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Ausführliche Geschichtsdaten

Ein detaillierter Überblick über die Geschichte der Universität. »

Die Auseinandersetzung um die Namensgebung der Universität nach Carl von Ossietzky

1972

  • 6. Juni
    Das studentische Mitglied des Gründungsausschusses, Hans-Henning Adler, schlägt vor, in der Grundordnung die Universität nach dem Nazi-Gegner und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky zu benennen. Begründung: Der dort festgelegte gesellschaftliche Auftrag der Universität, ihre Arbeit in den Dienst des Friedens und der Demokratie zu stellen, solle auch durch die Namensgebung deutlich werden.

1973

  • 21. April
    Die Nordwest-Zeitung (NWZ) startet eine Leserbefragung zur Namensgebung und stellt neben Carl von Ossietzky vier weitere Persönlichkeiten (Graf Anton Günther, Wilhelm Heinrich Schüßler, Gustav Stresemann, Karl Jaspers) sowie den Namen „Universität Oldenburg“ zur Abstimmung. Das Resultat: Über die Hälfte der 3111 Teilnehmer spricht sich für „Universität Oldenburg“ aus.

1974

  • 1. Februar
    Der Gründungsausschuss beschließt ohne Gegenstimmen die Grundordnung, deren §1 die Benennung der Universität nach Carl von Ossietzky vorsieht.
  • 7. Februar
    Das SPD-geführte Kultusministerium genehmigt die Grundordnung mit Ausnahme der Namensgebung.
  • 6. Juni
    In einem Gespräch mit dem Konzilsvorstand bestätigt das Ministerium seine ablehnende Haltung. Begründung: Eine Namensgebung sei nicht mehr zeitgemäß
  • 16. Oktober
    Einen Tag nach Semesterbeginn bringen Studenten in großen Lettern den Namenszug „Carl-von-Ossietzky Universität“ weithin sichtbar am Turm des Allgemeinen Verfügungszentrums (AVZ, heute A1-4) an.
      Schriftzug/AVZ Studierende bringen am AVZ den Schriftzug „Carl-von-Ossietzky Universität“ an.

1975

  • 14. Mai
    Um eine Abstimmungsniederlage im Landtag aufgrund eines CDU-Antrags zum Entfernen des Schriftzugs zu vermeiden, kündigt die SPD/FDP-Regierung die Entfernung der Lettern an.

    Polizeieinsatz Polizeieinsatz zur Entfernung des Schriftzugs „Carl-von-Ossietzky Universität“ am AVZ (heute A1-4)
  • 27. Juni
    Unter dem Schutz von 200 Polizisten entfernen Maler den Schriftzug.
  • 2. Juli
    In der Nacht bringen Studenten den Namenszug „Carl-von-Ossietzky Universität" an gleicher Stelle wieder an.
  • August/September
    Der Versuch, einen von der Universität eingebrachten und vom Wissenschaftsminister akzeptierten Kompromiss („Universität Oldenburg – Carl-von-Ossietzky-Universität) bei der Landesregierung und im Parlament durchzusetzen, scheitert am SPD-Koalitionspartner, der FDP.

1976

  • 18. Dezember
    Erste Informationsveranstaltung des Oldenburger Bürgerkomitees „Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg“, das sich am 5. August gebildet hat. In Briefen äußern sich u.a. Alfred Andersch, Heinrich Albertz, Willy Brandt, Axel Eggebrecht, Ossip K. Flechtheim, Helmut Gollwitzer, Günter Grass, Robert Kempner, Siegfried Lenz, Rosalinde von Ossietzky-Palm zum Anliegen der Universität.

1978

  • 4./5. Mai
    Zusammen mit der internationalen Liga für Menschenrechte, dem DGB-Landesbezirk Niedersachsen und dem Bundesjugendring veranstaltet die Universität Oldenburg demonstrativ „Ossietzky-Tage“ anlässlich des 40. Todestages des Friedensnobelpreisträgers. Daran nehmen u.a. DGB-Vorsitzender Heinz Oskar Vetter, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Heinrich Albertz, und die irische Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams teil.

    Betty Williams Die irische Friedensnobelpreisträgerin Betty Williams bei den Ossietzky-Tagen 1978.

    Im Rahmen dieser Veranstaltung enthüllt Rosalinde von Ossietzky-Palm, die Tochter des Friedensnobelpreisträgers, ein durch Spenden von Universitätsangehörigen finanziertes Mahnmal der Kölner Künstlers Hans-Peter Reinartz. 2005 erhält es seinen endgültigen Standort vor dem Hörsaalzentrum.

    Mahnmal Mahnmal Inschrift
  • 14. Juni
    Das 88-köpfige Konzil der Universität beschließt mit einer Gegenstimme, in Selbstverwaltungsangelegenheiten die Universität nach Carl von Ossietzky zu benennen.
  • 16. Juni
    Das von der CDU geführte Wissenschaftsministerium beanstandet den Beschluss des Konzils als rechtswidrig. Daraufhin erhebt die Universität Klage beim Verwaltungsgericht Oldenburg.

1980

  • Februar
    Das Verwaltungsgericht Oldenburg entscheidet, dass nur der Landtag berechtigt ist, über Namen von Universitäten zu entscheiden und verwirft die Beschlüsse von Konzil und Senat.

1981

  • 12. April
    Rosalinde von Ossietzky-Palm, die Tochter Carl von Ossietzkys, überlässt der Universität den Nachlass ihres Vaters. Dieser wird der Grundstock für das „Ossietzky-Archiv“.

    Ossietzky-Palm, Zillessen Rosalinde von Ossietzky-Palm (r.), Tochter des Friedensnobelpreisträgers, bei ihrem Besuch der Universität 1981 mit Präsident Horst Zillessen und Gattin.
  • 4. bis 10. Mai
    Zum zweiten Mal veranstaltet die Universität Ossietzky-Tage, die in den 1980er Jahren sechsmal stattfinden und aktuelle gesellschaftspolitische Themen behandeln.

1988

  • 4. bis 8. Mai
    An den Ossietzky-Tagen „Republikaner ohne Republik“ nehmen u.a. teil der Friedensnobelpreisträger und SPD-Bundesvorsitzende Willy Brandt, der Zukunftsforscher Robert Jungk, der Lyriker Erich Fried und Axel Eggebrecht, Mitbegründer des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR, später NDR und WDR).

    Willy BrandtWilly Brandt bei seiner Rede im ehemaligen KZ Esterwegen anlässlich der Ossietzky-Tage 1988
  • Sommer
    Ein interdisziplinär zusammengesetztes Forscherteam beginnt mit den Arbeiten zu einer kommentierten Gesamtausgabe der Werke Carl von Ossietzkys. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt wird 1996 abgeschlossen und erscheint in acht Bänden bei Rowohlt.

    Ossietzky-Gesamtausgabe

1991

  • 28. April
    Die von SPD und Grünen neu gebildete Regierung legt dem Landtag einen Gesetzentwurf vor, der es den Universitäten überlässt, sich einen Namen zu geben. Er wird mit den Stimmen aller Fraktionen angenommen.
  • 29. Mai
    Das Konzil der Universität beschließt daraufhin erneut die Namensgebung der Universität nach Carl von Ossietzky.
  • 3. Oktober
    Festakt zur Namensgebung mit Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD), der sich im Namen der Landesregierung bei Rosalinde von Ossietzky-Palm dafür entschuldigt, „was das Land Niedersachsen dem Namen Ihres Vaters angetan hat.“

    Gerhard Schröder und Rosalinde von Ossietzky-Palm Entschuldigung im Namen der Landesregierung: Ministerpräsident Gerhard Schröder und Rosalinde von Ossietzky-Palm.
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