicht nur Algorithmen enthalten, sondern auch auf Menschen und Umwelt reagieren und wieder zurückwirken, gestaltbar sind und auf der Basis von gesammelten Daten – wie der Temperatur – ihr Verhalten ändern. 

Ein solcher Unterricht kann ja auch auf unterschiedliche Interessen der Kinder eingehen… 

Genau, die einen sind vielleicht mehr an den Sensoren und Aktoren interessiert, andere wieder mehr an der Interaktion mit Menschen oder der Wirkung auf die Gesellschaft: Wann ist es eigentlich zu heiß? Wer entscheidet das eigentlich? Oder andere interessieren sich eher für die Auswertung der Messdaten und die Information hinter den Daten.... So hoffen wir einfach, den Informatikunterricht für noch mehr und verschiedene Kinder und Jugendliche interessanter und lernwirksamer zu machen – unabhängig vom Elternhaus. Nicht zuletzt wollen wir so – ganz im Sinne der finanzierenden Stiftung – den Bildungsaufstieg erleichtern.

Und welche Schwerpunkte sollen da die künftigen Promotionsprojekte im Kolleg setzen? 

Da gibt es drei Säulen, denen sich jeweils zwei Standorte widmen: Warum sollten Kinder das lernen, welche Theorien und Modelle stehen dahinter? Was und wie viel lernen Kinder da wirklich, wie lassen sich die Kompetenzen messen? Und wie ist Informatikunterricht bestmöglich aufzubauen und in der Lehrkräftebildung vorzubereiten? In Oldenburg befassen wir uns mit der letzten Frage und der Entwicklung von Unterrichtsszenarien und Fortbildungen. Dazu probieren wir in unserem Lernlabor mit Schulklassen immer wieder Dinge aus. Die Promotionsprojekte werden sich an jedem Ort zeitlich überlappen – je Standort sind es drei innerhalb von sieben Jahren – und die Promovierenden mit ähnlichen Fragestellungen werden sich zudem mit denjenigen an anderen Standorten und mit anderen Methoden austauschen. So wollen wir schon während der Promotionszeit ein Netzwerk knüpfen helfen und dafür sorgen, dass die Alumni auch später ganz selbstverständlich gemeinsam forschen und miteinander größere Forschungsfragen bearbeiten, über das Kolleg hinaus.

Beim Blick auf die Leitenden Forschenden im Kolleg lässt sich erahnen, dass Ihre Kooperation teils lange eingespielt ist – nicht zuletzt aus gemeinsamen Zeiten an der Uni Oldenburg? 

In der Tat! Da gab es zum Auftakt des Promotionskollegs diese Woche einmal mehr ein Wiedersehen mit meinen Kolleginnen Claudia Hildebrandt und Nadine Dittert, mit denen ich bereits in meiner Oldenburger Arbeitsgruppe gemeinsam geforscht habe – heute ist die eine Professorin in Heidelberg und Sprecherin des Kollegs, die andere ist Professorin in Koblenz. Manche der beteiligten Forschenden kenne ich schon seit 25 Jahren, zum Beispiel haben mein Fachkollege Carsten Schulte aus Paderborn und ich einst parallel zu ähnlichen Dingen promoviert. Da gibt es viele Schnittstellen, wo die Zusammenarbeit bestens eingespielt ist – man weiß, wie die anderen ticken. Alle von uns sind außerdem in der Gesellschaft für Informatik aktiv, und daher ergab sich deren Rolle als verknüpfende Instanz und Geschäftsstelle ganz natürlich. 

Interview: Deike Stolz

(Stand: 19.09.2026)  |  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p120134n14095
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