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1. Juli 2026 074/26 Hochschulpolitik
Senat stellt Weichen für neue Uni-Leitung
Gun-Britt Kohler, Michael Wark und Matthias Wendland sollen ab September dem Präsidium angehören – Künftig sechs Mitglieder
Oldenburg. Wenige Wochen nach der vorzeitigen Wiederwahl von Prof. Dr. Ralph Bruder zum Universitätspräsidenten formiert sich die Hochschulleitung zum Herbst in Teilen neu und wächst von den bisherigen fünf auf sechs Mitglieder an. Auf Vorschlag des Präsidenten hat der Senat der Universität heute den Chemiker Prof. Dr. Michael Wark als neuen Vizepräsidenten für Forschung und Transfer sowie die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Gun-Britt Kohler als Vizepräsidentin für Akademische Karrierewege, Chancengleichheit und Internationales bestätigt. Zudem votierte der Senat dafür, das neue Präsidiumsressort für Digitalisierung mit dem Juristen Prof. Dr. Matthias Wendland als Vizepräsidenten zu besetzen. Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre, die Theologin Prof. Dr. Andrea Strübind, wurde für eine zweite Amtszeit gewählt. Die Amtszeit der nebenamtlichen Vizepräsidentinnen und -präsidenten beträgt drei Jahre. Gemeinsam mit Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder und dem hauptamtlichen Vizepräsidenten für Verwaltung und Finanzen, Jörg Stahlmann, sollen sie ab 1. September die neue Universitätsleitung bilden. Das Votum des Senats zu den neuen Präsidiumsmitgliedern wird zusammen mit der Stellungnahme des Hochschulrats nun dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) zur Entscheidung vorgelegt.
Universitätspräsident Bruder freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem neu zusammengesetzten Präsidiumsteam. „Die Universität hat in den vergangenen Jahren viel erreicht und steht zugleich vor wichtigen Zukunftsaufgaben. Gemeinsam werden wir daran arbeiten, den erfolgreichen Kurs beizubehalten und neue Impulse zu setzen“, betonte Bruder. Die Universität leiste Spitzenforschung – ausgewiesen unter anderem durch drei Exzellenzcluster –, treibe den Ausbau der Universitätsmedizin konsequent weiter voran und arbeite in der Northwest Alliance eng und strategisch mit der Universität Bremen zusammen. Diese Beispiele stünden für eine sehr dynamische Entwicklung, die das Präsidium weiter gestalten wolle. „Dafür haben wir drei versierte und profilierte Persönlichkeiten gewonnen, die die Hochschulleitung sehr bereichern werden,“ so Bruder. Der scheidenden Vizepräsidentin Prof. Dr. Katharina Al-Shamery und dem scheidenden Vizepräsidenten Prof. Dr. Ralf Grüttemeier dankte er ausdrücklich für ihren „beispiellosen Einsatz für die Universität in außergewöhnlichen Zeiten“ und spielte damit auf die Bewerbung der Northwest Alliance als neuer Exzellenzverbund in der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern an.
Wark, künftiger Vizepräsident für Forschung und Transfer, kündigte an, mit der Universität Bremen die Forschung auf den gemeinsam identifizierten zentralen Feldern weiter voranzutreiben und noch stärker zu profilieren. Darüber hinaus gelte es, „weitere Themen für zukünftige koordinierte Forschungsprogramme in Oldenburg, an beiden Universitäten oder auch mit unserer Partneruniversität in Groningen zu identifizieren und zu entwickeln“, so Wark. „Hier können wir an vielen Stellen bereits auf unsere jeweils langjährige Kooperation aufbauen – und perspektivisch unsere Zusammenarbeit auch mit den nicht-universitären Forschungseinrichtungen der Region noch intensivieren.“ Beim Transfer von Wissen aus der Uni in Wirtschaft und Gesellschaft sei es ihm wichtig, die Interaktion etwa mit Schulen, Kommunalverwaltung oder Unternehmen weiter zu intensivieren: „Mein Ziel ist es, die hervorragenden Forschungsergebnisse der Uni noch stärker als bisher in die Öffentlichkeit und direkt zu den Menschen zu bringen, etwa in neuen Diskussionsformaten an unterschiedlichen Orten in der Stadt und Region.“
Strübind als wiedergewählte Vizepräsidentin für Studium und Lehre ging unter anderem auf das Thema Künstliche Intelligenz ein. „KI in der Lehre bedeutet eine Revolution für Lehr- und Lernprozesse. Sie verändert die Art und Weise, wie Wissen erzeugt, angewendet, finanziert und verbreitet wird“, sagte sie. Dies verändere das Verhältnis zwischen Lernenden, Lernprozessen und -ergebnissen rasant; dazu wolle sie eine intensive Diskussion auf allen Ebenen der Uni führen. Zudem stehe ein reformiertes Prüfungswesen auf ihrer Agenda, um die Studienorganisation an der Uni Oldenburg künftig noch effizienter zu gestalten. Die Lehrentwicklung beider Universitäten der Northwest Alliance gelte es noch enger zu verzahnen, unter anderem wolle sie das bereits seit Jahren mögliche Lehramtsstudium mit einer Kombination aus Fächern in Oldenburg und Bremen erleichtern und dabei die Fächeroptionen erweitern. In der Lehrkräftebildung sei es zudem ihr Ziel, so Strübind, das von der Uni Oldenburg landesweit angebotene Zertifikat für Antisemitismuskritische Lehrkräftebildung (ZABIN) zu verstetigen.
Als künftige Vizepräsidentin für Akademische Karrierewege, Chancengleichheit und Internationales kündigte Kohler an, die „Querschnittsthemen“ ihres Ressorts nach Möglichkeit noch stärker „zusammenzudenken“ und in den Strukturen der Uni zusammenzuführen. Wichtiger Fokus werde die weitere internationale Vernetzung und Profilierung der Uni Oldenburg und auch der Northwest Alliance, des gesamten Nordwestens als Wissenschaftsraum, sein – mit allen Herausforderungen, die einerseits die Weltlage und andererseits die vielfältigen Bedarfe der Fakultäten, Fächer und Menschen bedeuteten. Auch die Lehrkräftebildung gelte es weiter zu internationalisieren. Neben der frühen Karrierephase Forschender möchte sie etwa die Situation der Wissenschaftlich Mitarbeitenden sowie der Beschäftigten in Technik und Verwaltung in den Blick nehmen: „Die Menschen an unserer Universität sollen sich entfalten können, sich wertgeschätzt sehen und ihre Arbeit noch besser mit Familienaufgaben vereinbaren können“, sagte Kohler. Zudem möchte sie die vielfältigen Aktivitäten der Uni in puncto Antidiskriminierung noch stärker bündeln.
Wendland, künftiger Vizepräsident für Digitalisierung, verwies vor dem Senat auf die besondere gesellschaftliche Verantwortung der Universität, den digitalen Wandel aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten. In einer KI- und datengetriebenen Wissenschaftswelt gehe es darum, institutionelle Handlungsfähigkeit, wissenschaftliche Exzellenz und digitale Souveränität verantwortbar miteinander zu verbinden. Künstliche Intelligenz stehe im Zentrum einer künftigen umfassenden Digitalisierungsstrategie. „Der Aufbau institutioneller KI-Fähigkeit in allen Kernfunktionen der Universität ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, so Wendland. Als strategische Handlungsfelder nannte er die KI-Kompetenz in Forschung, Lehre und Verwaltung, leistungsfähige KI- und Dateninfrastrukturen, KI-gestützte Lern- und Prüfungsumgebungen sowie eine moderne Prozessarchitektur. Die Universität habe das Potenzial, aus ihrer fachlichen Breite, Reformtradition und digitalen Kompetenz heraus ein zukunftsfähiges Profil zu entwickeln als Universität, die KI in leistungsfähige und verantwortliche Forschungs-, Lehr- und Verwaltungsprozesse übersetze.
Zu den Personen:
Prof. Dr. Michael Wark ist Hochschullehrer für Technische Chemie und seit 2019 Dekan der Fakultät V Mathematik und Naturwissenschaften. Der Chemiker studierte und promovierte an der Universität Bremen. 2002 wechselte er ans Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie an der Universität Hannover, wo er sich 2004 habilitierte und bis 2010 lehrte und forschte. Vier Jahre lang gehörte er dem Senat der Leibniz Universität an. 2010 nahm er den Ruf auf eine Professur an der Uni Bochum an, ehe er 2013 nach Oldenburg kam. Schwerpunkt seiner Forschung sind Materialien und chemische Prozesse für erneuerbare Energien und zur Ressourcenschonung.
Prof. Dr. Andrea Strübind ist Hochschullehrerin für Kirchengeschichte und Historische Theologie. Sie studierte Evangelische Theologie, Geschichte und Judaistik in Berlin und Jerusalem und promovierte 1990 in Berlin. 1999 habilitierte sie sich an der Uni Heidelberg, 2006 folgte sie dem Ruf nach Oldenburg. Von 2013 bis 2017 war Strübind Dekanin der Fakultät IV Human- und Gesellschaftswissenschaften, anschließend fungierte sie als Institutsdirektorin und war ab 2018 internes Mitglied des Hochschulrats. 2023 wurde sie zur Vizepräsidentin für Studium und Lehre gewählt. Strübind ist Vorsitzende der Arbeitsstelle „Interkulturelle Jüdische Studien“.
Prof. Dr. Gun-Britt Kohler ist Hochschullehrerin für Slavistische Literaturwissenschaft. Sie studierte Slavistik, Romanistik sowie Russistik in Würzburg und Paris. 2001 promovierte sie in Würzburg in russischer Literaturwissenschaft und kam als Wissenschaftliche Mitarbeiterin nach Oldenburg, wo sie dann von 2007 bis 2013 zunächst als Juniorprofessorin forschte und lehrte. Kohler war seit 2015 wiederholt Direktorin des Instituts für Slavistik und fungierte von 2021 bis 2023 als Dekanin der Fakultät III Sprach- und Kulturwissenschaften. Seit 2023 ist sie Mitglied des Senats. Sie forscht zu kleineren slavischen Literaturen und Literatursystemen.
Prof. Dr. Matthias Wendland, LL.M. (Harvard), ist Hochschullehrer für das Recht der digitalen Transformation und leitet den Masterstudiengang Informationsrecht. Auf das Studium in Berlin und Leuven folgten akademische Stationen an der Harvard Law School und Fletcher School of Law and Diplomacy. Nach den juristischen Staatsexamina und seinem Abschluss in Harvard promovierte und habilitierte er sich an der LMU München. Vor seinem Ruf nach Oldenburg lehrte und forschte er in Heidelberg, Freiburg und Graz. Er ist Ombudsperson und Mitglied des „Wissenschaftlichen Zentrums für Methoden der Artificial Intelligence und Data Science“.
Weblinks
Bilder
Das neue Präsidium der Universität Oldenburg (v. l.): Michael Wark, Gun-Britt Kohler, Ralph Bruder, Matthias Wendland und Andrea Strübind. Es fehlt Jörg Stahlmann, Vizepräsident für Verwaltung und Finanzen. Foto: Universität Oldenburg / Daniel Schmidt |
Die vier nebenamtlichen Präsidiumsmitglieder: Michael Wark, Gun-Britt Kohler, Matthias Wendland und Andrea Strübind. Foto: Universität Oldenburg / Daniel Schmidt |