Der Leitspruch der Hanse Law School

Fortiter in re, suaviter in modo 
„Stark in der Sache, sanft in der Durchführung“ 

von Prof. Dr. Christine Godt

Das HLS-Motto geht auf Prof. Dr. (em.) Daamian Meuwissen zurück, der zum Zeitpunkt der HLS-Gründung Professor für Rechtsphilosophie an der Universität Groningen war. Seine Vision war ein Europa von unten. Er war seine Überzeugung, dass auch die Methodik der Juristenausbildung darauf angepasst werden müsse. Leitdisziplin müsse die Rechtsvergleichung werden, die ein Gespür für die Unterschiede der Rechtskulturen in Europa vermittelt. Anders als die klassische Gutachtenstechnik müssten Juristen darin geschult werden, nicht nur „herrschende Meinung“ und Mindermeinung zu reflektieren, sondern verschiedene ´herrschende Meinungen´ aus verschiedenen Ländern argumentativ nebeneinander zu stellen und im Zweifel „Mittellösungen“ entwickeln zu können. Es ging ihm um ein Verständnis von „europäischen Kompromissen“, um das Aushalten von unterschiedlichen Lösungen. Juristen müssten nicht allein lernen, wie eine Richterin einen Konflikt „zu entscheiden“. Es ging ihm um eine Methodik, jurisdiktionale Unterschiede aufzuarbeiten und „Problemlösungen mittlerer Reichweite“ zu argumentieren. 

Er beruft sich mit dem Wahlspruch auf den Claudio Aquaviva. Dieser Jesuit war Begründer der ersten Studienordnung der Aufklärung. Aquaviva war 1568 mit 25 Jahren in den damals erst 45 Jahre bestehenden Orden eingetreten. Im Alter von 34 Jahren übernahm er 1581 das Amt des „Generalsekretärs“ und versah es 34 Jahre bis zu seinem Tode 1615. Aquaviva war ein Erneuerer. Als Italiener übernahm er erstmals den damals spanisch dominierten Orden. Er setzte die aufklärerische Reformidee von Ignatio von Loyola in die Tat um und initiierte die erste humanistische Studienordnung. Zuvor war die Ausbildung in den Klöstern eng an der Theologie ausgerichtet. Claudio Aquaviva entwickelte ein Lehrprogramm, das zur Aufklärung passte. Es hatte drei Bausteine: (1) Neben die Theologie stellte er die Logik als gedankliche Grundausbildung. (2) Als Inhalte führte er die Naturwissenschaften (Mathematik, Astronomie, Physik) neu ein. (3) Die Philosophie erhob er zur gleichrangigen, ebenbürtigen Disziplin neben die Theologie. Dieses Programm wurde zum Leitbild Europäischer Bildung. Es erwies sich „stark in der Sache“: „fortiter in re“ 

Diese Idee setzte Aquaviva in sanfter Art und Weise um: „suaviter in modo“. Zuerst setzte er 1584 ein international besetztes Expertengremium ein, das zwei Jahre lang einen ersten Entwurf einer neuen Studienordnung erarbeite (die „Ratio Studiorum“). Dem Gremium gehörte ein Spanier (Johann Azor), ein Portugiese (Gaspar González), ein Schotte (James Tyrie), ein Holländer (Peter Busée), ein Flame (Anthony Ghuse) und ein Sizilianer (Stephan Tucci) an. Ab 1586 ließ Aquaviva diesen Entwurf ließ 11 Jahre in den Ordens-Kollegien diskutieren. Auf diese Weise tröpfelte die revolutionäre Idee langsam in den Orden ein. Es war dieser diskursive Prozess, der der Idee zum Sieg verhalf. Vergleichbar selbstbewusst stellt sich die Hanse Law School neben die Staatsexamensausbildung. Anders als im Jesuitenorden ist die HLS nicht auf die Der Leitspruch der Hanse Law School Fortiter in re, suaviter in modo „Stark in der Sache, sanft in der Durchführung“ von Prof. Dr. Christine Godt Transformation der juristischen Ausbildung in der Breite ausgerichtet. Sie zielt allein auf eine Ausbildung in der pluralen, europäischen, globalisierten Welt. Sie stellt sich als Ergänzung neben das Staatsexamensprogramm. Sie zielt auf die Erweiterung der Berufsbilder und der Methodik. Die neue Methodik steht auf drei Säulen: Neben die Komparatistik und die fundierte Ausbildung im Europarecht, stellt sich die Ausbildung im nationalen Recht (hier deutsches Recht) und die Relativierung der juristischen Weltsicht durch Interdisziplinarität. 

Es gibt drei Gründe, warum Damiaan Meuwissen den Wahlspruch des Jesuiten Aquaviva als HLS-Motto vorschlug. Erstens sollte die Universität Groningen ganz ursprünglich eine jesuitische Gründung werden, geriet dann aber in die Wirren der Reformation, bis sie schließlich 1614 unter dem Gründungsrektor Ubbo Emmius öffnete, einem evangelischreformierten Theologen. Zweitens: Ubbo Emmius verbindet als historische Person die Städte Bremen, Oldenburg und Groningen. Emmius ist 1547 in Greetsiel geboren, ging in Emden zur Lateinschule, besuchte das Gymnasium in Bremen, bis er 1596 als Lehrer und Rektor des Gymnasiums nach Groningen berufen wurde, wo er hochbetagt 1625 starb. Drittens: Der damalige Religionskonflikt ähnelt den gesellschaftlichen Umbrüchen von heute. Sie haben grundstürzende sozio-ökonomische Ursachen. Die Folgen sind nur durch Bildung und Zuwendung zu den Menschen zu bewältigen.

(Stand: 19.09.2026)  |  Kurz-URL:Shortlink: https://uol.de/p115650
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