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11. September 2026 097/26 Forschung
Medizin – auch eine Frage der Zeit
Rund 200 Medizinethiker*innen aus dem deutschsprachigen Raum zu Jahrestagung in Oldenburg zu Gast
Oldenburg. Zeit kommt in Medizin und Gesundheitsversorgung eine zentrale ethische Bedeutung zu – ob in der vorgeburtlichen Diagnostik, bei Engpässen in der Pflege oder der Wahl des Zeitpunkts für die Erstellung einer Patientenverfügung. Mit Situationen wie diesen und damit verbundenen ethischen Fragen beschäftigen sich seit gestern rund 200 Medizinethiker*innen aus dem deutschsprachigen Raum in Oldenburg. Ausgerichtet von der Abteilung Ethik in der Medizin der Universität Oldenburg und der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM) findet noch bis einschließlich Samstag, 12. September, im Kulturzentrum PFL (Peterstraße 3) die Jahrestagung der AEM statt. Sie ist die Fachgesellschaft für Ethik im Gesundheitswesen und bringt Fachleute aus Medizin, Pflege, Philosophie, Theologie und Recht zusammen. In diesem Jahr feiert die AEM ihren 40. Geburtstag: Sie wurde im Dezember 1986 in Göttingen gegründet.
Mehr als 50 Vorträge und Workshops drehen sich um das Tagungsthema „Medizin und Zeit“. Dieses ist zugleich ein Forschungsschwerpunkt des Oldenburger Medizinethikers und Gastgebers Prof. Dr. Mark Schweda: „Zeit ist eine wichtige, noch zu wenig beachtete Dimension in der ethischen Betrachtung von Medizinthemen. So spielen etwa die bereits erlebte und noch erwartete Lebenszeit eine Rolle bei medizinischen Entscheidungen – ein 25-Jähriger trifft bei derselben Diagnose womöglich eine andere Entscheidung mit Blick auf die medizinische Behandlung als ein 90-Jähriger“, sagt Schweda.
Aus wie vielen Perspektiven sich der gegenseitige Einfluss von Zeit und Medizin betrachten lässt, zeigt das Tagungsprogramm. Prof. Dr. Dr. Urban Wiesing aus Tübingen beschäftigt sich in seinem Keynote-Vortrag mit der Bedeutung und Wahrnehmung von Zeit in einer Welt, in der Medizin immer schneller wird. Außerdem stehen ethische Fragen beim assistierten Doppelsuizid im hohen Alter ebenso auf der Tagesordnung wie die Suche nach dem richtigen Zeitpunkt für operative Eingriffe bei Kindern, die sich noch in der Entwicklung befinden. Welche Auswirkungen gesundheitspolitische Entscheidungen auf nachfolgende Generationen haben, ist eine weitere Frage, die medizinethische Diskussionen ebenfalls um eine wichtige zeitliche Komponente erweitert.
Weblinks
Bilder
Der Oldenburger Medizinethiker Mark Schweda bei der Eröffnung der Jahrestagung in Oldenburg. Foto: Tobias Weidner |
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Prof. Dr. Mark Schweda, E-Mail: