Ein guter Plan ist das eine – die alltägliche Praxis das andere. „Perfekt organisiert ist das Studium bei mir nicht“, bekennt Catherine Nagel, „das ist einfach nicht möglich mit Familie.“ Sie betreut zwei Kinder im Grundschulalter, arbeitet 30 Stunden pro Woche in der Geschäftsstelle eines wissenschaftlichen Zentrums und studiert berufsbegleitend BWL im Bachelor. Catherine hat in ihrem Alltag einige Termine fürs Studium geblockt – was aber nicht bedeutet, dass sie dann immer zum Lernen kommt. „Ich plane feste Zeiten für die Uni ein, zum Beispiel wenn die Kinder im Bett sind.“ Dann finden oft Onboardings oder Meetups der Studienmodule statt. Auch am Wochenende, wenn die Kinder sich verabredet haben oder sich selbst beschäftigen, wird der Laptop aufgeklappt und die Lernumgebung des C3L – Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg aufgerufen.
Damit verfügt Catherine über einen groben Fahrplan, um Tage und Wochen zu strukturieren. Der sei jedoch nicht in Stein gemeißelt. „Ich muss immer schauen, was ich sonst noch auf dem Zettel habe“. Entscheidend sei auch das Energielevel. Wenn es etwa im Familienleben turbulent wird, kann mangelnde Konzentrationsfähigkeit dazu führen, dass sie trotz festgelegter Zeiträume fürs Lernen weniger schafft als eigentlich geplant.
Auch für ihren Kommilitonen Ismet Kolcu ist die Kinderbetreuung neben Arbeit und Studium eine große Herausforderung: „Wenn ich in der Woche nach 17 Uhr nach Hause komme, will ich natürlich etwas mit den Kids machen.“ Seine drei Töchter sind während des bislang fünfjährigen BWL-Studiums geboren. Sobald der Nachwuchs den Vater in Beschlag nimmt, ist nicht an Lernen zu denken. „Wenn man mit einer Familie studiert und Vollzeit arbeitet, bleibt immer irgendwas auf der Strecke“, sagt Ismet, der bei EWE als Vertriebler im Außendienst tätig ist. Zum Beispiel kann ich nicht jeden Termin im Verein wahrnehmen – solche Kompromisse müsse man akzeptieren.
Um die Gratwanderung zwischen Family, Business und Uni zu meistern, braucht es realistische Ziele und eine klare Motivation, meint Ismet: „Wichtig ist, sich die Frage zu stellen, warum ich das Studium machen will.“ Die Antwort darauf lautet für Catherine: „Bald habe ich einen Abschluss in der Tasche.“ Diesen bleibenden Mehrwert im Auge zu behalten, hilft ihr, auch die anstrengenden Phasen zu meistern: „Es lohnt, dafür ein paar Jahren etwas mehr tun zu müssen.“
Beim Studium neben dem Job ist neben der Eigenmotivation das Umfeld wichtig. Bei Ismets Familie sind Oma und Opa nicht vor Ort, dafür können Schwägerin und Schwager bei der Kinderbetreuung helfen. „Bald kommt die Große in die Kita, dann wird es etwas einfacher.“ Dass studierende Eltern es nicht immer einfach haben, werde von den Lehrenden berücksichtigt. Etwa wenn man wegen kranken Kindern eine Lernaktivität um einige Tage verschieben muss. Auch der Support des C3L-Teams ist hilfreich, betont Ismet: „Die Unterstützung ist überragend, ich habe mich vom ersten Tag an richtig wohl gefühlt.“
Der Tipp für alle, die unsicher sind, ob das berufsbegleitende Lernen an der Uni zum Familienleben passt: „Ich empfehle, im Gasthörstudium zu starten“, sagt Catherine. „Das kostet nicht viel und die absolvierten Module werden bei einer späteren Immatrikulation voll angerechnet.“ Damit gibt es nach einem Semester eine Basis für eine Entscheidung: Hat man Lust, sich noch einmal in einen Seminarraum zu setzen und allein oder in einer Gruppe ein Projekt zu bearbeiten? Wenn man ein Studienmodul vom Anfang bis zum Ende durchläuft, wird greifbar, was wirklich bis zum Abschluss auf einen zukommt, erklärt Catherine. Ein weiterer Tipp der Studentin für alle, die über ein berufsbegleitendes Studium nachdenken: Habe Mut, an dich selbst zu glauben.
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